Bossi, Giuseppe

Bossi, Giuseppe, ein berühmter Zeichner und Maler, und auch ein als Schriftsteller ausgezeichneter Mann, wurde 1770 oder 77 zu Busto Arsizio im Mailändischen geboren. Er erhielt in seiner Jugend eine sorgfältige Erziehung, indem sich seine Fähigkeiten schon frühe entwickelten, vor allem aber hatte er Neigung und Geschick zur bildenden Kunst. Nachdem er sechs Jahre in Rom dem Studium seines Faches, besonders der Zeichenkunst , gewidmet hatte, kehrte er ins Vaterland zurück, und erhielt nach Bianconi’s Tod zu Mailand die Stelle eines Sekretärs der Akademie der schö- nen Künste, und hatte auch den größten Anteil an der Organi- sation und an dem glücklichen Fortgange dieser neu zu beleben- den Anstalt.

Bossi unternahm das schwere Geschäft, in einer wohldurchdach- ten Kopie das berühmte Abendmal des Leonardo da Vinci wieder herzustellen, damit solches in Mosaik gebracht und für ewige Zei- ten erhalten würde, was durch Raffaelli auch wirklich zu Stande kam. Die Verfahrensweise gibt er in einem eigenen Werke, das 1810 in gross Folio erschien, wogegen aber der Maler Tofan- elli zu Lucca auftrat, indem er dem Leonardo da Vinci den Ruhm der Erfindung des Moments der Darstellung streitig machen wollte.

Bossi widmete fast sein ganzes Leben dem Studium der Werke

des Leonardo, und seine letzte Arbeit waren die Züge aus dem Leben jenes großen Künstlers, die er einfärbig in Braun in der Villa Nlelzi am Comersee malte. Er verlebte auf dieser Villa seine Jetzten Lebenstage, und zum Andenken hängt in einem der Zim- mer ein großer Carton, an dem er noch arbeitete, ehe ihn die Krankheit befiel, die ihn 1816 zu früh der Kunst entriss. Die Zeichnung ist mit schwarzer Kreide sehr fleißig, aber doch kühn ausgeführt. Sie stellt den toten Heiland im Schoße der Maria dar, Johannes und Magdalena zu beiden Seiten. Der Kopf des Herrn ist von herrlicher Form, und von tief gefühltem Ausdruck, das Nackte mit grosser Einsicht und Kraft behandelt. Seine Zeich- nungen sind überhaupt meisterhaft, im besten Stil, eben so an- genehm als korrekt, und die Compositionen voll Feuer und Phan- tasie. In Gemälden ist er weniger korrekt, als in den Cartons; sein Hell-Dunkel ist oft unrichtig und im Farbenauftrag ist er schwer- fällig, besonders in der Kopie des Cenacolo. Auch in seinen übrigen Gemälden, deren mehrere unvollendet blieben, gelangte er zu nicht viel besserem Resultate. Die Zeichnungen sind daher ge- schätzter, aber selten.

Auch als Gelehrter stand er in grosser Achtung. Sein Werk über die Malerei enthält viele belehrende und scharfsinnige An- merkungen. Er besass eine schöne Sammlung von Gemälden, Zeich- nungen und Kupferstichen, und eine träge Bibliothek. Er hatte fast alle Ausgaben von Dante’s göttlicher Comödie zusam- mengesucht, denn dieser Dichter erfüllte den Künstler mit beson- derer Bewunderung.

In der Ambrosiana ist Bossi’s Monument mit der Büste desselben von Canova meisterhaft gefertigt. Letzterer war der intimste Freund des Künstlers. Auch in der Brera ist Bossi’s Büste zum Andenken aufgestellt.

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