Caraglio, auch Caralio und Caralius

Caraglio, auch Caralio und Caralius, Giovanni Jacopo, vortrefflicher Kupferstecher , Zeichner, Stein- und Medaillen- schneider, von dem man glaubt, er sei zu Parma um 1500 (nach Ticozzi zu Verona 1512) geboren, habe aber zu Verona gearbeitet, weil er sich auf einigen seiner Blätter Parmensis, auf andern Veronensis nennt. Er studirte in Rom nach Marc-Anton’s und Rosso’s Werken und nahm sich den ersteren zum Muster, ohne ihn jedoch in den schönen Umfrissen und der Festigkeit seines Vortrages ganz zu erreichen. Dennoch war er einer der besten Schüler Raymondi’s und stand unter den grossen Kupferstechern Italiens im ersten Range. Seine Werke zeigen den correcten Zeichner und Köpfe voll Geist und sprechender Charakteristik. Weniger glücklich ist er im Helldunkel und in der Behandlung der Falten, die nicht von gutem Geschmacke sind.

Nachdem Caraglio eine Zeitlang das Kupferstechen getrieben hatte, wandte er sich ganz dem Stein- und Medaillenschneiden und erlangte in der letzten Kunst einen grossen Ruhm. Sigmund I. rief ihn desswegen nach Polen , und trug ihm verschiedene Arbeiten auf, die er auch zu seiner grössten Ehre ausführte. Reichlich belohnt kehrte er nach Italien zurück und starb dort auf seinem Landgute im Parmesanischen um 1570.

Er bezeichnete seine Blätter, deren Bartsch (XV. 61) 64 beschreibt, mit seinem Namen, oder auch, wie man behauptet, mit einem Monogramme, das nach Bartsch aus den Buchstaben I A V, d. i. Jacobus Veronensis, zusammengesetzt ist. Man findet dieses Zeichen auf zwei Stichen, von denen der eine die Anbetung der Hirten nach Parmesano, der andere das Portrait Peter Aretins vor- stellt. Zani (encycl. met. V, 64.) will die Ausleseung dieses Mono- gramms nicht anerkennen, ohne jedoch eine andere geben zu können. Heinccke und Bryan schreiben ihm noch ein anderes Zeichen zu, welches ein in einem C stehendes K bildet, allein Heinecke scheint hier im Irrthume zu sein, und auch Bryan, da er wahrscheinlich nur das Monogramm bezeichnet, welches aus den Buchstaben GH gebildet ist, und einem andern Künstler angehöret. In gleichem

Irrthume scheint auch Malpe zu seyn, wenn er von einem Zeichen eines Künstlers spricht, das aus einem in C stehenden R beste- hen soll. Die grosse Schlacht nach Rafael. R. I, IACOBUS, VER, F. H. 12 Z. 4 L., Br. 17 Z. 10 L. Dieses ist eines von Caraglio’s beträchtlichsten Blättern und wurde auf Auktionen mit 6 — 8 Thlr. bezahlt.

Diogenes vor seinem Fasse, nach Parmesano. H. 10 Z. 8 L., Br. 8 Z. (Bei Spekter 6 Thlr.)

Die Verkündigung, nach Titian. H. 16 Z. 8 L., Br. 12 Z. 8 L.

— (Praun 10 fl. Winkler 4 Rthlr.) ;

Die Marter St. Peter und Pauls, nach Parmesano. H. 9 Z. 8 L., Br. 16 Z. 6 L. Sehr selten. (Spekter 7 Rthlr.) Der Streit der Musen und Pieriden in Gegenwart Apollos, nach Rosso. H. 9 Z., Br. 14 Z. Ein sehr gesuchtes und seltenes att. Die Trauung Mariä, nach Parmegiano. H. 17 Z., Br. 8 Z. 6 L. (Winkler 4 Rthlr. 12 Gr.) / Die Liebschaften der Götter, eine Folge von 15 Bl. H. 6—7 Z., 4 L., Br. 10 — 12 Z. ;

Unter diesen Blättern sind zwei nach Rosso äusserst selten, die andern nach Pierin del Vaga. Brulliot kennt noch ein Blatt, das zu dieser Folge gehört und Venus vorstellt, die den Tod des Ado- nis beweint, bezeichnet mit den Buchstaben I A“ ”

Die fabelhaften Gottheiten mit ihren Attributen, in Nischen. Nach Rosso’s Zeichnung. H. 7 Z. 2—3 L., Br. 4 Z.

Vasari lobt diese Folge von 20 Bl.; es ist aber zu bemerken, dass die Platten von Villamena retouchirt wurden, Bink hat das Werk 1530 copirt; auch von Andern gibt es Copien im kleineren Massstabe, von der Gegenseite.

Die Helden (%f5 Herkules, nach Rosso. Höhe 7 Z. 10 L., Br.

