Bos, Bosch und auch Bosco

Bos, Bosch und auch Bosco, Hieronymus, mit dem Zuna- men der Lustige, Maler, Formschneider und Kupferstecher , von Herzogenbusch gebürtig, von welcher Stadt sich vielleicht selbst, nach damaliger Sitte, sein Name herschreibt. Seine Lebensjahre werden weder von Karl van Mander, noch irgend wo anders be- stimmt. Descamps führt ihn, ohne den Grund davon anzugeben, unter dem Jahre 1450 an. Von seinen Lebensumständen ist eben- falls nichts bekannt, es bleibt uns nur übrig, von seinen Werken Einiges zu sagen. Begabt mit einem von höchst reger Bin- bildungskraft getragenen originellen Geiste, erging er sich am lieb- sten in dem Gebiete jener Piantasmen, die kaum noch Ähnlichkeit mit menschlichen Gebilden haben, und satyrisch die Kehrseite der Welt auffassend, spottete er des Menschen schlechtes, höhnte dessen Laster und gefiel sich, ihm am Ende der Bahn, die Qualen der Hölle zu schildern. Dazu hatte ihm die Natur ungemeine Leichtigkeit verliehen; er vollendete seine Gemälde mit einem Wurf, ohne die Farben mehrere Male aufzutragen, die er mit Öl, berei- tete, und noch jetzt prangen seine originellen Schöpfungen mit Farbenfrische auf dem weißen Grunde. In den Gewändern zei- te er, wie im Übrigen, Geschmack und Anmut; seine Manier ist weniger hart als die seiner Zeitgenossen.

Die vielen von ihm in Spanien befindlichen Gemälde (im Escu- rial befinden sich sieben auf Holz gemalt) berechtigen fast zu glau- ben, dass er in diesem Lande gelebt habe. Mehrere Schriftsteller und unter ihnen Pater Orlandi behaupten, er habe seine sich sehr auszeichnende Manier im Escorial ausgebildet, allein dieses wird durch eine bestimmte Nachricht widerlegt. D. Felipe de Quevara nämlich, ein Hofjunker Kaiser Karl V., erwähnt dieses Künstlers in den Commentaren, die er in der Mitte des 16. Jahrhunderts schrieb, als der Bau jenes Klosters noch nicht unternommen war, und sagt von seinen Gemälden, dass sie schon damals mit Patina und Schmutz bedeckt gewesen seyen. Auch sagt Pater Siguenza, der ausführliche erste Beschreiber des Baues und der Schätze des Escoriais, nirgends, dass er Bos gekannt habe, da er

„doch in seinem Werke viel vom ihm spricht. Siguenza theilt seine

Werke in drei Klassen. Zuerst sind die Gegenstände der Andacht,

historische Schilderungen aus dem Leben und Leiden Christi zu

nennen. Hier findet man zwar keine jener phantastisch monströsen

Gestaltungen, allein der Geist des Künstlers zeigt sich dennoch

in der rauhen, hässlichen Bildung der Satelliten, unter denen überall

ein äffenähnlich geformtes Wesen hervorblickt, und in dem Ge-

dränge der wildesten Leidenschaft, welche sich in den Antlizen und

Gesichtern der Schriftgelehrten und Pharisäer ausdrückt. Dann

folgt die Reihe der Gemälde, in denen die Verführungen des höl-

lichen Geistes und die Qualen der Hölle selbst geschildert sind.

Hieher gehören die oft wiederholten Versuchungen des heil. Antonius

und die Darstellungen der Hölle nach heidnischem oder christ-

lichem Begriff, wo das Schrecken durch scheußliche Gestalten der

Drachen und Chimären aller Art aufgeregt wird. Zuletzt sind noch

die symbolisch mysteriösen Gegenstände, wo Bosch die Thorheiten

und Laster der Menschen mit leichtem Pinsel schwer züchtigte,

das innere Getriebe verworfener menschlicher Leidenschaften an

den Tafeln förderte, und in ergreifenden Schilderungen tiefe Lehren

gab.

Mehrere Kirchen in Herzogenbusch waren mit seinen Gemälden geziert.

So rühmt van Mander insbesondere eine Flucht der Jungfrau nach Ägypten,

wodurch der heil. Joseph von einem Landmann den Weg erfragt;

im Hintergrunde ein steiler Felsen,

und an dessen Spitze eine Schenke, vor welcher eine Anzahl von

Leuten aus dem Volke dem Tanze eines Löwen zusieht. Auf einem

anderen dieser Gemälde schilderte Bosch die Hölle, aus welcher

der Heiland die Patriarchen befreit; den Judas aber ziehen

die höllischen Geister beim Schopfe aus dem Feuer, um ihn an

der Luft aufzuhängen.

Unter den im Escurial befindlichen Gemälden stellt eines die drei

Momente dar, wo der Mensch zuerst geschaffen worden, dann

in tierische Lasterhaftigkeit gesunken ist, und zuletzt den Ausgang

seines schrecklichen Schicksals erreicht. Ein anderes hat den Wahlspruch:

„Omnis caro foenum.“ Ein hier mit sieben abenteuerlich

bestien bespannter Heuwagen führt als Überfracht

mög, singende und spielende Weiber, und unter ihnen die

Hun P säy.iäénfe Fama mit sich. Menschliche Wesen aller Art und

Jeder Alters mühen sich ringsum, das Symbol weltlicher Lust mit

Leitern und Hacken zu erklimmen, während andere, schon

herabgestürzt, von den Rädern des schweren Karrens jämmerlich

durchquert werden. Diese beiden Gegenstände hat der Künstler oft

wiederholt. Ein anderes zeigt die Hölle mit einer Menge allegori-

scher Figuren, die von Teufeln fortgeschleppt werden. Dieses

Gemälde wird auch dem Peter Breughel zugeschrieben, allein diesem

widerspricht die Ausführung ganz. Ein ferneres Gemälde stellt

den Heiland in einer Glorie dar, und ringsum in sieben Abteilungen

die Laster unter allerlei allegorischen Figuren abgebildet.

Im Escurial ist die Versuchung des heil. Antonius zweimal, und

Christus mit dem Kreuz. In jener königlichen Mönchszelle, wo

Philipp starb, stand eine Tafel des Künstlers, auf der er die vom

Heiland der Menschheit entnommenen Sünden, diesen selbst aber,

von himmlischem Glanze umgeben, in deren Mitte geschildert

hatte, und die Worte, die das Bild schweigend ruft, spricht die

Umschrift also aus: Cave, cave, dominus videt! Auch die übrigen

Sitios der spanischen Könige waren mit Gemälden des niederländischen

Humoristen ausgestattet, die jedoch im Kriege, während der

französischen Invasion, verschwunden sind. Im Schlosse des Pardo

sind bei dem Brande im Jahre 1608 acht Gemälde dieses Meisters

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