Brizio (Briccio), Franz

Brizio (Briccio), Franz, Maler und Kupferstecher , geb. zu Bo- logna 1574 oder 76, gest. 1623. Dieser hochbegabte Künstler diente bis in sein zwanzigstes Jahr als Gesell in einer Schuhmacherwerk- stätte, bis ihn sein Genius zur Malerei trieb. Er lernte in kurzer Zeit das Zeichnen bei Passerotti und das Kupferstechen bei Agos- tino Carracci, aber erst spät bei Ludovico malen, und brachte es doch in Bälde so weit, dass ihn einige unter die ersten Carrac- cisten zählen. Er verdient es auch, denn sein Geist ist allumfas- send; man vermisst nicht, wie an Guido Reni, die Perspektive, nicht die Landschaftsmalerei , wie an Tiarini, nicht, wie an Andern die Bautenmalerei, sondern in all’ diesen Beiwerken übertraf er alle Nebenbuhler in den Geschichtbildern in St. Mi- chele in Bosco , wie Andrea Sacchi urtheilte. In den Figuren ge- hört er zu den Schulgerechtesten und niemand trat so in Ludov. Carracci’s Fussstapfen. Er wird, der Schönheit seiner Engel we- gen, bewundert. Sein Haupttalent war Nachahmung, und sein

„ehler, dass er, obwohl tüchtige, doch mehr manierirte Maler,

als er selbst war, copirte. Es fehlte ihm an Unterstützung, so dass er immer Bestellungen erbetteln und um die niedrigsten Preise aus- führen musste. In S. Petronio ist die Krönung IV?ariä von seiner Hand, eine der grössten Bildtafeln der Stadt, die wegen der Hei- terkeit der Figuren und der Kraft des Colorits viel Werth hat.

Aug. Carracci bediente sich seiner Federzeichnungen bei seinen Kupferstichen. Vöbrigens hat sich Brizio auch durch eigene Ar- beiten in Kupfer berühmt gemacht. Er stach nach den berühmte- sten Bolognesern, mit einer von Agostino gleichen Kunst, nur in der Richtigkeit der Zeichnung und im Ausdruck der Köpfe kam er diesem nicht gleich. }

Unter den 31 bei Bartsch verzeichneten Stücken erwähnen wir:

Die Beschneidung, ein geistreich geätztes Blatt: Lud. Car. in

Franc. Bric. fecit; H. 8 Z. 0 L., Br. 7 Z. 3 L.

„Die Rückkehr der heil. Familie von Aegypten, eines der vollen- desten und vorzüglichsten Blätter dieses Meisters. Es ist nach Ludovico’s Zeichnung und unter der Aufsicht dieses Meisters gestochen. H. 7 Z. 10 L., Br. 4 Z. 11 L. In guten Abdrü- cken selten.

Die heil. Jungfrau mit dem Kinde am Fusse eines Baumes, be- zeichnet: A. C. I. 1505.; H. 11 Z. 4 L., Br. 8 Z. 2 L. Ä Dieses Blatt eignen Einige dem Aug. Carracci zu, aber die- ser „Meister gehört nur die Erfindung, der Stich aber dem Brizio an.

Die heilige Familie, nach Correggio, wo St. Joseph dem Kinde Palmfrüchte reicht; H. 18 Z. 9 L., Br. 11 Z. 4 L. Auf den ersten Abdrücken liest man unten rechts: Antonio da Coreg.° inu.Franc.® Briccio sculp., in den zweiten ist der Name des Stechers verloren.

4 Unser Fra\‘1 vom Berge Carmel, nach E. Carracci; H. 9 Z., Br. 7 Z. 2 L.

St. Petronius betet das Schweisstuch an, nach Lud. Carracci; H. 7 Z. 4 L., Br. 4 Z. 11 L.

Dieses äußerst seltene Blatt eignet Malvasia irrig dem Annib. Carracci zu. In der Folge wurde die Platte retouchirt und die Abdrücke von derselben erkennt man an den verschiedenen Kreuzstrichen und an dem Schatten des linken Schenkels des Engels zur Rechten, welcher mit horizontalen Lagen bewirkt ist, während im ersten Abdrucke die Striche perpendikulär

aufsteigen.

St. Rochus, nach F. Parmesano, mit der Dedication an den Car- dinal Alex. d’Este; H. 13 L., Br. 9 Z. 6 L.

Die Samariterin, nach Aug. Carracci 1610 gestochen.

Dieses Blatt verzeichnet Joubert.

Ein Titelblatt mit dem Wappen des Cäsar d’Este, Herzogs von Modena, nach einer Zeichnung des L. Carracci 1508, im vor- treflichen Geschmacke gefertiget; H. 6 Z. 7 L., Br. 3 Z. 4 L. Sehr selten.

Heinecke gibt dieses Blatt für ein Werk des Lud. Carracci,

Eine Art Tempel mit dem Wappen des Cinthio Aldobrandini, mit der Inschrift: Tempio all’ illustrissimo et reverendissimo Signor Cinthio Aldobrandini etc.; H. 6 Z. 7 L., Br. 4 Z. 6 L.

Dieses Blatt ist sehr selten und von reinem Geschmacke, Malvasia legt es dem Aug. Carracci bei, Bartsch aber hält es für das Werk unsers Künstlers.

Das Wappen des Cardinals del Monte; H. 6 Z., Br. 9 Z.

Dieses Blatt ist vielleicht nach einer Zeichnung des L. Car- racci gefertiget, und nach Bartsch sicher das Werk unsers Künstlers.

Das Wappen des Cardinals Spinola, nach Lud. Carracci; H. 8 Z. 3 L., Br. 10 Z. 10 L.

Dieses ist eines der ersten Blätter Brizio’s, aber sehr selten.

Der Po und die Tiber auf ihrer Urne, mit dem Aldobrandini- schen Wappen, nach Ludovico’s Erfindung; H. 8 Z. 4 L., Br. 11 Z. 6 L.

Die späteren Abdrücke sind retouchirt und verändert. Das Aldobrandinische Wappen ist durch ein anderes ersetzt, und die Inschrift beigefügt: Oculis sublimis et alis etc.

Das Wappen des Cardinals Bianchetti, bezeichnet: LO. C. I. — FR. BRI. F.; H. 8 Z. 2 L., Br. 11 Z. 3 L.

Dieses Blatt ist sehr vollendet.

Mehrere Engel mit Leidenswerkzeugen des Herrn. In der Mitte des Blattes liest man: Esplicatione del sacro Lenzuolo — — in Bologna presso gli heredi di Gio. Rossi 1500; H. 7 Z. 5 L., Br. 5 Z. 5 L.

Dieses sehr seltene Blatt ist nach L. Carracci gestochen.

Eine Landschaft mit einem Löwen und seinen Jungen, bezeich- net: Francesco Brizio Inventore fece; H. 11 Z. 0 L., Br. 15 Z.

Die Landschaft ist mit bewunderungswürdiger Leichtigkeit behandelt.

Das Mausoleum des Aug. Carracci, nach Ludovico’s Zeichnung; H. 15 Z., Br. 10 Z.

Dieses Blatt ist von der Erfindung des Annib. Carracci und

angeblich von Brizio gestochen. Außer den erwähnten Wappen verfertigte Brizio noch mehrere

andere, meistens nach Lud. Carracci’s Zeichnung,

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