Cavedone, Jacob

Cavedone, Jacob, Historienmaler aus Sassuolo, geb. 1577, gest. 1600. Er war ein Schüler seines Vaters Pellegrin und hierauf der Carracci, mit denen er gleichen und noch grösseren Ruf theilt, Auch in Passerotti’s Schule sah er sich um, blicb aber stets eigen- thümlich, obgleich er auch Ludovico’s Styl täuschend nachahmen konnte, was besonders in seinen erstern Werken der Fall ist. Eine Heimsuchung der Elisabeth, die nach Madrid kam, erklärte selbst Rubens für ein Werk des Annibale Carracci.

Er wählte in seinen Gemälden keine schwieriäert Stellungen, keine gewagten Verkürzungen, sein Ausdruck ist ruhig, leidenschaftslos, die Zeichnung genau und tadelfrei, besonders in den Extremitäten. Die Natur verlieh ihm Leichtigkeit und Schnelligkeit, und das Stu- dium eine anmuthige, entschlossene Manier; vor allem aber erwarb er sich ein kraftvolles und warmes Colorit, das er bei den Vene- digern suchte, denen er mit solchem Glücke nacheiferte, dass einige seiner Bilder Titiane scheinen, namentlich eine Krippe und eine Erscheinung in S. Paolo zu Bologna . Auch der hl. Alo bei den Bettelmönchen daselbst ist ganz in dem Geschmacke dieses Meisters. Dieses Gemälde kam nach Paris und blieb daselbst bis 1815.

Ein vortreffliches Bild unsers Meisters ist auch der hl. Stephan in seiner Kirche zu Imola , und besonders lieblich und vollendet sind seine Cabinetbilder, die im und ausser Italien verbreitet sind, Man erkennt diese an der fertigen Art in Behandlung der Haare und Bärte, in der anmuthigen dreisten Manier, die viel Gelb oder Ocher braucht. Auch lange Durchmesser und einen geradlinigtern Fal- tenlauf, als bei Andern seiner Schule, gibt man als Kennzeichen an. Seine Tinten sind wenig, und doch befriedigte er damit so, dass Guido Reni sein Schüler und Gehülfe in Monte Cavallo zu Rom ward, um seine Art der Frescomalerei von ihm zu erlernen.

Es ist Schade, dass dieser Künstler nur einige Jahre auf seiner schönen Höhe der Kunst blieb. Der Tod eines Sohnes, der in kurzer Zeit es weit in der Malerei gebracht hatte, und andere

Unfälle, namentlich ein Sturz vom Gerüste, machten ihn ganz stumpf und ungeschickt, etwas von Werth zu leisten. In St. Mar- tin ist eine Himmelfahrt aus dieser Zeit, ein klägliches Werk. Auch sind hier und da noch andere solche Bilder von ihm, ohne die allermindeste Anmuth. Er sank immer tiefer und gerieth in solche Armuth, dass der Unglückliche zuletzt als Bettler in einem Stalle starb.

J. M. Metelli, S. Sacciati, der Abbe St. Non u. a. haben nach ihm gestochen. Er soll eine Dornenkrönung nach Annib. Carracci in Kupfer gebracht haben, und Bartsch XVIII. 530. schreibt ihm drei andere Blätter zu, aber mit Unrecht, denn sie gehören dem P. P. Bonzi an, s. diesen Artikel.

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