Cellini, Benvenuto

Cellini, Benvenuto,

geschmückt. Benvenuto hatte seine Arbeit noch nicht vollendet,

als ihm der Pabst eine Medaille auftrug, die auf der einen Seite

ein Ecce homo und auf der andern einen Pabst und einen Kaiser

mit dem Kreuze zeigte. Der Künstler erwarb sich damit die volle

Zufriedenheit des Pabstes und die Stelle eines Stempelschneiders

bei der Münze. Er fertigte in dieser Eigenschaft den Stempel zu

einem Stücke von zwei Carolinen, mit einem Bildnis Seiner Hei-

ligkeit auf der einen und mit dem Christus auf dem Meere wan-

delnd auf der andern Seite, und daneben arbeitete er fortwährend

an dem größeren, obenerwähnten Werke für den Pabst. Für diesen

machte er auch die Zeichnung und das Modell zu einem

Kelch, und brachte unter demselben die drei runden Statuen des

Glaubens, der Hoffnung und der Liebe an, auf dem Untersatz in

halb erhobener Arbeit die Geburt und Auferstehung Christi nebst

der Kreuzigung Petri. Der heil. Vater besah öfter die Arbeit an

diesem Kelch, aber die Vollendung verzögerte ein Augenübel.

Zuletzt wurde der Künstler gar verhaftet, weil er das Werk nicht

ausliefern wollte, denn der Pabst forderte den Kelch mit Ungestüm

unvollendet, und daher wollte Benvenuto lieber den Werth des

empfangenen Goldes ersetzen und den Kelch für sich behalten.

Der Künstler zahlte auch wirklich die erhaltenen 500 Scudi hinaus,

aber der Pabst befahl dennoch, das Werk zu einer Monstranze

fertig zu machen.

Mittlerweile musste Benvenuto aus Rom fliehen, denn er wurde

angeklagt, den Goldschmied Tobias ermordet zu haben, der eben-

falls am päpstlichen Hofe beschäftigt war; doch bald entdeckte

sich der Irrthum und der Künstler kam wieder nach Rom, wo ihn

Clemens gnädig in seine Dienste nahm. Zu dieser Zeit vollendete

er eine Medaille mit dem Bildnisse des Pabstes, die in Gold, Sil-

ber und Kupfer ausgeprägt wurde. Die ersten Gepräge sind auf

der Rückseite glatt, auf den andern aber zeigt sich da Moses, wie

er Wasser aus dem Felsen schlägt, mit der Umschrift: Ut bibat

populus. Der Pabst sah die Medaille nicht mehr vollendet, denn

er starb und Paul II. bestieg den Thron. Dieser stellte Cellini

als Stempelschneider bei der Münze an, aber einige Zeit darauf

ging letzterer nach Florenz, um sein Leben zu schützen, nach wel-

chem ihm der natürliche Sohn des Pabstes strebte. In Florenz

nahm ihn Herzog Alexander gnädig auf und machte ihn zu seinem

Münzmeister. Er fertigte die Münze von 40 Soldi mit dem Bild-

nisse des Herzogs und dem Wappen desselben; dann schnitt er

den Stempel für die halben Julier, ferner den Kopf des heil. Jo-

hannes im Vollgesichte, die erste Münze der Art, die in so dün-

nem Silber geprägt worden, und auch die Stempel zu den Gold-

gulden mit Kreuz und kleinen Cherubinen und dem Wappen des

Herzogs, sind von seiner Hand. Auch das Modell zu einer Denk-

münze auf den Herzog fertigte er, aber zur Ausführung kam es

in Florenz nicht, denn Benvenuto erhielt vom Pabste einen Frei-

brief, damit er nach Rom gehen und durch den Ablass sich von

den Flecken des Todschlages reinigen könnte, denn er hatte in

Rom den Pompejo von Meli, er ihm auf mancherlei Weise

Schaden gethan, erdolchet. Nach seiner Ankunft in Rom befiel

ihn eine schwere Krankheit, die aber seine gute Natur siegreich

überwand, so dass er in einiger Zeit wieder seiner Kunst obliegen

konnte. Die Medaille für den Herzog von Florenz kam jedoch

nicht zu Stande, denn dieser fand unterdessen seinen Tod durch

Mördershand. Unter den Werken, die dieser Zeit angehören, er-

wähnt der Künstler den Deckel von Gold, mit Edelsteinen geziert,

welcher ein Brevier mit Miniaturen zierte, das Kaiser Carl V. bei

Seiner Anwesenheit in Rom neben andern Geschenken erhielt. Darunter war auch ein Diamant, den Benvenuto künstlich fasste.

