Camuccini, Vincenzo

Camuccini, Vincenzo, Ritter und Historienmaler , wurde zu Rom 1773 geboren. Dieser Künstler, den die Italiener zu den berühm- testen Meistern ihres Landes rechnen, machte schon in früher Jugend die eifrigsten Studien nach der Antike, und fand sich be- sonders zu Rafael, Dominichino und Andrea del Sarto gezogen, Er war daher in kurzer Zeit im Stande, sich vortheilhaft bekannt zu machen, und schon zu Anfang unsers Jahrhunderts sicherte er sich den Ruf eines der besten in Rom lebenden Künstler . Das erste Gemälde, mit welchem er vor das Publikum trat, war der Tod des Cäsar, und bald darauf erschien sein Tod der Virginius. Diese beiden Bilder, im königl. Schlosse zu Neapel, erwarben dem Künstler sowohl in der Composition, als in der Ausführung Ruhm; besonders das letztere. Die Zeichnung ist in jedem Ge- mälde korrekt und bestimmt, aber die Figuren sind zu statuarisch, und die vielen weißen Töne von ungefälliger Wirkung. Auch die Anordnung, besonders die der Hauptgruppen, erinnert an die fran- zösische theatralische Weise. Indessen erweckten die Bilder be- sonderes Wohlgefallen, und Viele fanden gar nichts zu tadeln. Die- ses ist auch in Göthe’s Winckelmann der Fall, Hier werden S. 525 die Richtigheit der Zeichnung der lebensgrossen Figuren, der Geschmack in der Gewandung, die Bewegung derselben und die, ausdrucksvollen Köpfe erwähnt. Auch W. A. Schlegel (Sendschreiben an Göthe im Intelligenzblatte der Jenaer L. Z. Nro. 120) gesteht diesen Werken Korrektheit im bessern Sinne im hohen Grade zu. Er nennt die Zeichnung bestimmt und richtig, das Colorit kräftig und heiter, die Charaktere der Figuren edel, die Draperie wohl verstanden; die Gruppirung meistens glücklich, aber er findet keine reichhal- tige Ader der Erfindung. Die Bekanntschaft mit der neuern fran- zösischen Schule war damals Vicelen nicht auffallend, indessen hatte Camuccini immerhin mehr natürliche Harmonie und eine gewisse südliche Milde voraus. Die Italiener glaubten fast durchgehends, dass der Künstler in diesen Gemälden die Vorbedeutung der künftigen Zierde der römischen Schule gegeben habe, und sie erkann- ten in der Eleganz und Reinheit der Zeichnung, im Faltenwürfe, in der Gruppirung und in der Wahrheit des Ausdruckes einen Künstler von hohem Talente. )

Die Meisterschaft hat Camuccini allerdings errungen, und im- merhin verdient die freie und sichere Zeichnung, das Studium und die Kenntnis des plastischen Alterthums, das in seinen Werken sich offenbarte, volle Bewunderung; aber er besitzt nicht Overbeck’s ungekünstelte Natur und jene bis in jeden einzelnen Theil gehende Wahrheit. Sein Colorit hat in neuerer Zeit sehr gewonnen, aber es zeigt sich in seinen Bildern noch immer französischel’Anmut.

In seinen Cartons und in den gemalten kleineren Skizzen gefällt er besonders. In den ersteren ist er Nebenbuhler der grössten Meister, und Kenner glaubten hierin selbst Rafael’s Kunst zu er- kennen, und bedauern nur, dass die Ausführung in Farben nicht gleichen Schritt mit ihnen halte.

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