. 7 Z.

Die späten Abdrücke tragen die Adresse des A. Salamanca, . (Heller und Joubert. )

Die Verkündigung, nach Rafael. H. 11 Z. 4 L., Br. 7 Z. 7 L.

Die Anbetung der Hirten, nach Parmesano. H. 7 Z. 9 L., Br.

8 Z. 10 L. ;

Man hat von diesem Blatte drei Copien von der Gegenseite, von denen zwei von Unbekannten gefertiget wurden, ohne Zeichen. Die dritte ist von Mauro Oddi. H. 7 Z. 3 L., Br. 0 Z.

Die heil. Familie, nach Rafael (Madame au berceau). H. 10 Z.

3 L., Br. 8 Z. 1

In den ersten Abdrücken ist die Lichtseite der Wiege ganz weiss, in den zweiten ist sie mit Strichen gedeckt. Nach dem letzten Drucke gibt es eine Copie, auf welcher unten rechts steht: RAPH. URS INVENT. H. 10 Z. 9 L., Br. 18 Z. 8 L.

Das Pfingstfest, nach Rafael. H. 9 Z. 10 L., Br. 14 Z.

Dieses Blatt wird für Marc-Antons Werk gehalten ; Bartel aber glaubt, es gehöre dem Caraglio an. |

Die Liebschaft des Mars mit der Venus, nach Rosso’s Zeichnung.

H. 15 Z. 6 L., Br. 12 Z. 4 L. Ohne Zeichen.

Auf der Copie von der Gegenseite liest man: Romae MDLXXV. Typis Antonii Lafreri, ;

Vulcan überrascht den Mars bei der Venus. H. 7 Z. 9 L., Br.

Dieses freie Stück trägt Caraglio’s Namen nicht, aber es ist sicher von ihm, nicht von Bonasone, wie Heinecke angibt.

Die Götter-Versammlung, nach Rafael. H. 13 Z. 0 L., Br. 20 Z.?

Vasari sagt, dieses Blatt sei vom Augustin von Venedig und Marco de Ravenna gestochen. Barisch aber hält es für ein unbe- zweifeltes Werk unsers Künstlers. Später hat es M. Lucchese re- touchirt. Die Copie von der Gegenseite, von einem Ungenannten sorgfältig gestochen, ist 15 Z. 4 L. hoch, und 19 Z. 6 L. breit.

Die Schule des alten Philosophen, nach Rafael’s oder Parmesano’s Zeichnung, oder, wie Bartsch glaubt, nach keinem von diesen beiden Meistern. H. 5 Z. 2 L.?, Br. 5 Z. 7 L.

Anchises von Aeneas gerettet, die Gruppe aus dem Incendio del Borgo von Raffael. H. 7 Z. 8 L., Br. 7 Z.

Man legt dieses Blatt dem Marc Anton bei, Bartsch aber hält es für Caraglio’s Werk.

Alexander und Roxane, nach Rafael. H. 8 Z. 3 L., Br. 11 Z. 5 L.

Vasari legt dieses Blatt irrig dem Aug. von Venedig bei. Die Copie von der Gegenseite hat acht ital. Verse: Ecco Rossane hella etc.

Der Sabing*raub, angeblich nach B. Bandinelli. H. 13 Z., Br. 18 Z. 7 L.

Die Franzosen schreiben nach Florent le Comte dieses Blatt dem Marc Anton zu, der es nach Bandinelli gefertigt haben soll, allein Vasari sagt ausdrücklich, dass Caraglio der Stecher sei, und dass dieser das Blatt nach Rosso in Lippier gebracht. Caraglio begann indessen nur den Stich, den später ein Unbekannter nicht am bes- ten vollendete.

Peter Aretin, nach Titians Zeichnung. Durchmesser der Höhe 7 Z. 1 I., jener der Breite 5 Z. 8 L.

Ixion umarmt eine Wolke, welche die Gestalt der Juno hat. H. 9 Z. 6 L., Br. 6 Z. 6 L.

Dieses Blatt ist in Caraglio’s Geschmack gefertigt, vielleicht nach del Vaga’s Zeichnung.

Man kennt auch eine Wiederholung der fabelhaften Götter, in 12 Blättern, die ganz in gleichem Geschmacke gearbeitet sind, wie Marc Antons sieben Tugenden. Bartsch hält sie auch wirklich für Werke des Letzteren, indem sie von Caraglio’s Weise ganz ver- schieden sind, doch dürfte eines der beiden Werke Copie seyn. Diese Folge, welche nicht numeriert ist und ohne Inschrift, blieb vielleicht unvollendet, wenigstens sind die Blätter mit Saturn und Vulkan unvollendet. Bartsch 1. c.

Caraglio. s. Caraglio.

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