Im Jahre 1537 reiste Benvenuto nach Frankreich an den Hof Franz I.; er kehrte aber einer Krankheit wegen bald wieder nach Rom zurück, wo seiner jetzt das Gefängnis wartete. Er wurde von einem seiner Gesellen fälschlich angezeigt, als wenn er einen großen Schatz von Edelsteinen besitze, den er damals entwendet, als ihm der im Castell belagerte Papst die Kronen auszubrechen

gegeben.

Besonders war es der erwähnte Bastard des Papstes, der aus Begierde nach Cellini's Schatz den heil. Vater beredete, mit der äußersten Strenge gegen den Künstler zu verfahren, und so be- schloss Se. Heiligkeit zuletzt, unsern Benvenuto in lebenslängli- chem Gefängnis zu halten. Nach der Rückkehr des Kardinals von Ferrara nach Rom erhielt er endlich die Freiheit wieder. Jetzt vollendete er für den Cardinal einen schönen Becher mit halb erhobenen Arbeiten, und auch sein Siegel fertigte er. Es war gross und mit zwei Geschichten geziert, wie St. Johannes in der Wüste predigte, und dann wie St. Ambrosius die Arianer ver- jagte, beide mit kühner und guter Zeichnung dargestellt. Eben dieser Cardinal trug ihm auch auf, ein Salzgefäß zu verfertigen, Cellini verwarf alle Entwürfe, die man ihm bot und stellte ein Modell aus Wachs her, das aber erst geraume Zeit darnach in Metall ausgeführt wurde, und zwar zu jener Zeit, als Franz I. nebst mehreren anderen Künstlern auch unsern Benvenuto nach Frankreich rief, wo er ihn mit wahrhaft königlichen Gunstbezeugungen überhäufte. Franz besass schon einen Becher und ein Becken von Cellini, und wünschte nun auch ein Salzgefäß ähnlicher Art. Als der Künstler ihm hierauf das wächserne Modell vorwies, fand es dergestalt des Königs Beifall, dass er verlangte, es in Gold auszu- führen und dazu sogleich die nötige Summe von 1000 gewichtigen Goldgulden bei dem Schatzmeister anwies. Benvenuto schritt nun an’s Werk und vollendete es mit Hülfe mehrerer, vornehmlich deutscher Gesellen, deren Geschicklichkeit und Fleiss er volle Ge- rechtigkeit widerfahren liess. Er setzte das Salzfass, oder würdiger bezeichnet, den Tafelaufsatz, auf eine Grundlage von Ebenholz, umschlossen von einem Gurt mit acht Figuren von Gold, Tag und Nacht und die Hauptwinde darstellend. Die zwei Vorderseiten des als Pfeffergefäß dienenden Tempelchens zeigen die drei Lilien Frankreichs und den Buchstaben F, neben welchem ein Drache und die königliche Krone blau emailliert angebracht sind. In den

rächtigsten Schmelzfarben prangen die Blumen, Früchte und

hiere. Das Werk ist Grosserie-Arbeit, die darin besteht, dass über Erz- oder Tonmodelle die Gold- oder Silberplatten getrieben, die Figuren stückweise ausgehämmert und dann die Stücke zu- sammengefügt werden. Von dieser Manier wird Cellini selbst als der Erfinder betrachtet.

Dieser berühmte Tafelaufsatz befand sich bis zur Zeit Carls IX. im k. Schatze. Der König verehrte ihn dem Erzherzog Ferdinand, als sich dieser 1570 mit Carl’s Nichte verehelichte.

Noch prächtiger und kunstvoller soll das Modell eines Spring- brunnens gewesen sein, welches Benvenuto Franz I. überreichte; es wurde aber nicht ausgeführt. Am französischen Hofe fertigte Benvenuto ebenfalls eine silberne Statue des Jupiter, die überle- bensgroße Büste des Julius Cäsar, nach einem kleinen Modelle, das er in Rom nach der Antike gemacht hatte, und zugleich mo- dellirte er einen Frauenskopf von derselben Größe, nach einem schönen Mädchen, das er zu seiner Lust bei sich hatte. Dieses

Cellini, Benvenuto.

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