Burgkmair, Hans

Burgkmair, Hans, Maler, Zeichner, Kupferstecher und Formschneider , einer der vorzüglichsten Künstler seiner Zeit, der Sohn eines Malers Thomas Burgkmair, der noch 1480 zu Augsburg lebte. Über das Geburts- und Todesjahr dieses Meisters herrschen verschiedene Angaben. Einige lassen ihn irrtümlich oder 74 das Licht der Welt erblicken, denn er wurde zu Augsburg geboren, wie diese die Inschrift auf Burgkmair’s eigenhändigem Bildnis in der k. k. Galerie zu Wien beweist. Sie liest nämlich hier: Joan Burgkmair Maler LVI Jahr alt. Anna Aiserlahn Gemälderin LII Jahr alt. MDXXVII Mai X Tag. Wenn also der Künstler 56 Jahre alt war, als er 1528 dieses Bildnis malte, so muss er 1472 geboren sein. Einige setzen sein Todesjahr in 1517, was ebenfalls ein Irrtum ist, denn auf mehreren seiner Holzschnitte steht 1522, 24, 26, und auf dem bezeichneten Gemälde noch 1528.

Malpe gibt als das Todesjahr Burgkmair’s, Andere 1550 und Stetten; I. 276 sagt, dass er noch 1550 in dem Gerichtsbuche vorkommt, aber so lange dürfte er kaum gelebt haben.

Man zählt diesen Künstler gewöhnlich unter Dürer’s Schüler, allein er scheint mehr der Freund des letzteren gewesen zu sein.

Burgkmair, Hans.

da sie beide an verschiedenen Werken für den Kaiser Maximilian arbeiteten.

Burgkmair lebte eine Zeitlang in Nürnberg bei Dürer, und da hat er, ohne sich gerade nach diesem berühmten Meister zu bil- den, viel von seiner Art angenommen, auch in der Kraft des Colori- tes und in der Freiheit der Behandlung viel gewonnen. Dass zwi- schen diesen beiden Künstlern ein freundliches Verhältnis obgewaltet habe, beweist, außer der gemeinschaftlichen Teilnah- me an der Arbeit für den Kaiser, auch der Umstand, dass Dürer Burgkmair’s Bildnis in sein Buch zeichnete, welches Sandrart stechen ließ. Letzterer spricht mit vieler Achtung von unserm Meister, und nennt mit Lob mehrere seiner Frescomalereien,

Es haben sich noch mehrere treffliche Malereien von Burgkmair erhalten, und besonders reich sind die k. b. Sammlungen zu Mün- chen und Schleissheim. Viele Stücke bewahrte die fürstl. Waller- stein’sche Galerie. Darunter sind mehrere noch in des Künstlers erster Manier, die an einen der Holbeine erinnert. Eine Auswahl aus den bezeichneten Sammlungen ist jetzt in der St. Morizkapelle zu Nürnberg. Hier ist der heil. Christoph mit dem Jesuskinder, zur Seite St. Veit und Sebastian mit einem unbekannten Heiligen ei- nes der vorzüglichsten Werke dieses Meisters. Die Köpfe dieses Bildes haben viel Wahrheit und scheinen Porträts zu sein. In der Zeichnung des Nackten steht er hier unter Dürer, aber die Behandlung des Stoffes, der Fleiß in der Ausführung, die Linien- und Luftperspektive sind vorzüglich.

Die k. k. Galerie zu Wien besitzt, außer dem Bildnis des Künstlers, noch eine schöne Altartafel von ihm, und die Biblio- thek daselbst die Miniaturen vom großen Triumphzuge Maximi- lians, ein herrliches, wohl erhaltenes Meisterwerk.

Es gibt auch eine Menge Holzschnitte, größtenteils in Gross- folio, mit Burgkmair’s Namen, allein Bartsch (peintre graveur VM. 108) zweifelt, ob B. selbst in Holz geschnitten, und scheint die Überzeugung zu haben, dass er zu den Holzschnitten, welche sei- nen Namen tragen, nur die Zeichnungen verfertigt habe.

Burgkmair bezeichnete seine Blätter mit den getrennten Buchsta- ben H. B.; die zusammengezogenen bedeuten Hans Brosamer. Nur auf einem einzigen Holzschnitt befindet sich dieses Zeichen, und dieser kommt vielleicht auch von einem andern her. Es ist dieser der Titel des Buches:

Joan: Eckii theologi in schmul_as Petri Hispani extemporaria et succincta sed succosa explanatio pro superiloris germaniae scho- lasticis. Aug. Vind. ex officina Millerana 1516.

