Cantarini, Simon

Cantarini, Simon, genannt Pesarese oder Simone da Pesaro, von seinem Geburtsorte Pesaro, lernte bei Pandolfi und Claudio Ridolfi, wählte sich hinsichtlich des Colorits die besten Venediger zum Muster, ursprünglich besonders den Barocci; gewann aber später Guido Reni’s Stil so lieb, dass er sich ganz ihm ergab, und den- selben oft an Genauigkeit und Grazie übertraf. Jetzt wurde er übermütig und sogar beleidigend gegen seinen großen Meister, der ihn freundlich zu Bologna aufgenommen hatte, und die Folge davon war die Entfernung aus dem Hause desselben. Er ging nun nach Rom , um sich nach Rafael und der Antike zu bilden, kehrte hierauf wieder nach Bologna zurück, und lebte daselbst, bis er in die Dienste des Herzogs von Mantua trat. Allein wohin er nur kam, brachte er seine Unart mit, überschätzte sich, missachtete alle Anderen und spottete selbst Giulio Romano’s und Rafael’s, so dass er gleich gehasst, wie seine Arbeiten beliebt waren. Auch mit dem Herzoge entzweite er sich, und als er ihn in einem Bildnis nicht getroffen hatte, kränkte er sich so darüber, dass er in eine Krank- heit verfiel, nach Verona sich begab, und dort 1648 im 306. Jahre starb, nicht ohne Verdacht einer Vergiftung.

Baldinucci und die gewöhnlichen Kunstliebhaber preisen ihn als einen zweiten Guido, und, in der That kommt er ihm näher, als einem andern. Er hat nicht so edle, aber, nach dem Bedürfnis Vie- ler, anmuthigere Gedanken, ist minder gelehrt, aber sorgfältiger und in den Extremitäten einzig. Er war im Modellieren für sich sehr fleißig, malte auch die Falten nach den Modellen; indess ge- langen sie ihm nie so prachtvoll und breit, wie Guido und Tiarini, welches er auch aufrichtig gestand. Im Colorit ist er mannig- faltig und wahr; am meisten Fleiß verwendete er auf das Nackte; er belebte es durch stellenweise Lichter und mied Entgegensetzung lebhafter Farben; nur durch dunkle Gründe suchte er’s zu heben und seine Schönheit zu verdoppeln. Nur gebrauchte er, um das Kühne zu decken, zu häufig den aschfarbigen Ton, so dass ihn Albani spottweise den Aschenmaler nannte. Trotz diesem Urteil schien er Malvasia der anmuthigste Colorist und der richtigste Zeichner seines Jahrhunderts.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_nAVVAAAAcAAJ