Cauchig, Franz, Historienmaler , geb. zu Görz 1742, kam in seinem fünfzehnten Jahre auf Empfehlung des Grafen Guido Cobenzl zu seinem Sohne Grafen Philipp Cobenzl nach Wien , wo er sich vier Jahre mit den ersten Elementen der Figurenzeichnung nach Maler- stücken aus der k. k. Gallerie im Belvedere und mit dem Studium der alten Geschichte beschäftigte. Auf Empfehlung des Grafen Phi- lipp von Cobenzl wurde der kunstbegierige Jüngling von Kaiser Joseph II. im J. 1781 nach Bologna gesendet, um die Werke der Carracci und ihrer Schüler zu studieren. Von Bologna ging er nach Rom . Hier richtete er sein ganzes Augenmerk darauf, in den praktischen Theilen der Kunst die möglichste Festigkeit zu erlangen. Das Historisch-Bedeutende war immer das Hauptziel, weshalb er sich auch durch fleißige Lektüre und unermüdetes Nachforschen über die Sitten und das Costüme der verschiedenen Völker, vorzüglich des Altertums, eine ausgebreitete Kenntnis erwarb. Nach einem siebenjährigen Aufenthalte zu Rom kehrte er nach Wien zurück, wurde aber bald nach seiner Ankunft von dem Staatskanzler Wenzel Fürsten von Caunitz (1701) mit Kunstauf- trägen nach Mantua gesendet, wo er 6 Monate blieb. Von dort ging er nach Venedig , wo er fünf Jahre und sechs Monate die Meisterwerke Titians und anderer großer Künstler studierte. Nach einer sechsjährigen Abwesenheit von Wien kehrte er (1797) auf’s neue in diese Hauptstadt zurück, und fand hier die rühmlichste Anerkennung seiner Verdienste; denn schon 1799 wurde er zum Professor der Historien-Malerei und zum akademischen Rathe an der Kunstakademie ernannt. Er fuhr in dieser Eigenschaft fort, Werke zu liefern, die in jeder Hinsicht der deutschen Kunst zur Ehre gereichen. Einem Manne von so ausgebreitetem Rufe konnte
Caucig, Franz.
Es ist an einer weiteren Würdigung seiner Kenntnisse nicht fehlen. Im J. 1808 wurde er für die k. h. Porzellan-Manufaktur erwählt, um die daselbst angestellten Maler in den höheren Theilen der Kunst zu leiten. Nach Zauner erhielt Caucig 1820 die Direktors-Stelle für die Schule der Maler, Bildhauer, Kupferstecher und Mosaik. Die wichtigsten Arbeiten des Künstlers enthalten fast alle (minder be- kannte) Züge aus der alten Geschichte, und Beschreibung und Ur- teil über mehrere derselben findet man in Hans Rudolph Füssli’s Annalen der bildenden Künste für die österr. Staaten, Wien 1802. I. Th. 110 — 130, und II Th. 128. Doch ist zu bemerken, dass die beiden Füssli das Geburtsjahr dieses Künstlers irrig in 1750 an- gab.
Dieser Künstler malte mehrere treffliche Werke. In Rom: das Altarblatt für Imola, den hl. Basilius, Johann der Täufer und Ma- ria mit dem Jesuskinde, mitten in der Glorie von Engeln. Altar- blatt für die Stadt Fermo: der heil. Schutzpatron der Erdbeben, Mehrere Gemälde kleinerer Gattung, welche von Liebhabern ge- kauft und nach Amerika gesendet wurden. In Venedig: Portia, sich den Tod gebend; halbe Figuren in Lebensgröße. Der am Grabe der Euridice trauernde Orpheus; beide letzteren im Johan- nenum zu Grätz. In Wien: Demetrius Poliorcetes mit der Flöten- spielerin Lamia und ihrer Freundin Demo im Gespräch; in der gräflich Schönburn’schen Gallerie. — Phocion in Unterredung mit seiner Gemahlin und einer Jonierin, aus Plutarch, Seitenstück zu dem vorhergehenden, in Lebensgröße. Dieses Gemälde befindet sich in der fürstlich Lichtenstein’schen Gallerie. — Befreiung des Aristomenes aus seiner zweiten Gefangenschaft durch ein Mädlchen, welches seine Hüter berauschte, halbe Figuren in Lebensgröße. — Zwei Landschaften: die eine Arkadien vorstellend, nach Pausanias Be- schreibung, die andere Ulysses in Phocis, aus der Odyssee. Mehrere Bildnisse. — Sappho sich ins Meer stürzend, in der k. böhmischen ständischen Gemäldegallerie zu Prag. — Tempel und Fest der Ve- nus zu Melita, große Compositionen von vielen sinnreich gruppierten Figuren; letztere 1} Sch. hoch. — Marius auf den Trümmern Carthago’s, wie er eine Botschaft vom Proconsul Sextilius empfängt. Die Figuren 1} F. hoch. — Themistokles gibt sich in des Admetus Schutz. Im Besitze des IE Boronofsky. — Kampf des Deinontes um seine schwangere Gemahlin Hyrneto, nach Pausanias. Im Besitze des obigen Kunstfreundes. — Zwei allegorische Gemälde für den Fürsten Seraphin von Portia. — Ein Familiengemälde für die Fürstin Colloredo. — Maria und der Erlöser, Brustbilder, nach Botzen. — Drei Marienbilder mit dem Jesuskinde. — Altarblatt: Christus am Kreuze, mit Maria, Magdalena und Johannes, in Lebensgröße. Für den Grafen Brunsvick Tabernicus in Ofen. — Altarblatt: die Marter des heil. Bartholomäus, 17 Sch. hoch; die Figuren über Lebensgröße. Für die Gräfin Cobenzl, nach Nämgedl in Mähren. — Altarblatt: der heil. Bartholomäus, einzelne Figur in Lebensgröße. Für den Grafen von Schafgotsch, nach Schlesien. — Salomon’s Urteil. Im k. k. Belvedere. — Paris und Helena. Nach Herodot. — Eris und Proserpina. Für den Legationsrath Raith. — Adonis und Venus, oder die Entstehung der Rose. Für den Grafen Franz von Thurn. — Die Flucht der Vestalinnen aus Rom. Für den Grafen Fries. — Esther vor Ahasverus. Für den Hofrath Niedermayer. — Diana mit ihren Nymphen. Für H. v. Zeilinger in Burkersdorf. — Gorgo entdeckt in Gegenwart der spartanischen Ephoren eine geheime Schrift von Demaratus geschickt. Für die Gräfin Schönborn nach Würzburg. — Aristagoras und Cleomenes. — Zwölf Gemälde, theils Landschaften, theils hi-
Historischen Inhalts, für den Fürsten von Auersberg. — Dions Rückkehr nach Syrakus; Herodis Versöhnung mit seinen Söhnen; Phocion verschmäht das ihm angebotene persische Gold; das Kind Cypselus besänftigt durch sein Lächeln die an ihn abgeschickten Mörder; sämtlich in der Gallerie des Grafen Rudolph Czernin. — Altarblätter: Mariä Himmelfahrt; Maria Heimsuchung; Flucht nach Ägypten; die Geburt Mariä en basrelief, für den Grafen Ph. Cobenzl etc.
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