Caldara, Polidor, genannt da Caravaggio .
Der um geboren wurde. Er kam nach Rom und fand als Handlanger bei den Arbeiten im Vatikan Beschäftigung, bis ihn endlich Raphael seinem Schüler Maturino übergab, bei dem er in der Sgraffito-Malerei Unterricht erhielt. Die Fortschritte, welche Polidor unter diesem Meister machte, waren bedeutend, und da her soll sich selbst Raphael nebst Maturino noch seiner Beihilfe bei den Malereien in Chiaroscuro bedient haben. Mit Maturino schloss Polidor Freundschaft, und beide malten nach Raphaels Art an den Facaden der Häuser in Rom Grau- in Grau- Bilder, nahe der Art der alten Basreliefs, in welchen heilige und gewöhnliche G- eschichten mit vollkommener Vollkommenheit dargestellt waren. Doch mag immerhin Maturino das vorzüglichste Verdienst gehören, namentlich in der Composition, denn Polidor besaß weniger poetischen Geist. Rom hatte einst eine grosse Anzahl von solchen Sgraffiti, gegenwärtig sind aber nur wenige übrig, und diese stehen in einem besonderen Zustande. Ihre Composition schwebt zwischen dem Reliefstil und der eigentlich malerischen Anordnung. Die Zeichnung zeigt viel Leben und Schönheitssinn. Die Composition dieser Gemälde findet sich in den Stichen des Santo Bartoli, von Alberti und Galestruzzi erhalten.
Von seiner Hand sind nach Vasari’s Zeugnis auch zwei Bilder in der Kirche St. Silvestro di Monte Cavallo, welche die Verlobung der heil. Katharina und Christus als Gärtner vorstellen. Diese Bilder gehören unter die ersten Beispiele von Landschaften italienischer Künstler. Die Figuren sind den mit Gebäuden und antiker Architektur geschmückten Landschaften gänzlich untergeordnet, und können nur als Staffage derselben angesehen werden.
Das freundschaftliche Band, das Polidor und Maturino schlossen, wurde 1527 bei der Einnahme von Rom zerstört. Der letztere, auf der Flucht von der Post ergriffen, ging elend zu Grunde, und Polidor rettete sich nach Neapel, aber nicht genug Nahrung findend, wendete er sich nach Messina, wo er bis 1543 als Hauptmeister figurirte. In dieser Stadt machte er sich darin zur Hauptbeschäftigung, worin er früher nur geringere Versuche gemacht hatte. Altargemälde waren seine meisten Arbeit, aber diese wurden im Auslande wenig bekannt. In Neapel beobachtet man erst seit 1785 Werke von ihm, die aus den eingestürzten Bauten nach dem Erdbeben dahin gelangten. Der obere Teil der Himmelfahrt Mariä findet sich daselbst in den königl. Zimmer. Ein grosses Gemälde in der königl. Sammlung, wo Christus vor dem Areuzer erliegt, gehört zu seinen vorzüglichsten Werken, auch Vasari nennt. Die Composition ist reich und das Garn von einem ungewöhnlich warmen Colorite. Eine Anbetung der Hirten in demselben Museum ist nur eine geistreiche Skizze. Wenn man die Figuren dieser Werke in Hinsicht der Zeichnung und des Styls vergleicht, so dürfte, nach Hirt, der Künstler Messina eher verloren, als gewonnen haben. Bis jetzt hat man geglaubt, dass man den antiken Stil in jenen Reliefmalereien tatsächlich dem Polidor zu danken habe; allein der Abstand seiner messinischen Werke hievon ist so gross, dass man vermute, dass der Florentiner Maturino mehr Anteil an jenen gemeinsamen Compositionen gehabt hat, als Polidor.
In Deutschland sind die Ölgemälde Caldara’s selten. In der Gallerie zu Gotha befindet sich eine Verkündigung, ein Bild von reizendem Colorite, aber in der Zeichnung schwächer als die Reliefbilder in Rom. Polidor dürfte daher in letzterer Stadt größtentheils nach Maturino’s Zeichnungen und Entwürfen gearbeitet
haben. Gross ist er nur mit Maturino in den Werken in Hell- dunkel, worin beide alle Künstler ihrer Zeit übertrafen.
Dieser Künstler erwarb sich in Messina Ehre und Reichthum, aber letzteren raubte ihm, sammt dem Leben, 1543 eine seiner Küchte, der ihn erdrosselte. Seine Überreste liegen in der
Hauptkirche zu Messina.
Nach Polidoro da Carravaggio wurde Vieles gestochen, und auch er selbst soll Einiges geätzt haben. Mariette besass sein Kupfer- werk in 200 Blättern. Füssly zeigt in seinem raisonnirenden Ver- zeichniss I. 192 — 06 die wichtigsten nach ihm gestochenen Blätter an. Die von Galesstruzzi dürften die vorzüglichsten seyn, na- mentlich stellt die Geschichte der Niobe den Charakter des Künst- lers trefflich dar. Die Stiche nach diesem Meister sind jetzt meist selten. Im Winklerschen Catalog sind über 150 Blätter angegeben.
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