Canova war sehr geachtet und von Königen und Kaisern reichlich beschäftigt. Im Jahre 1800 reiste er nach Österreich und Preußen , und 1802 rief ihn der erste Consul nach Frankreich . Napoleon hielt ihn immer in hohen Ehren und gestattete diesem Künstler fast allein die Ehre, ihn abzubilden. Schon damals nahm ihn die Pariser Akademie der Künste zum Mitglied auf. Im Jahre 1815 kam er zum zweitenmale nach Paris um die reklamirten Kunstschätze abzuholen. Bei dieser Gelegenheit verlieh ihm der Papst den Charakter eines Gesandten. Nach Vollendung seines Geschäfts begab er sich nach England , wo ihm der Prinz Regent eine mit Brillanten reich besetzte Dose verehrte. Bei seiner Rückkehr nach Rom empfing ihn die Akademie von St. Lucas feierlich; der Papst gab ihm den Titel eines Präfekten der schönen Künste, und ernannte ihn zum Marquis von Ischia mit einem jährlichen Ehrengehalt von 1000 römischen Thalern. Im Jahre 1816 wurde sein Name in das goldene Buch vom Capitol eingetragen, eine höchst seltene Auszeichnung, die nur um die Stadt Rom hochverdienten Männern gebührt.
So hoch Canova als Künstler steht, so ragt er doch durch seine edlen Handlungen noch mehr als Mensch hervor. Er verschaffte in Rom einer beträchtlichen Zahl von Familien Unterhalt, und
Ihnen Unterstützung zufliessen. Von seiner glänzenden Ein- nahme ging wieder ein Teil auf die Zöglinge der Akademie über; aber auch andern Anstalten liess er nicht unbedeutende Unterstützun- gen zukommen. Dürftige Künstler erfreuten sich in seiner Person eines Beschützers und Freundes. Auch im Verborgenen wirkte seine Großmuth.
In Possagno brachte er durch seinen errichteten Tempel der Re- ligion, dem Vaterlande und der Kunst die Früchte der Arbeiten seines ganzen Lebens dar, während er sich selbst seit mehreren Jahren die strengsten Entbehrungen auflegte. Die Veranlassung zu diesem Baue war folgende: Er verfertigte in colossaler Grösse die Statue der Religion mit Kreuz und Schild, auf welchem in Relief die Apostel Petrus und Paulus angebracht sind. Er bot sie dem Papst als Beweis seiner ungebremsten Ehrfurcht und Dankbarkeit an, um sie in einem der ersten Tempel Roms aufzustellen; allein die Kardinalen waren dagegen. Entrüstet darüber verkaufte er alle seine liegenden Güter im römischen Gebiete, und liess aus seinen Mitteln in seinem Vaterorte einen herrlichen Tempel bauen, eine Rotunde, deren Frontispiz genau nach dem Parthenon zu Athen bildet ist. Hier liess er die erwähnte Statue aufstellen. Den Hauptaltar sollte von seiner Hand eine Marmorgruppe mit dem Erlöser zieren; allein der Künstler hinterließ die Pietà bloss in Gips, das einzige Werk, welches von ihm selbst nicht in Marmor ausgeführt zu sein scheint. Bazuzzi hat es für den Altar gemeißelt.
Zu Venedig, wo Canova in den letzten Zeiten mit seinem Bruder, dem berühmten Hellenisten Abbe Canova in innigster Eintracht lebte, wurde ihm in der Kirche St. Frari ein Denkmal gesetzt, das er selbst für Titian entwarf, und das seine Schüler nur wenig veränderten. Die ganze Einrichtung ähnelt dem Monumente in der Augustinerkirche in Wien. B. Ferrari, Rinaldi, Zandomenighi, Jacopo de’ Martini und Fabris haben
das Grabmal in Marmor ausgeführt. Es hat die Inschrift:
Antonio Canova. Principi Sculptorum Aetatis Suae, Callegium O19. Venetum, Bonis Acuub: Excollend. Sotdali Maximo Ex Conla- tione Europae universae: A M,DCCCXXVII.
Canova hinterließ eine grosse Anzahl plastischer Werke, aber auch in der Malerei hat er sich mit Glück versucht. Seine Ge- mälde, meist in oder ein wenig unter Lebensgrösse, sind leicht und wie alla prima hingemalt, und dem Farbenton, und selbst der Carnation nach reizend und wahr. In diesen Pinsel, durch dieses venetianische Auge für Farbe, geleitet, wären vielleicht Titian’s Kniff des Colorits und Carraiggio’s Reiz zusammengeflossen, wenn Anmut, der frühere Trick zur ästhetischen Form, hätten gehalten und so ward aus dem von der Natur hochbegünstigten Maler der große, aber ja nur zu oft malende Bildhauer. Die Gemälde stellen Janus und Amor, die Grazien, Helden u. s. w. vor. Auch ein Kreuzabnahme in seine Malereien war er sehr verliebt, und daher konnte sich derjenige, der den Künstler besuchte, nicht empfehlen, wenn er an diesen seinen Lieblingen unbeachtet vorüberging.
