Buchsbaum oder Puchsbaum, Hans, ein trefflicher Baumeister des 15. Jahrhunderts, der am Stephansdom in Wien seine Kunst übte. Über den Bau dieser Metropole herrschten bisher viele falsche Nachrichten, die für wahr angenommen wurden, und sich von einem zum andern verbreiteten. So hieß es, Hans Buchs- baum habe, nachdem er schon früher unter Kaiser Friedrich IV. und König Mathias den hohen Chor des Kaisers Rudolph gewölbt hatte, den Turm an der Mitternachtseite gegründet, und ‚so weit er sich jetzt erhebt, aufgeführt. Dieses verhält sich nicht so, wie F. Tschischka in seinem Werke: „Der Stephansdom in Wien und seine alten Denkmale der Kunst, Wien 1832“ urkundlich darge- stellt hat. Die Seitentürme gründete unter Rudolph IV. ein Werkmeister, Namens Wenzl, aus dem Kloster Neuburg, und setzte den an der Mittagsseite bis zu seinem 110% erfolgten Tode fort, brachte ihn aber nur bis zu zwei Drittel der Höhe. Nach ihm übernahm Peter von Brachawitz die Arbeit am Turm bis zum Jahre 1420, wo Hans Buchsbaum an seine Stelle trat, und im Jahre 1453 die Spitze des Turmes aufsetzte. Auch legte er die Hand an den zweiten Turm, dessen Vollendung jedoch unterblieb. Man hat bisher angenommen, dass Hans erst nach Anton Pilgram’s Tod als Werkmeister des Baues aufgetreten sei; dass er 1450 die eigentliche Grundveste des zweiten Turmes gelegt habe, und nach vier Jahren gestorben sei.
Man erzählt auch, Pilgram habe den Buchsbaum, dem noch als Lehrjungen die Führung des zweiten Turmbaues aufgetragen wor- den, aus Neil vom Gerüste gestürzt. Dieses haben Schriftsteller oft wiederholt, und es hat sich eine förmliche Volkssage erhalten, die sich an ein uraltes Bildwerk des Domes lehnt. Am Riesen- thore nämlich sieht man in der Höhe einen Jüngling, der seinen verletzten Fuß auf das andere Knie zu ‚stützen scheint. Schon Tillmetz, und nach ihm Ogesser und Fischer, haben in dieser Sage, deren sich viele an alte Baudenkmale knüpfen — man erin- nere sich nur an die vom Teufel und dem Lehrbuben beim Baue der Brücke und des Domes zu Regensburg u. s. w. — ein Mähr- chen erkannt, und dieses mit Recht, denn Tschischka fand, dass Anton Pilgram erst zu Anfang des 16. Jahrhunderts als Werkmei- ster des St. Stephan erschienen.
Unter der Leitung von Hans Buchsbaum führten im Jahre 1430 mehrere geschickte Steinmetzen die treffliche Kanzel aus, und dieselben Meister arbeiteten auch die beiden Brustbilder dieses Mei-
sters, das eine unter der Kanzel, das andere am Peter-Paul-Altar, die man seither für Bilder des A. Pilgram hielt. Am St. Stephans- dome wiederholt sich auch die Sage, dass man Wein unter den Mörtel gemischt habe, um diesem dadurch mehr Stärke und Halt- barkeit zu geben. Friedrich befahl bei schwerer Strafe, den un- genießbaren Wein nach St. Stephan in die Bauhütte zu tragen. Ein missglückter Jahrgang bekam damals den Namen des Reif- beissers.
Auffallend ist es, dass Buchsbaum in den Steinmetztafeln, worin die Baumeister und Steinmetzen verzeichnet sind, die von den ältesten Zeiten an in Wien, und namentlich am Bau von St. Ste- phan, gearbeitet haben, nicht erscheint.
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