Canova, Antonio

Canova, Antonio, 338

ab, und selbst Napoleon scheint nicht ganz damit zufrieden gewesen zu sein; denn er sagte, als er sie sah: „Glaubt denn Canova, dass ich durch meine Fäuste siege?“. Jedoch behielt er immer eine besondere Vorliebe für den Künstler. Dieses Werk ist jetzt Eigenthum des Herzogs von Wellington .

Das bereits erwähnte Mausoleum der Maria Christina, Erzherzogin von Österreich , in der Augustinerkirche zu Wien, unzweifelhaft eines der vortrefflichsten Werke dieses Künstlers.

Der gelehrte Böttiger hat eine ausführliche Abhandlung über dieses Monument geschrieben, und G. Carpani gab zu Wien „Spiegazione drammatica del monumento Cristina di Canova“ heraus.

Die Wohltätigkeit, eine der Hauptfiguren, ließ Canova in Kupfer stechen. Napoleon’s Mutter, Nachahmung der Agrippina im Capitol. Sie wurde später Eigenthum des Herzogs von Devonshire .

Die „Venus“. Die Göttin liegt und hält einen Apfel in der Hand.

Lord Cawdon, der sie kaufte, bestellte für den König von England eine ruhende Nymphe, schrieb aber dem Künstler eine veränderte, vielleicht anstößige Lage derselben vor, weshalb sich Canova wahrscheinlich dem Geschäfte ungern unterzog.

Die Nackte ruht auf einem Löwenfell, dem Leyerspiel eines Amors, zuhorchend, eine höchst anmuthige Figur von zarter Vollendung.

Venus aus dem Bade kommend, im Charakter und Haltung ganz der mediceischen ähnlich.

Dieses ist durch Adel der Formen und Lauterkeit der Arbeit eines der vorzüglichsten Meisterwerke der Heueren Sculptur.

Die drei Grazien, reizende Gestalten, von anmuthigen, flüssigen, runden Formen. Doch sind diese die modernen Grazien, schmachtend und zärtlich sich umschlingend. König Ludwig I. von Bayern singt, daher in seinen Gedichten II. 197, sie mit den keuschen Grazien Thorwaldsens vergleichend:

„Ueppige Mädchen sind hier die Grazien, Lüsternheit weckend; Ist Zü riezen jedoch je die Bestimmung der Kunst?“

Dieses in seiner Art ausgezeichnete Werk besitzt der König von England, und eine gleiche Gruppe auch der Herzog von Bedford — die an Zierlichkeit der Ausführung keinem andern Werke des Meisters, nachsteht. Diese Letztere bestellte die Kaiserin Josephine; als sie aber 1816 noch nicht fertig war, kaufte sie der Herzog von ...

Die drei Musen, Euphrosine, Aglaja und Thalia, eine ungemein geizende Gruppe, in der Galerie des Herzogs von Lübenberg in München. Die sich umschlingenden Gestalten sind in Lebensgrösse.

Der Friede, für den König von England ausgeführt,

Hector, Ajax, Terpsichore, die sitzende Polyhymnia, St. Johann, Apollo, der Magalena im Besitz des Grafen Somariva.

Die gelügelte Statue des Friedens in Lebensgrösse, für den Grafen Romanzoff in Petersburg.

Die Concordia, Portrait der Kaiserin Marie Louise, sitzend dargestellt, mit Scepter und Discus.

Paris, lebensgrosse Statue, aus carrarischem Marmor, in der k. Galerie zu München, wo sich neben der Venus auch die Büste des Paris und jene der Elisa Baciocchi befindet.

Die Hebe, im k. Museum zu Berlin.

Plutus, in der k. Residenz zu München, ein Geschenk Napoleons an die Königin bei ihrem Aufenthalte in Venedig. 1807.

Die Statue Washingtons, welche Canova der amerikanischen Nation widmete. Sie war im Staatspalaste zu Raleigh, der Hauptstadt von Carolina, aufgestellt, ging aber durch Brand zu

Das Denkmal der Gräfin von Santa C Verstorbenen bestellt. '

Die Statue des Marchese Poleni, auf dem Platze Prato della Valle in Padua.

