Callimachus, Callizotechnos oder Catatechnos genannt, Bild-
hauer, Baumeister und Maler, ein Künstler, der weder nach seinem
Geburtsorte, noch Meister bekannt ist. Nach Thiersch Epochen etc.
2te Aufl., S. 201 Anmerk., dürfte er aus Athen gewesen sein,
weil ihn die Athener wegen seiner übertriebenen fleißigen Ausfüh-
rung xaxılorexvos, den Kunstverschlimmerer, nannten. Auf der an-
dern Seite erscheint er als Erfinder der korinthischen Säule, wo-
durch er nach Corinth gezogen wird. Dionysius stellt ihn neben
Calamis und lobt beide Asxrörntos ivena xal xapıros. Auch Vitruv
rühmt die Feinheit und Sauberkeit seiner Arbeit, nur ist nicht ab-
zunehmen, wie er propter elegantiam et subtilitatem artis marmo-
reae zu Athen jenen Spottnamen empfangen hat.
Auffallend ist ebenfalls, dass ihn Vitruv zum Erfinder des korin-
thischen Kapitäls macht, und dass Pausanias ihn als denjenigen
nennt, der zuerst den Bohrer bei der Bearbeitung des Marmors
gebrauchte. Der Gebrauch des letzteren kann nicht jünger sein,
als die frühesten Marmorwerke von einiger Bedeutung; in diese
Zeit aber ist Callimachus nicht zu setzen, es müsste denn ein an-
derer dieses Namens in früherer Zeit den Bohrer zuerst gebraucht,
und unserm Künstler, als dem jüngern, nur die Erfindung einer
verbesserten mechanischen Vorrichtung angehören.
Auch die Kapitäler wurden vielleicht schon lange vor Callimachus
mit Blättern, Schilf etc. versehen, und man kann daher annehmen,
dass dieser Künstler der korinthischen Säule nur schönere Propor-
tionen gegeben, als dieselbe in ihrem ersten Entstehen gehabt ha-
ben mag, und dass er demnach das Kapitäl ganz zierliche Pracht
vollendet habe. Auch Vitruv sagt, dass Callimachus zu dem ele-
ganten Knauf noch die schicklichste Proportion der Säule selbst
angegeben habe, was sicher nur auf die vollendete Ausgabe der
bereits vorhandenen Säulenform zu deuten ist.
Die Blüte des Künstlers muss also in spätere Zeit fallen, als
die eigentliche Erfindung des Bohrers und des korinthischen Capi-
täls. Nach Thiersch kann er wegen der Sauberkeit und Feinheit
der Arbeit, welcher der übertriebene Fleiss oft an Anmut scha-
dete, nicht früher als Calamis gesetzt werden, und nach H. Meyer
Gesch. der Künste bei den Griechen I. 96 dürfte er in der Zeit
des schönen Styls, nicht früher als Scopas und Praxiteles gewe-
sen sein, da man das Gefällige schon zum Höchsten schätzte und
suchte, und die Kunstrichter selbst auf meisterhaft feine Behand-
lung einen Werth legten.
Nach Hirt Gesch. der b. K. S. 157 lässt sich die Blütezeit des
Callimachus vielleicht dadurch bestimmen, dass er die goldene
Lampe für den Tempel der Minerva Polias in der Burg zu Athen
verfertigte. Über diese Lampe, die Tag und Nacht brannte, er-
hob sich ein erzener Palmbaum bis unter die Decke, der den Oel-
dampf ableitete. Der Tempel der Polias war um Ol. 02. 4. in der
Vollendung begriffen, und zu dieser Zeit musste auch die kunst-
volle Lampe in Arbeit sein. Nach Sillig blühte er um Ol. 90.,
nach Müller um Ol. 85.
Von Bildwerken dieses Künstlers ist nur wenig verzeichnet. Zu
Plataeae stellte er die Juno in ihrem Tempel sitzend vor, wie Pausanias benachrichtigt, und Plinius erwähnt die tanzenden Spartanerinnen. Dieses Werk war höchst vollendet, aber das Übermass von Fleiss hatte demselben das Leichte, die Grazie entzogen.
Im capitolinischen Museum sieht man jetzt ein Relief, welches drei tanzende Hörner und einen Satyr vorstellt und mit dem Namen Kallimachos bezeichnet ist. Die Arbeit ist noch im äginetischen Stil, aber mit solchem Fleisse vollendet, dass man noch wohl an unsern Künstler denken könnte. Andere hingegen halten diesen Callimachus für einen ältern Meister.
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