Chodowiecky, Daniel Nicolaus

Chodowiecky, Daniel Nicolaus, Zeichner, Maler und Kupfer -

stecher, ein allgemein bekannter Künstler, geb. zu Danzig 1726, . gest. zu Berlin 1801. Er erlernte in seinen früheren Jahren die Handlung, die auch bis zum Jahre 1754 seine meiste Zeit in An- spruch nahm, und nur in den Nebenstunden war es ihm vergönnt zu zeichnen und zu malen. Bis zu dem bezeichneten Jahre malte er eine bedeutende Anzahl von Dosengemälden in Miniatur, allein diese waren nur Versuche, die ihn aber von dieser Zeit an bestimmten, die Handlung zu verlassen und sich ganz der Kunst zu widmen. Er malte jetzt Porträts in Miniatur , fand aber wenig Gelegenheit, sich in grossen Compositionen zu zeigen. Chodowiecky äußert indessen durch sein höchst vollendetes Ölgemälde mit dem Abschiede des unglücklichen Calas gezeigt, dass er auch hierin Treffliches zu leisten vermöge. Es sind auch einzelne grosse und nette Blätter von ihm vorhanden, wie Ziethen sitzend vor seinem Könige, der, einige Steifheit abgerechnet, dem Künstler grosse Ehre macht. Ganz vorzüglich war er aber für Darstellungen im kleinen Format für Taschenbücher und andere literarische Erzeugnisse. Er ist im Kleinen der Hogarth der Berliner und der Stifter einer neuen Kunstgattung in Deutschland , nämlich der Charakter- darstellung moderner Figuren von höchster Wahrheit in der Phy- siognomie und der Lebhaftigkeit des Ausdrucks, dabei mit unnach- ahmlicher Laune, verbunden mit sittlicher Beziehung. Jedermann kennt und schätzt seine Kupfer zu Basedow’s Elementarwerk, zum Sebaldus Nothanker, zu Lavater’s Physiognomik. In seinen zahl- reichen Arbeiten findet der Menschenkenner und Sittenforscher überall den verwandten Geist. Seine Figuren haben Ausdruck im Gesichte, sie sind immer in einer der Handlung angemessenen Stellung, oft bei aller Lächerlichkeit nicht übertrieben, und immer in dem wahren Charakter, der den verschiedenen Lastern und Lei- denschaften eigen ist. Seine Satyre ist manchmal sehr beissend. Wir erwähnen hier nur das wenig bekannte Blatt, welches auf Ramler zielt, der Kleist’s Werke in einer neuen Ausgabe mit An- merkungen besorgt hatte. Er zeichnete den verklärten Dichter im Sarge, wie Ramler ihm den Lorbeerkranz vom Haupte wegschiebt und ihn mit der Rachen zu barbieren anfängt.

Chodowiecky, Daniel Nicolaus.

Chodowiecky starb als Direktor der königl. Akademie der Künste zu Berlin, und hinterließ, da er bis zu seinem Tode thätig war, eine bedeutende Anzahl von Werken. Eine sehr vollständige Samm- lung besass Frauenholz in Nürnberg und die Tochter des Künst- lers, die Gattin des Predigers Henri, die das Werk 1824 zum Ver- kaufe ausbot. Der Kunsthändler Jakoby in Berlin gab 1814 ein Verzeichnis sämmtlicher Kupferstiche dieses Meisters heraus.

Ausser seiner von ihm selbst geschriebenen Lebensgeschichte findet man eine Menge Nachrichten über ihn und seine Stiche in verschiedenen Schriften, die alle seiner mit grossem Lobe gedenken.

Sämmtliche Blätter dieses Künstlers können wir hier nicht ver- zeichnen, und wir verweisen demnach auf Jakoby’s Catalog, und auf jenen der Kunstsammlung des Antistes und Dekean’s Veith in Schaffhausen, wovon R. Weigel zu Leipzig 1835 der erste Teil herausgab.

Theils der Seltenheit, theils der Trefflichkeit der Blätter wegen erwähnen wir:

Den Abschied des Jean Calas, nach des Künstlers eigenem Ge- mälde, H. 12 Z. 6 L., Br. 10 Z. 4 L. ;

Die ersten Abdrücke dieses Blattes haben am unteren Rande sechs französische Verse und die Jahrzahl 1767.

Diese Abdrücke sind sehr selten, und ein solcher ist in Weigel’s Katalog von Kunstsachen und Büchern I. S. 53 für 10 Thlr. ausgeboten.

Die zweiten Drucke sind mit der Jahrzahl 1768 versehen.

Auf verschiedenen Auktionen wurde dieser Calas zu 3—0 fl bezahlt, in der Blücher’schen Auktion nur mit 1 Thlr. 12 gr.

