Boldrini, Joseph Nicolas

Boldrini, Joseph Nicolas, Maler und Formschneider, über wel- chen die Nachrichten unbestimmt sind. Nach Einigen ist er zu Vi- cenza, nach Andern zu Trento geboren, weil er eines seiner Blätter Nic. S. Vicentino T. bezeichnet hat. Bartsch XII. 16 glaubt näm- lich, das T. bedeute Tridentinus, und der Name Vicentino oder Vicentini sei der Familienname unsers Künstlers. Merkwürdig ist, was Huber III. 167 über diesen Formschneider sagt; nach ihm ist er zu Wien um 1510 geboren, und wahrscheinlich Titian’s Schü- ler gewesen, da er auch nach diesem großen Meister in Holz ge- schnitten hat. Vasari nennt ihn Giannicolo Vicentino, und bezeich- net, er habe mehrere Hell-Dunkel nach Parmesano gefertigt. Huber macht aus diesen Johann Nicolas einen eigenen Künstler, und nennt ihn Joh. Nicolai Vicentino, der den Beinamen Rossiglioni führte, und nach diesem Schriftsteller ebenfalls um 1510, aber zu

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Vicenza geboren wurde. Er führt von diesem Künstler, der doch sicher mit dem unsrigen Eine Person ist, folgende Blätter an: _

Herkules, welcher einen Löwen tödtet, nach Rafael, Fol.; ein Blatt, welches A. Andreani in Holz geschnitten hat. ‘

Eine Sibylle, mit R. bezeichnet, ohne des Stechers Namen, ein Blatt in Helldunkel.

Den Tod des Ajax, nach Polydoro, qu. Fol.

Auf spätern Abdrücken hat man IO. NIC. VICEN. ausge- schabt, und an dessen Stelle das Zeichen des Andreani gesetzt.

Die Blätter des Boldrini sind in einer geistreichen und kühnen

Manier gearbeitet, und zum Theil von grösster Seltenheit. Huber nennt folgende als die vorzüglichsten: _

Johann Baron von Schwarzenberg, in einer Wappeneinfassung, nach A. Dürer, Fol.

Rechts am Fusse des Blattes sieht man Boldrini's Zeichen. Man findet dieses Werk gewöhnlich am Ende des Buches: der Teutsch: Cicero, Augsburg 1540, bei H. Steiner, Fol. min. ab- druckt.

Die nackte Venus auf einer Bank sitzend, mit dem Cupido im Arm, bezeichnet: Titianus inv. Nicolaus Boldrinus Vicen- tinus incidebat, 15606. gr. Fol.

Ein betender Hieronymus, nach Titian; schr gr. qu. Fol.

Die Anbetung der Könige, nach demselben, in gleicher Grösse,

St. Sebastian und St. Katharina mit vier andern Heiligen, nach Titian; sehr gr. Fol.

Eine grüne bergige Landschaft mit Vieh und einer Frau, die eine Kuh melkt; in gleicher Grösse,

Ein alter Affe in der Mitte seiner beiden Jungen, von Schlangen umwunden, wie die Gruppe des Laokoon gestellt, ein satyri- sches Blatt nach Titian’s Original wider B. Bandelli, welcher, nachdem er den Laokoon in Marmor verfertigt hatte, sich rühmte, die Antike übertroffen zu haben; sehr gr. Fol. Von

grösster Seltenheit. -

Man hat dieses Stück immer für Titian’s Arbeit selbst gehalten. .

Von Boldrini, oder von Vicentini, der doch sicher mit dem er-

steren Eine Person ist, kennt man noch ein anderes Blatt nach Maturino, welches Clelia vorstellt, wie sie mit ihren Gefährtinnen aus dem Lager des Porsena flüchtet; Fol. Der Künstler nennt sich

hier IO S. NIC. VICENT., d. h. Joseph Nicolaus Vicentino, eine Bezeichnung, die auch das obenerwähnte Blatt mit dem Löwen- würger Herkules trägt. i

Ein anderes Blatt dieses Künstlers, das Bartsch entging, stellt den Prediger Johannes vor, in einer grossen Landschaft sitzend. Rechts ist eine hohe Baumgruppe und links ein Fluss, und Män- ner und Frauen, welche die Worte Johannis hören wollen; Fol.

Dieses Blatt soll nach Einigen von Titian gezeichnet seyn, aber man unterscheidet unten rechts (mit Mühe) die Buchstaben D, wo Domenico Campagnola bedeuten könnte. Links ist der abge- kürzte Name des Formschneiders: Nich. B. V. T., d. i. Nicolaus Boldrini Vicentino Taglio,

Bartsch beschreibt XII. 145 ein anderes Blatt dieses Künstlers, das mit Nic. bol. inc. bezeichnet ist. Es stellt einen nackten Mann zu Pferde vor, der nach rechts galoppirt, nach Purtenone geferti- get; H. 8 Z. 6 L., Br. 6 Z. 10 L.

Das Zeichen Boldrini’s besteht in einem B, durch dessen Mitte ein Querstrich geht. Heller. (Gesch. der Holzsch. p. 185) legt die- ses Zeichen ohne hinlänglichen Grund dem Haus Burgmair bei,

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