Unter den Sculpturen Canova’s erwähnen wir zuerst die wenigen Aufgaben jener Zeit, die in das Bereich der christlichen Darstel- lungen zu rechnen sind. Er hat hier seine Aufgabe nicht immer gut gelöst; denn er lebte in dem Elemente antiker Poesie, als seiner Neigung zum Weichen und Zierlichen vielfältigen Stoff betrachtet, selbst um ihn auf seine eigenthümliche Art zu behandeln. Allein Canova glänzte schon als erster Bildhauer seiner Zeit, als Thorwaldsen seine Laufbahn in Rom begann, und spätestens dann
Canova, Antonio.
auch die christlichen Darstellungen anheim. Hieher rechnen wir die Grabmäler zweier Päpste, Clemens XIV. (Ganganelli) in der Apostelkirche, und Clemens XII (Rezzonico) in St. Peter zu Rom, und das der Erzherzogin Christina in der Augustinerkirche zu Wien. Diese großen Werke sind nach der herkömmlichen Weise nur mit allgemeinen christlichen Emblemen ausgestattet, selbst das Figuren- reichste, die Grabpyramide der Erzherzogin, zeigt nur einen Trauer- zug von allegorischen Gestalten, keinen der Charaktere, die in der christlichen Mythe gegeben und unserm Glauben Gegenstände der Anbetung und Verehrung sind. Ein Werk, das Canova zwischen jenen größeren gearbeitet, die reuige Magdalena, im Besitz des Grafen Somariva, ohne Zweifel eine seiner besten Leistungen, die ihm auch besonders am Herzen lag, zeigte doch, dass er in die Figuren der christlichen Glaubensläden mehr seine individuelle Empfindung, als den geforderten Idealcharakter zu legen wusste.
Die Einseitigkeit der Auffassung, womit er in diesem Meisterwerke weicher Ausführung nur eine zerknirschte Büsserin, aber keine Magdalena bezeichnet hat, ist schon von Fernow mit Recht getadelt worden. Aus jener Zeit ist sonst kein bedeutendes Werk der Sculptur bekannt, das zu den christlichen Darstellungen zu rechnen wäre. Canova folgte fortwährend seiner Neigung zum Bilden ödischer Gestalten, und erst in seiner letzten Zeit (1817) sah man ihn einen Johannes den Täufer als Kind, noch eine Magdalena (1819), im Besitz des Herzogs von Leuchtenberg in München, und endlich (1822) für seine Kirche zu Possagno eine Pietà und Basreliefs aus der alt- und neutestamentischen Geschichte modelliren. Diese letzten Werke tragen aber auch keinen entschiedenen Stil, während in den Basreliefs hat sich der Künstler so sehr ins Gebiet des alerischen verirrt, dass sie wohl zu seinen schwächsten Werken gehören mögen.
Unter den übrigen Leistungen sind zu erwähnen:
Ein liegender Amor und Psyche, nach der Fabel des Apulejus.
Dieses Werk, das 1785 entstand, ist noch manieriert, aber es zeigt so zu sagen den Wendepunkt von Canova’s Geschmack, ein Streben nach Schönheit und Wahrheit. — Psyche, stehend in natürlicher Größe, ist die höchste Anmuth, Der Künstler sagte oft, dieses Werk sei eine seiner Jugendsünden. Bertini hat das Bildwerk in Kupfer gestochen. Venus und Adonis, in Neapel. Gestochen von Bertini, und der Herzogin von Calabrien zugeeignet.
Amor und Psyche; stehend, in natürlicher Größe.
Diese Gruppe besass die Kaiserin Josephine in Malmaison. Eine Wiederholung kam nach Russland, wenn nicht das Werk der Kaiserin selbst.
Perseus, das abgehauene Medusenhaupt haltend, wurde von Pabst Socius Pius VII. gekauft.
König Ferdinand IV. von Neapel, im römischen Costüm. Das Modell war schon 1799 fertig und 17 Palmen hoch, wurde aber erst 1803 in Marmor ausgeführt.
Zwei Athleten, dem Cardinal Consalvi gewidmet, im vatikanischen Museum.
Hebe, die Nektarschenkende, in natürlicher Größe, Im Besitze des Kaisers von Russland. Gestochen von Bertini.
Herkules, den Lykas an einen Felsen schleudernd, eine Gruppe, die in den Besitz des Banquiers Torlonia in Rom kam.
Napoleon mit Scepter und Reichsapfel, und einem Genius, der einen Palmzweig und die Krone trägt.
Französische Kritiker sprechen dieser gutem allen edlen Ausdruck
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