Der sogenannte kleine Calas, ein Blatt in 8, ist bei Weigel für 10 gr. zu haben.

Friedrich II. und der Kronprinz auf der Heerschau zu Potsdam, 1777. H. 9 Z. 7 L., Br. 12 Z. 5 L. Selten, Galt ! — 2 Thlr. 22 gr.

16 Blätter zu Bunkel’s Leben. H. 4 Z. 6 L., Br. 1 Z. 6 L.

Die ersten Abdrücke vor den Nummern und vor der Überschrift auf dem ersten Blatte sind selten.

12 Blätter zu Göttinger Kalender, 1778. H. 8 Z. 2 L., Br. 1 Z. 6 L.

Wilhelm Tell. H. 13 Z. 6 L., Br. 15 Z. 3 L.

Die ersten Abdrücke sind vor der Schrift.

Ein alter Mannskopf mit der Inschrift: Ernsthafes und vertrau- liche; Bauerngespräch, 1758, eines der seltesten Blätter; in qu. fol.

Die russischen Gefangenen, 1758, qu. 4, Selten.

Der L’Hombre-Tisch, 1758; qu. 8.

Das Maler-Cabinet, worin der Künstler selbst vorgestellt ist, 1771, ein Hauptblatt in kl. qu. fol.

Der Tod des Herzogs Leopold von Braunschweig; qu. fol.

General Ziethen vor dem Könige sitzend; gr. qu. fol.

Die Bauernjungen, 3 Blätter; 8.

Studienblatt von Halbfiguren, Köpfen, ein Rader in 8. Von größter Seltenheit und den meisten Sammlungen fehlend.

Eine Landschaft mit Viehherde, nach C. WE, Dietrich, in H. Roos Manier; qu. 4.

Das Bildnis Friedrich’s II., nach C. Vanloo;

12 Blätter zu Mina von Barnhelm; in 12. Sten.

12 Blätter zum Don Quixotte; in 12.

Die Abdrücke auf chinesischem Papier vor der Schrift sind äus- serst selten.

42 Blätter z. Die Jäger, 1 Bl.

Chodowiecki, Daniel Nicolaus.

Der Gang verschiedener Stände zum Tode; qu. fol. -

Das Bildnis von F. B. Schönberg von Brenkenhoff; 8. - Selten.

Die Blätter zu Basedow’s Agathocrator; 8. -

Greise pflanzen Bäume, Vignette zu Gellert’s Moral und als Bibliothekzeichen des französ. Seminairs zu Berlin in qu. 8. und 8.

Die Blätter zu Selbaldus - Nothanker. Die erste Auflage ist selten, mit den Berliner Geistlichen in ihren Amtstrachten.

Der Deserteur, 12 Bl.; 8. Vor der Schrift sehr selten.

Die Blätter zu Lavater.

Die Heimführung der Braut; qu. 8.

Der Bankrotter; qu. 8.

Der lankerotte Schuster; kl. 4.

Die Titelvignette zu Werther’s Leiden; qu. 8. Selten.

Der Lüdprediger von Wakefield, 12 Bl.; 8. 4

Die ersten Abdrücke vor der Schrift sind sehr selten.

Gellert: Fabeln, nebst dem Monument des Dichters, 13 Bl.; 8.

Die ersten sehr seltenen Drucke sind vor der Schrift.

Der Preliger Gros aus Soshienz Reisen, 12 Bl.; 8. Sehr selten. Auch andere Blätter zu diesem Werke sind selten.

Die Oge;bamng, zwei allegorische Figuren, eine Vignette; qu. 8. Selten.

Candid, 6 Bl.; 8. Selten.

8 Blätter zu Bürger’s Gedichten; 8.

Die Abdrücke vor den Seitenzahlen sind selten.

Die 12 Blätter zu L'lirqsl’s Lebensläufe; 8.

Die 6 Blätter zu Karl Ferdiner.

Die 12 Blätter zum Gil-Blas. Eine Hauptfolge und selten.

Die Geschichte eines schlecht erzogenen Kindes, 12 Bl.; in 12.

Peter Marks, 6 Bl., eine seltene und schöne Folge; 8. Die Beirathsceremonien, 8 Bl.; 8., im Kalender.

Die 1% Blätter zu Voltaire’s Schriften. Selten.

Titelkupfer zu den Memoiren des Ritters Gramont, eines der schönsten Blätter; 8.

Die Heinthsanträge, 42 Bl.; 8. Selten.

Die 3 Blätter aus dem Leben des Erlösers zu Hermes Passions- Predigten; 12. Selten.