Das Monument des Adeligen Angelo Emo, im Arsenal zu Venedig. Die Statuen der zwei Faustkämpfer, im vatikanischen Museum.

Die Marmorbüste Kaiser Franz I., in Wien, Die Statue der Polyhymnia, daselbst.

Alfieri's Denkmal mit der trauernden Italia, in der heil. Kreuz- kirche zu Florenz.

Das Monument des Grafen Souza. Es wurde zweimal ausgeführt; das eine blieb in der portugiesischen Kirche zu Rom, das andere wurde nach Pula gebracht.

Das Denkmal Volpato’s, in der Apostelkirche zu Rom.

Die colossale Büste des Malers Giuseppe Bossi, für das diesem Künstler in der Brera zu Mailand errichtete Monument.

Das Monument des Ritters Trento zu Vicenza.

Das Denkmal des Doms Manzoni, zu Forlì.

Die Bildsäule Pius-VI. in der St. Peterskirche zu Rom, der Concistori gegenüber.

Das Grabmal des Prätendenten von Eugen, in Rom.

Das Grabmonument des Prinzen Friedrich von Oranien.

Die colossale Büste Nelsons, dessen Monument Canova ebenfalls modelliert hatte.

Das Pferd, welches bestimmt war, Napoleons Statue zu tragen. Für dieses modellirte er auch die Statue des Kaisers rückwärts- blickend. Nachher gelüstete es den König Joachim von Neapel, dieses Denkmal zu besteigen; aber sein Schicksal beschloss es anders. Nach späteren Anträgen sollte Karl III. von Spanien darauf gesetzt werden; aber der Krieg und die Unruhen verhinderten dieses Vorhaben.

Ein vollständiges Verzeichnis von Canova’s Werken findet man in den Notizie intorno alla vita di Antonio Canova, die A. Patavia 1823 zu Rom herausgab. Im Jahre 1827 erschien zu Prato Missirini’s Vita di A. Canova. Fernow schrieb schon 1806 über Canova und dessen Werke, wie es überhaupt nie Bemerkungen über die Werke dieses Künstlers fehlte. Im Jahre 1822 und 1823 erschienen Schilderungen im Kunstblatte von Dr. Schorn.

Abgebildet sind viele von Canova’s Skulpturen in Cidognara’s Segreta della scultura. Heinrich Moses hatte 1828 zu London seine Werke in 3 Bänden gestochen. In Stuttgart gab F. Schulz Canova’s Werke in lithographischen Umrissen mit einem erklärenden Text nach den Urtheilen der Gräfin Albrizzi und der besten Kritiker, nebst dem Leben des Künstlers von H. Delatouche heraus.

Die Gräfin Albrizzi besorgte nämlich die Herausgabe von Canova’s Werken und stattete jede Tafel mit einer Erklärung aus. Diese Opere di Scultura in 36 Lief. sind mit dem in zwei Abtheilungen dazu besonders ausgegebenen Saggio sulla vita di A. Canova 1825 geschlossen worden. Der obenerwähnte Kunstverleger Schulz gab dieses kostbare Werk, das in gr. fol. erschien, in 19 Lief. in gr. 4. heraus.

Kunstkenner äußern sich über diesen großen Künstler, dass er das tiefere Studium der Natur vernachlässigte, und dass daher seine Figuren in einem und dem andern Theile nicht streng

