Cardi, Ludwig, genannt Cigoli oder Civoli, ein Maler und Bau - meister von ausgezeichneten Verdiensten, geb. zu Empoli 1556, gest. zu Rom . Dieser sogenannte Florentiner Titian lernte bei A. Allori und S. Titi, und studierte auch nach A. del Sarto, be- sonders aber nach Correggio. Allein der entscheidende Augenblick für die Entwicklung seines Talents war der, als er sich mit Gre- gorio Pagani zu gemeinschaftlichen Studien verband. Wenn die Uccellini in Bologna Reformatoren der Kunst geworden waren, so wirkten Cigoli und G. Pagani, angeregt durch Baroccio’s sen- timentale Darstellungen in Florenz zur Erweckung des wieder nach dem Geistvollen fragenden Sinns, nachdem, im sinnlich Wirklichen verloren, die Meisten sich in vermeinter Kühnheit und Kraft über- boten hatten.
Diese beiden Künstler folgten indessen dem Baroccio nicht blind- lings; sie beflissen sich einer naturgemäßen Darstellung und besonders einer lieblichen Färbung. Ueberhaupt bemerkt man in allen Werken Cigoli's einen kräftigen Styl und schöne Verschmel- zung der Tinten. Diesen wusste er, nach Correggio’s Weise, grosse Mannigfaltigkeit zu geben und bei verständiger Anlage ist auch der Fleiss in der Ausführung bis ins Kleinste zu loben. Dabei war er ein geschickter Anatom und seine anatomische Figur befindet sich jetzt noch in den Ateliers vieler Maler. Auch in der Perspective, die er, so wie die Baukunst, bei B. Buontalenti gelernt hatte, war er sehr erfahren; er schrieb sogar darüber eine Abhandlung, unter dem Titel: Prospettiva practica etc. con figure in rame intagliate da Bast. Cardi &a lui fratello. Zugleich war er der Erfinder eines Werkzeuges, um jeden Gegenstand nach der Natur und den Regeln der Perspektive zeichnen zu können. Dieses Instrument ist seither auf den höchsten Grad der Vollkommenheit gebracht worden.
Cigoli stand bei Clemens VII. in Achtung und der Großherzog von Toskana machte ihn zum Ritter des St. Stephansordens. Auch der Großmeister von Malta überschickte ihm noch kurz vor sei- nem Tode das Breve eines Ordensritters. Der erwähnte Pabst be- rief ihn nach Rom, um in der St. Peterskirche die Geschichte des geheilten Lahmen zu malen. Den Entwurf dieses Gemäldes zeich- nete einer seiner Feinde nach, und ätzte ihn in Kupfer, um un- sern Künstler eines Plagiats bezüchtigen zu können. Er sagte nämlich, Cardi habe seinen Kupferstich copirt, allein er sah sich bald beschämt, Ludovico vertilgte vor jedermanns Augen den gan- zen Entwurf und begann das Gemälde von Neuem auf ganz ver- schiedene Weise, und übertraf sich sogar hierin. Dorigny hat die- ses Gemälde gestochen und A. Sacchi hielt es ausser Cafà’s Ver- klärung und Dominichino’s Heil. Hieronymus für das schönste Werk zu Rom. Unter der grossen Anzahl seiner Gemälde, woran beson- ders Toskana reich ist, wird die Marter des heil. Stephan, die er 1587 für die Nonnen zu Monte Domini ausgeführt hatte, für sein Meisterstück gehalten. Auch mehrere andere treffliche Werke gibt es von ihm, aber öfters ist ihm die Gewandung nicht ganz gelun- gen und in der Bezeichnung starker Leidenschalten fällt er nicht sel- ten ins Übertriebene. Eines seiner besten Bilder ist der alte To- bias, der den Engel beschenken will, während auch der junge To- bias demselben Perlenschnüre anbietet. Der Ausdruck in diesem Bilde kann nicht wahrer und inniger sein. Es kam aus Malmaison in die Eremitage nach St. Petersburg. Keine andere reiche Composition von meisterhafter, lebenswarmer Färbung in dersel- ben Gallerie, stellt die Beschneidung dar. Cigoli erhielt auch in
der Architektur grossen Ruf. Er führte für den Grossherzog zu Florenz die Dekorationen aus, die bei der Vermählungsfeier der Maria von Medici mit Heinrich IV. von Frankreich aufgestellt wurden. Bald darauf vertraute ihm Ferdinand die Vollendung und Vergrösserung des Pitti an und auch unter dessen Nachfolger, Cos- mus II., sah er sich als Architekt gecreert. Unter der Regierung desselben wurden zu Florenz mehrere Gebäude nach seinen Zeichnungen er- richtet: das Thor und die Treppe des Gartens der Gaddi, die Log- gia der Tornaquinci, das Portal des Klosters St. Felicita, der schöne Hof des Palastes Strozzi und der Palast Ranuccini. In allen diesen Werken erkennt man den treuen Nachahmer M. An- gelo’s. Die Klosterpforte ist fast eine Wiederholung derjenigen von St. Apollonia des Michel Angelo. Indessen ist er nicht immer Nachahmer; so ist neben andern die Fassade des Palastes Ranuc- cini ganz sein Werk. Sein Nachahmungsvermögen war überhaupt gross; auch in seinen Gemälden findet man den Geschmack jener Meister, die er studiert hatte.
Cardi wurde ebenfalls von Paul V. beschäftigt, namentlich durch Zeichnungen für verschiedene Anordnungen, die er mit dem Petersdom vorhatte. Er fertigte auch eine Zeichnung zum Palast der Mediceer auf dem Platze Madama zu Rom. Unter seinen in Manuscript hinterlassenen Schriften ist ein Traktat über die fünf Säulenordnungen,
Cigoli soll auch in Kupfer geätzt haben; allein es scheint nicht ausgemacht zu sein. Die Magdalena, zu den Füssen des Heilandes, die ihm Huber III. 26909 zuschreibt, hat C. Galle gestochen. Dieses Blatt ist mit dem Monogramme des Künstlers und mit CIV, F, INV. (Civis florentinus) bezeichnet. Das andere Blatt, das ihm Huber ebenfalls zuschreibt, die Bekehrungen des Saulus, hat ein Un- genannter gestochen.
Die besten Stiche nach Cigoli sind die von Lorenzini, Cecchini und vorzüglich von Dorigny. Heinecke verzeichnet mehrere der- selben, sowohl nach Zeichnungen, als nach Gemälden.
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