Burgkmair soll sich auch noch anderer Zeichen bedient haben, welche zum Teil zu bezweifeln sind. Bartsch gibt eines dieser Monogramme (N. 20) einem anderen unbekannten Künstler, wel- cher wahrscheinlich zu Augsburg um 1515 arbeitete. Der treffliche Verfasser des peintre graveur sagt ferner Vol. VII. p. 100, dass dieser Künstler nur ein einziges Blatt, welches Merkur und Venus vorstellt (H. 6 Z. 8 L., Br. 4 Z. 9 L.), auf eine eiserne Platte ra- dirt habe, welches übrigens als selten zu betrachten sei. Allein Peter Wilhelm Zimmermann gab 1618 ein Kupferwerk heraus, welches Abbildungen von Figuren mit den Waffen und Wappen der ural- ten Geschlechter von Augsburg enthält. Der Titel dieses Werkes heisst: Ernewtes Geschlechter Buch der löblichen des heil. Reichs- statt Augsburg Patriciorum darunter 80. vorauss. lustige zierliche Contrafacturen — von weylandt den kunstreichen Malern in Augs- burg, Johann Burgkmair und Hein. Vogtler von Anno 1345 in

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Stahel zierlich geradiert, die übrigen von P. W. Zimmermann auf’s fleissigste hinzugethan etc. 1616 fol. S. Kunstblatt 1825. S. 61.

Das Werk Burgkmair’s beläuft sich nahe an 700 Holzschnitte, welche größtentheils in gross fol. sind, und zwei Kupferstiche ausser den angezeigten radırten Blättern. Auf seinen Meisterstücken schrieb er gewöhnlich seinen Namen aus.

Für Kaiser Maximilian fertigte er: den weisen Kunig, 237 Blätter, wovon die Platten noch in der Wiener Hofbibliothek sich be- finden und 1775 wieder abgedruckt wurden. Die Holzschnitte em- pfehlen sich sowohl durch die Zeichnung, als auch durch den Schnitt. Auf 24 derselben ist sein Zeichen H. B. Bei dieser Ar- beit leisteten ihm auch andere Künstler Hülfe, wie z. B. Hans Springinklee, dessen Zeichen auf dem 100. Blatte, Hans Scheuffe- lin, dessen Monogramm auf dem 200., und ein unbekannter Mei- ster, dessen Zeichen auf dem 78. Blatte zu sehen.

Der grosse Triumphwagen des Kaiser Maximilian enthält 135 vorzüglıche Holzschnitte, welche meistens das Zeichen Burgkmair’s haben. Zu diesem Werke entwarf Dürer mehrere Zeichnungen, und auch bei diesem halfen ihm andere Künstler, nämlich: Hieronymus Andre, Johann von Bonn, Cornelius, Hans Frank, C. und W. Lief- rink, Alexius Lindt, Jost de Negker, H. Scheuffelin u. a. Burgkmair musste sich bei diesen umfassenden Arbeiten der Hülfe fremder Künstler bedienen, da Kaiser Maximilian wollte, dass alles schnell vollendet wurde, obgleich die Arbeit das halbe Leben ei- nes einzigen Künstlers in Anspruch genommen hätte.

Zu den Österreichischen Heiligen und Heiliginnen, welche aus mehr als 150 Abbildungen bestehen, wovon sich 127 Platten noch in der k. k. Hofbibliothek befinden, und wovon 119 im Jahre 1709 wieder abgedruckt wurden, halfen ihm Hans Frank, Corn. Lief- rink, Alexius Lindt, Jost de Negker, Wolfg. Resch, Hans und Wilhelm Taberith, Nikolaus Seemann, — Unter einer grossen An- zahl Werken, welche B. mit Dürer herausgab, ist besonders der berühmte Tewrdank anzuführen, wozu er den größten Teil der Blätter verfertigte, obgleich Papillon dieses Werk dem Hans Scheuf- felin zuschreibt. Auch Heller (Holzschneid. 118) läugnet, dass Burgkmair Anteil an diesem Werke gehabt habe.

Holzschnitte von H. Burgkmair sind auch in Geiler’s von Kai- sersberg Predigten, 1508, und in folgenden Werken: Das Glückbuch, beydes des Gutten unn Bösen etc. Durch Fran- ciscum Petrarcham vor im latein beschrieben und jetzt gründ- lich verteutscht (durch Steph. Vigilius), 2.Thl. Augsburg durch H. Steyner 1539 fol. (Bei Weigel 6 Thlr.)

Officia M. T. C. Ein Buch so raus Tullius Cicero der Rö- mer zu seynem Sune Marco etc. in Latein geschrieben. Augs- burg durch Steyner 1531. fol. (Bei Weigel 4 Thlr.)

Das Bildniss des Johann von Schwarzenberg, das in diesem Werke sich befindet, ist nach Brulliot kein Werk unsers Künst- lers, Heller aber hält es für ein solches.

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