Calcar hatte sich Titian’s Art zu malen so ganz angeeignet, dass es oft schwer war, die Arbeiten des Schülers von denen des Meisters zu unterscheiden, und die grössten Renner und Künstler getäuscht wurden. In der Boisseree’schen, seit 1827 königl. bayerischen Sammlung, wird eine Mater dolorosa von ihm aufbewahrt, die in der That von so hoher Schönheit ist, dass man die Möglichkeit eines solchen Irrthums leicht begreift. Vasari nennt ihn bewundernswerth im Bildniss, und lobt ihn auch in grossen und kleinen Figuren, deren einige nach Sandrart’s Urtheil ebenfalls dem Titian gleichen. Wie hoch Calcar’s Gemälde auch in späterer Zeit von den bedeutendsten Kennern geschätzt wurden, beweiset die grosse Vorliebe, mit der Rubens ein kleines, kaum über eine Spanne grosses, Bildchen von ihm bewahrte, welches er überall mit sich führte. Es stellte die Hirten dar, wie sie Joseph an der Krippe des neugebornen Heilandes freundlich empfängt. Johannes hatte hier, wie Correggio in seiner berühmten Nacht, das Licht vom Kinde ausgehen lassen. Dieses Gemälde kaufte nach Rubens Tod der berühmte J. Sandrart, und überliess es später dem Kaiser Ferdinand III., der es mit sich nach Prag führte, von wo es nach Wien kam. Gemälde von der Hand dieses Meisters sind auch in der Stiftskirche zu Xanten, und höchst schätzbare Portraite in den kaiserlichen Gallerien zu Wien und St. Petersburg .
Nicht minder vortrefflich als Calcar’s Gemälde sind auch seine Zeichnungen mit der Feder und Kreide. Von ihm sind auch die Holzschnitte zu Vesal’s Anatomie, welche Einige mit Unrecht für Coriolan’s Arbeit ausgeben. So wurden hingegen oft die Bildnisse in Vasari’s Lebensbeschreibungen der Maler (dritter Teil, 11. Aufl. 1568) irrtümlich unserm Künstler zugeschrieben, während sie dem Coriolan angehören.
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