anatomisch genannt werden können. Selbst seine Schule wollen strengere Kunstrichter, besonders französische, einen nachtheiligen Einfluss auf die Kunst ausüben“ lassen. Die Verfasser der neuesten Beschreibung Roms I, 573 glauben, seinen Stil als eine Vermischung des Stils der Antiken mit der Manier des Bernini bezeichnen zu dürfen. Doch bezieht sich, nach der Ansicht dieser Gelehrten, die Ähnlichkeit mit jenen nur auf das äußere; denn tiefer betrachtet ist er von ihnen gänzlich entfernt und hingegen dem Bernini sehr nahe verwandt. Wie dieser, heißt es weiter in dem bezeichnenden Werke, suchte auch Canova der groben Sinnlichkeit zu gefällen, nur dass er dabei den eigenthümlichen Charakter der Senti- mentalität unsers Zeitalters zu treffen wusste, und dieses soll es denn auch vornehmlich gewesen sein, wodurch er so allgemeine Bewunderung erlangte. „Wenn man ihn daher den Phidias seiner Zeit benannte, so dürfte, nach der Behauptung der gelehrten Ver- fasser des erwähnten Werkes, in dieser Benennung mehr Wahres liegen, als es scheinen sollte, indem seine Werke nicht minder ge- eignet waren, dem vorherrschenden Sinne dieser Zeit zu entspre- chen, als die des griechischen Künstlers dem Geschmacke der alten Athener. Seinen weiblichen und jugendlichen Figuren ist größtenteils eine gewisse Grazie nicht abzusprechen, die aber freilich mehr dem gemeinen Sinne, als dem ächten Kenner als solche er- scheinen möge. Gewiss war er an solchen Vorwürfen auch am lücklichsten, am unglücklichsten aber, wenn er sich an erste, heroische Darstellungen, wie in seiner Gruppe des wütenden Her- kules und des Theseus, wagte, obgleich er in Darstellung des letz- teren den besseren Weg gezeigt hatte, dem er jedoch später nicht folgte. Am auffallendsten aber erscheint sein manierierter Charakter in mehreren seiner Reliefs, wo er im widerwärtigen und unnatür- lichen Geschmacke dem Bernini nicht nachstehen dürfte.

Einige glauben, dass diesem Künstler unstreitbar das Verdienst zukomme, die Bildnerei „nach langer und schwerer Verirrung zur Erkenntnis des Schönen“ zurückgeführt zu haben. In jedem Falle verdankt ihm die Bildhauerei sehr viel, weil er sie wieder in Auf- nahme brachte, und in werkthätige Kraft versetzte, sowohl durch seine ungemeine Thätigkeit in technischer Fertigkeit, als die viel- fachen Aufträge, die ihm sein in ganz Europa verbreiteter Ruf ver- schaffte. Auch das Verdienst der vollendeten Bearbeitung des Mar- mors, und der Vorzug, dass in seinen Gestalten Natürlichkeit und Anmut Hand in Hand gehen, ist ihm nach Schorn (Kunstbl. 1831 No. 65) nicht in jedem Werke zuzugestehen. Wo er Kraft und Grossartigkeit zu erreichen sucht, zeigt er Uebertreibung der Mo- tive und aufgedunsene Behandlung der Formen; wo er nach Schön- heit strebt, eine Weichlichkeit und Affektation, welche sowohl den Gedanken als der Ausführung eine falsche Richtung gegeben haben. Nicht der reinmenschliche Geist, sondern ein Anhauch des modi- schen Zeitgeistes ist es, sagt Schorn, der uns aus seinen Werken entgegenweht. Auch der Vorwurf ist von ihm nicht abzulehnen, dass seine Compositionen oft mehr malerisch als plastisch geordnet sind. Man sehe nur seine Tänzerinnen und ganz besonders seine Basreliefs, zumal die letzten, die er für die Kirche in Possagno entworfen, und worin er, zu einer Zeit, wo Thorwaldsen bereits die ächte Behandlung des Reliefs in grossen Beispielen gezeigt hatte, neben einer unsicheren, verfließenden Anordnung der Flä- chen noch Wolken und Lichtstrahlen, nach Art der verderbtesten Manier, anbrachte.

Dennoch ist er ein wahrhaft genialer Künstler, dem sich in Lebendigkeit der Composition und in Heiterkeit der Ausführung Nagler’s Künstler-Lex., 1. Bd., 22

wenige Neuere an die Seite stellen können. Mit Thorwaldsen kann er jedoch nicht verglichen werden. Er ist sinnlich und weichlich, den heiligen Ernst der Kunst kennt er nicht. Nur bei der Zusam- menstellung der Werke beider Meister, was leider nur im Kupfer- stiche gesammelt werden kann, empfindet man das Hochwürdige in den Werken Thorwaldsens; rein und heilig, voll göttlicher Sülle schreit seine Hebe durch alle verlockenden und wesenlosen Tänzerinnen Canova’s. Eine Vergleichung dieser Art gewähren besonders die Illustrations of modern sculpture, London 1832.

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