Chaudet, Antoine Denis

Chaudet, Antoine Denis, Maler und Bildhauer , geb. zu Paris 1736, gest. 1810. Dieser ausgezeichnete Künstler , von dem Na- poleon nur allein dargestellt werden wollte, war ein Schüler von Boullée, und schon in seinem 14. Jahre unter der Zahl der Zöglinge der Akademie der Malerei. Damals hatte sich der bessere Ge- schmack, den Vien in der Malerei verbreitet hatte, noch nicht auf gleiche Weise über die Plastik verbreitet, aber unsern Künstler begeisterte schon ein besseres Streben, das in ihm bei der Betrach- tung guter Muster rege wurde. Allein er musste anfangs noch dem Geschmacke der Schule fröhnen, und daher sieht man in sei- nem Basrelief mit der Verkaufung Joseph’s, das 1784 den Preis gewann, nach der Weise seiner Schule, noch Bäume, eine Brücke und kleine Kinder als Beiwerk; aber Chaudet hätte, wie er sich selbst äußerte, damals auch Rauch und Regen dargestellt, wenn es das Programm erheischt hätte. Dennoch verdient dieses Werk die Krone, die ihm ertheilt wurde. Die übrigen Schüler waren daher so davon bezaubert, dass sie den Urheber im Triumph herumtrugen. Von dieser Zeit an war Chaudet allein für die Bildhauerei eingenommen und hierin auf seinen Ruhm bedacht. Um diesen zu erreichen begab er sich nach Rom , um die Kunst in ihrer Würde und Erhabenheit zu schauen. Er studierte nach den griechischen und etruskischen Vasen, nach den Basreliefs und den Statuen der alten klassischen Zeit und auch in den Logen Raphaels sah man ihn verweilen. Nebenbei malte er mit Drouais auch Ski zzen, die einen talentvollen Maler verkünden.

Im Jahre 1780 kam er nach Paris zurück, wo er jetzt der Aka- demie aggregirt wurde, in welcher er später auch als Professor mit Eifer und Liebe seine Kunst lehrte. Das erste Werk, das ihm in

Paris vortheilhaft bekannt mächten, ist ein Basrelief, welches er für das Peristyl des Pantheon verfertigte, und das einen sterbenden Soldaten vorstellt, den der Genius des Ruhms unterstützt. Grosse Anerkennung fand 1796 auch die colossale Gruppe, welche den öffentlichen Unterricht vorstellt, und zu Anfang unsers Jahrhunderts waren besonders die Statue des jungen Cygnus mit dem Hirsch, jetzt im Conservatorium, und jene des Hirten, der den Oedipus als Kind vom Tode rettet, diejenigen Werke, welche seinen Ruhm begründeten. Der letztere ist eine der besten Erzeugnisse der modernen Sculptur, und ein Amor in natürlicher Größe erhöhte noch besonders den Ruf des Künstlers. Ein grossartiges Werk war die 11} Fuss hohe Statue Napoleons auf der Triumphsäule des Platzes Vendôme. Sie stellte Napoleon im Costüme eines römischen Kaisers dar, mit Lorbeern gekrönt, geharnischt und mit dem Feldherrnmantel bekleidet, wie er sich mit der einen Hand auf das Schwert stützt, und mit der andern den Globus mit der Siegesgöttin hält. Diese Statue war aus einem Gusse, nur der linke Arm und das Ende der Draperie wurde angefügt.

Diese 5000 Pfund schwere Bildsäule, mit deren Formen Napoleon nicht zufrieden gewesen sein soll, sollte 1814, als die verbündeten Mächte in Paris einzogen, durch die unsinnige Bemühung eines Volkshaufens umgestürzt werden; allein die Versuche, den Coloss niederzureissen, blieben fruchtlos, obschon man angefangen hatte, die Füsse mit Meisseln abzuschlagen. Ein später erfolgter Befehl verordnete eine sicherere Massregel; es wurde nämlich um die Säule ein zweckmässig eingerichtetes Gerüst angebracht; die Füsse wurden in der Höhe der Knöchel abgesägt, um so die Statue herabzunehmen. Anfangs brachte man sie zum Giesser Delaunay und später wurde sie zum Gusse der Statue Heinrich IV verwendet.

In den Tagen der Julirevolution wollte man die Statue Napoleons wieder errichten, und bei dieser Gelegenheit entdeckte der Giesser der Statue Heinrich’s, dass er im linken Arme dieses Königs die Figur Napoleons im Kleinen angebracht, im Kopfe die Anzeige dieses Depositums gemacht, und im Bauche des Pferdes einige Kistchen mit Liedern und Pamphleten jener Zeit angebracht habe.

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