Brun, Charles le

Brun, Charles le, Historienmaler , geb. zu Paris 1610, gest. 1690.
Dieser Künstler , der zu seiner Zeit einen mächtigen Einfluss
im Gebiete der Kunst übte, stammte aus einer schottischen Familie.
Sein Vater, ein Bildhauer, unterrichtete ihn in den Anfangsgründen
der Sculptur, aber der Sohn wandte sich ausschließlich zur Malerei,
als er in Vouet’s Schule dieselbe lieb gewonnen hatte.
In Fontainebleau studierte er die Vorbilder italienischer Meister,
wie auch nach den Antiken in der Sammlung, die Franz I. aufgestellt
hatte, und zuletzt kam er durch den Kanzler Seguier in die Lage,
Italiens Kunstschätze betrachten zu können. Nach seiner Ankunft
in Rom fand er bei Poussin liebreiche Aufnahme, und diesen Meister
nahm er anfangs auch zum Muster, bis durch eifriges Studium
nach Rafael und den Antiken er seine Weise änderte, und sich
jener der Carracci näherte.

Le Brun verbrachte sich über alle Gattungen der Malerei ; hohe Formen und Fülle derselben, ein kräftig aufgeregtes oder aufstrebendes Leben, die Glorie der That, waren die Kreise, in denen sich sein Genius am herrlichsten bewegte. Er wusste seinen Köpfen mannigfaltigen Ausdruck der Affekte zu verleihen, und die Natur genau nachzuahmen; nur ist er nicht immer richtig in der Zeichnung, was aber nur die Eile verursachte, die ihm auch oft nicht gestattete, die Geburten seiner Phantasie gehörig zu pflegen. Im Farbengebrauch hatte er im Allgemeinen keine grosse Stärke, dennoch ziehen einige seiner Gemälde durch wahre, kräftige und liebliche Farbengebung an.

Unter Le Bruns ersten Arbeiten rechnet man die Geschichte der ehernen Schlange, und eine heil. Familie in der St. Paulskirche, bekannt unter dem Namen des Benedicite, von Edelink trefflich ge- stochen, so wie ein herrliches Bild der Magdalena. Grossen Ruhm erwarben ihm die Malereien in den Palästen Riviere und Bouillon, und jene der Gallerie des Präsidenten Lambert. Eines seiner besten Werke ist die Marter des heil. Stephan in lebensgrossen Fi- guren, welches er in seinem 32. Jahre malte, und das viel zu sei- nem Rufe beitrug. Auf den Gipfel des Ruhmes erhoben ihn aber seine Alexander-Schlachten. Sein Alexander, der die gefangene Persische Königin und die Familie des Darius besuchte, wurde durch Kupferstich verbreitet, und besonders hat Edelink hierin seine ganze Kunst erschöpft. Alexander’s Einzug in Babylon, die Schlacht bei Arbela, der Uebergang über den Granicus und die Niederlage des Porus hat G. Audran meisterhaft gestochen, und dabei selbst nicht wenig zum Ruhme Le Brun’s beigetragen, denn Audran verbesserte oft die Unrichtigkeiten der Zeichnung des Ori- ginals. Auch Joh. Audran, van Gunst, Leclerc u. a. haben diese Schlachten gestochen.

Le Brun hat also die Schlachten Alexanders, und diese haben ihn verewigt; aber die Idee zu dieser colossalen Arbeit scheint nicht aus ihm selbst vorgegangen zu sein. Es existiert ein Achat, der die zwei schönsten Darstellungen enthält, nämlich das Zelt des Darius und Alexanders Einzug in Babylon. Diese Darstellungen hat der Künstler fast ohne alle Veränderungen beibehalten. Der Achat wurde 1749 zuerst durch einen gelungenen Kupferstich von S. Kleiner bekannt. Der Kupferstich führt die Aufschrift: Achates orientalis ruber, insculptas referens icones praecip. Alexandri M. ducum el rerum gestarum.

Diesen Stein erklärt Mariette und Andere für antik. Einige aber zweifeln an der Antiquität desselben. Der jetzige Besitzer ist uns unbekannt. ...

Le Brun verzierte auch die Paläste des Königs und die Gallerie von Versailles, wo er die Thaten Ludwigs XIV. in allegorischen Bildern darstellte. Zahlreich sind auch seine Entwürfe, die in Ta- peten übertragen wurden. Unter diesen erlangten besonders die vier Jahreszeiten Celebrität. Der Künstler hatte die Oberauf- sicht über die Gobelins. Im Jahre 1662 erhob ihn der König in den Adelstand, und gab ihm den Titel eines ersten Hofmalers. Nun war er unumschränkter Herrscher im Gebiete der schönen Künste; alle Talente mussten ihm huldigen oder seine Macht emp- finden. Diese hatte jedoch 1683 mit dem Tode Colbert’s, seines Vonners, ein Ende, und das Ansehen des Kunstdespoten Le Brun sank immer mehr. Doch behandelte ihn der König stets liebreich, obwohl er Mignard’s Glück zu befördern suchte. Die Malerei verlor in Frankreich nach Le Brun’s Tod sehr viel, indem sie den guten italienischen Geschmack misskannte, und eine Richtung

annahm, die sich immer mehr von den wahren Grundsätzen ent- fernte.

Dieser Künstler hat auch einige Blätter geätzt.

Die vier VTagszeiten, 4 Blätter, qu. Fol.

Das Brustbild des Carolus Buorromäus, nach Gabriel Le Brun,

oval Fol.

Ein Kind auf einem Kreuz kniend, qu. Fol.

Nach seinen Werken haben die berühmtesten Meister gestochen. Der Stiche von Audran und Edelink haben wir bereits erwähnt, und fügen bei dem Letzteren nur noch das Crucifix und die grosse These mit Ludwig XIV. zu Pferd bei. A. Loir stach den Kinder- mord, und die Bilder der Gallerie zu Versailles verschiedene Meister. Noch kennt man von ihm:

Recueil de divers dessins de Fontaines et de Frises maritimes

inventez et dessignez par M. Le Brun ete., 20 Blätter in Fol.

Verschiedene dieser Stiche sind mit © L. B. bezeichnet,

Auch auf einigen Stichen im Werke: la petite Gallerie du Louvre du dessin de feu Mr. Le Brun, stehen die Initialen C. le B.

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