Die sechs Schüsseln, 12 Bl.; 8. Selten.

Der tote Greis, Vignette zur Elegie der Karschin; qu. 8. Selten.

7 Blätter zu den Memoires des Refugiés; 8.

2 Blätter zu Meissner’s Skizzen; 8.

Die ersten Drucke sind vor den Seitenzahlen.

6 Blätter Shiller’s Räuber; 8.

412 Blätter lorik’s empfindsame Reise; 8. Im Calender.

40 Blätter zu Lavater’s Messias; 8.

12 Blätter zu Siegfried von Lindenberg; 8. Selten.

412 Blätter zu Adelheid von Veltheim; 8. Im Calender.

Der amerikanische Freiheitskrieg, 12 Bl.; 8. Selten.

3 Blätter zu Geschichte Peter des Grossen, Erster Druck vor

der Schrift.

Die Eigenschaften, 12 Bl. zum Etuikalender.

Der Eheprojrator, 12 Bl.; 8. Keine seltene und schöne Folge.

42 Blätter zu Shakespears Heinrich IV.; 8. Im Calender.

Brandenburgische Kriegsszenen, 12 Bl.; 8.

Shakespears 3stige Weiber zu Windsor, 12 Bl. Im Calender.

Chodowiecky, Daniel Nicolaus:

Caroline von Lichtfield, 2 Bl.; 8. Coriolanus, 12 Bl.; 8. Im Calender,

4 Blätter zu Gotter’s Gedichten; 8.

Shakespear’s Sturm, 12 Bl.; 8.

Cäcilia, 12 Bl.; 8.

Titelkupfer und Vignette zu dem Leben des Lüderlichen; 8. u 12. }

Das Leben des Lüderlichen, 12 Bl. in guten Abdrücken äußerst selten. I A. Beweggründe und Folgen des Heirathens, 13 Bl. mit dem Titel:

zum genealogischen Calender für 1789; 8.

Modethorheiten, 12 Bl. mit dem Titelblatte; 8.

Anekdoten Friedrich’s II., 12 Bl.; 8.

5 Blätter zu V. Weber’s Sagen der Vorzeit; 8.

Die guten Eigenschaften der Menschen, zum Etuikalender. 12 Blätter zu Blumauer’s Aeneide; 8.

6 Scenen aus der wendischen Geschichte, 6 Bl.; 8.

Die Bartholomäus - Nacht, 12 Bl.; 8.

4 Blätter zu Langbein’s Schwänken, ( Der Todtentanz, 12 Bl.; 8. , Scenen aus der Geschichte, 412 Bl.; 8.

6 Blätter mit Scenen der neueren Geschichte; 8.

12 Blätter der Brandenburgischen Geschichte; 8.

12 Blätter zu Hölty’s Elegie auf ein Landmädchen, zum Etui- Calender. i

Theseus, 6 Bl.; 8. .

Scenen der Revolutionsgeschichte, 6 Bl.]; 8.

Titelblatt zum Blüthenalter der Empfindung; 8. ‘

Verschiedene Darstellungen zum Berliner-Calender 1795, 12 Bl.; 8.

Der l?ichen im Almanach zum geselligen Vergnügen: 1775, 8 Bl.; 8.

6 Blätter zu Lang’s Taschenbuch: Das Glück im häuslichen Le- ben; 8. Sehr selten.

Die Reise nach Dresden, mit dem Portraite des Künstlers und seiner Freunde; qu. fol. * '

Scenen aus der Geschichte der Deutschen, 12 Bl. zur deutschen Monatsschrift ; 8. |

24 Blätter zu Kosegarten’s Clarisse, Hauptfolge; 8

Scenen der Polnischen Geschichte, 6 Bl.; 8.

8 Blätter zu Becker’s Taschenbuch 1796; 8.

Die königl. Familie von Preussen; qu. 8.

Die Flucht der Offenbacher; 8. Selten mit Einfällen und breitem Plattenrande.

6 Blätter zur Louise von Voss; 8.

Catharina II. von Russland, 8 Bl.; 8.

Scenen des häuslichen Lebens, 6 Bl. zu Lang’s Taschenbuch

Julchen Grünthal, 4 Bl.; 8.

Studien von 30 Köpfen im Profil, zu Lavater's Sammlung; 8. Selten im Abdrucke mit vielen Einfällen, '

12 Blätter zum Peregrin Pickle, 1786; 12. }

12 Blätter aus Ariost’s rasendem Roland; 12. .

Der Fortgang der Tugend und des Lasters, 12 Bl. im Calender.

5 Blätter zum Trauerspiel Ralf Krieg; 8.

Natur und Affektation, 12 Bl. Im Calender 1780.

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