Champagne, Philipp de, ein befähmter Maler, geb. zu Brüssel , gest. 1674. Schon in jüngerer Jugend zur Kunst getrieben, suchte er sich unter M. Bouillon und J. Fonquiere’s Leitung die Techniken zu bilden; und war im 24. Jahre bereits mit so vielfältigen technischen Mitteln ausgestattet, dass er in Rom mit Erfolg seine weiteren Studien beginnen zu können glaubte. Allein es fehlte ihm an dem nötigen Gelde zur Reise, und so wendete er sich zuerst nach Paris, um sich dieses zu erwerben. Hier malte er anfangs Porträts, konnte aber seinen Ruf noch nicht begründen, wie Poussin, den er in dieser Stadt kennen gelernt hatte. Sie waren beide gezwungen, unter dem mittelmäßigen Duchesne für den Luxembourg zu arbeiten, und auch dieser Erwerb schwand ihm bald, da einige seiner Gemälde der Königin besser gefielen, als jene des Duchesne. Champagne zog sich vor der Eifersucht des Letzteren nach Brüssel zurück, aber kaum war er dort angekommen, als ihn die Königin nach Paris einlud, um die Stelle des Duchesne, der indessen gestorben war, zu vertreten. Er erhielt eine Wohnung im Luxembourg und die Direktion über die Arbeiten für diesen Stall. Nun war sein Glück gegründet, und der Künstler führte die Tochter seines chemaligen Verfolgers als Braut heim. Die ersten historischen Gemälde, welche er in Paris ausführte, waren
die Parallele de l’Architecture antique avec la moderne. Paris —
ren jene sechs Bilder, welche in die Carmeliten-Kirche der Vorstadt St. Jacques kamen. In dieser Kirche malte er auch ein Crucifix, welches als Meisterwerk in der Perspektive berühmt wurde. Es ist auf einer horizontalen Fläche gemalt und doch erscheint es per- pendikulär. Er malte auch für den Cardinal Richelieu, verpflichtete sich aber diesem Mächtigen wegen seiner Verbindlichkeit ge- gen die Königin nie. Nun war sein Ruf begründet und er lieferte auch wirklich von dieser Zeit an mehrere treffliche Werke. Dar- unter erwähnen wir die vier Kirchenväter im Dome der Sorbonne, drei Gemälde für St. Gervais, von denen die Erscheinung des heil. Servatius (Gervais) und Protasius ins Museum gebracht wurde, wo sich auch die reuige Sünderin befindet, die Godefroy nach Philipp’s Gemälde gestochen hat. Hieher gehört neben andern auch die Darstellung im Tempel, ein Bild in Notre-Dame, die Ceremo- nie der Ritter des heiligen Geistes in der Augustiner-Kirche, das Abendmahl, welches Girardet gestochen, u. s. w.
Nach dem Tode seiner Frau ging Philipp von Champagne nach Brüssel und malte da für den Erzherzog Leopold Adam und Eva, die den Tod Abel’s beweinen, und nach seiner Rückkehr wurde er Professor und dann Rektor der Akademie. Nun trat Lebrun auf, und der viel ältere Philipp, der bereits den Titel eines ersten Malers des Königs hatte, musste sich den jüngeren Nebenbuhler vorziehen lassen. Doch ertrug er Alles ohne Neid, und selbst dann noch, als ihm die Fortsetzung der Gallerie des hommes illustres, die ihm schon zugesagt war, entzogen wurde. Er zog sich bescheiden nach Port-Royal zurück, und hier war es, wo das berühmte Gemälde entstand, welches die Mutter Angelica mit der Mutter Agnes im Gebete vorstellt. Die Veranlassung gab seine Tochter, die im Port-Royal Nonne war, und so eben von einer schweren Krankheit aufstand. Die Nonne sitzt im Lehnstuhle und betet. Hier ist seelenvoller Ausdruck, reine Frömmigkeit, das höchste Vertrauen auf den Gesichtern zu lesen. Dieses Bild ist 5 Schuh 4 Zoll breit und 6 Schuh 8 Zoll hoch.
Andere Meisterwerke sind noch: St. Ambros, der die Leichname der Heiligen Protasius und Servatius in den Dom von Mailand bringen lässt, eines der oben erwähnten Bilder; — der Apostel Philipp, das akademische Aufnahmsstück des Künstlers; das Bildnis von Arnauld d’Andilly; eine bedeutende Anzahl Porträts: das Ludwig’s XII.; der Königin Mutter; des Cardinals Richelieu und andere von angesehenen Persönlichkeiten des Hofes. Vortrefflich ist auch das von ihm gemalte eigene Bildnis, welches Edelink gestochen hat. Es wurde übrigens mehreres nach Champagne gestochen und eine Himmelfahrt mit: Ph. de Champagne fec. — Aug Quesnel exc. 1650 bezeichnet, soll er selbst geätzt haben.
Nicolaus Champagne sah Italien nicht, und es fehlte ihm daher an Gelegenheit, nach den besten Mustern der Malerei sich zu bil- den. Er ahmte die Natur ohne Auswahl nach, doch giebt es ihm an Wärme und Bewegung. Seine Zeichnung ist correct, aber nicht sehr elegant, die Färbung aber ist zu loben, und auch im Technischen der Malerei verdient er alle Achtung. Der größten Ruf verdient er als Bildnismaler, denn er stellte sein Modell im- mer gut dar. Er behandelte indessen außer der Historie auch die Landschaft, in welcher er oft architektonische Beiwerk anbrachte.
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