Bildniss nannte er Fontainebleau, gleichsam, als wenn es die Nym- phe jener Quelle wäre, bei welcher der König sich seinen Lustort ausgewählt hatte. Die beiden erwähnten Köpfe hat Benvenuto auch in Erz gegossen. Ausser diesen Werken fertigte er für den König auch noch das Modell zum Portale des Schlosses Fontaine- bleau, welches oben ein halbes Rund und in diesem die Nymphe der Quelle in Umgebung der Jagd vorstellte. An den Seiten brachte er zwei Satyrn als Träger an, beide in mehr als halb erhobener Arbeit. Dieses Modell fand den vollen Beifall des Königs, noch mehr aber bewunderte er jenes, welches Cellini zur Verzierung der Quelle machte. Es war über zwei Ellen gross und stellte einen Brunnen im Viereck vor, umher die schönsten Treppen und in der Mitte eine nackte Figur, den Kriegsgott vorstellend, die bei der Ausführung 54 Fuss hoch hätte werden sollen. Auch an den vier Ecken waren sitzende Figuren angebracht, die Philosophie, die bildende Kunst, die Musik und die Freigebigkeit. Die mittlere Figur sollte in der Gestalt des Kriegsgottes den König selbst ab- bilden, Franz war ihm überhaupt in hohen Gnaden gewogen, er naturalisirte ihn und machte ihn zum Herrn des Schlosses von Klein-Nella, allein er hatte nicht nach der Gunst der Madame d’Estampes, der Geliebten des Königs, getrachtet, und desswegen suchte selbe dem Künstler seine Vernachlässigung fühlbar zu ma- chen. Sie wendete durch ihren Einfluss beim Könige dem Primat- ticcio Arbeiten zu, die für Benvenuto bestimmt gewesen, allein der heitige Cellini zwang diesen, von dem Werke abzustehen, denn er hätte ihn ermordet. Mittlerweile fuhr der Renomist Benvenuto, der auch in Frankreich, wie früher in Italien verschiedene Streiche verübte, fort, seine Arbeiten zu vollenden, darunter das erwähnte Salzfass, das sich jetzt in der nach Wien gebrachten Ambraser- Sammlung befindet, und auch das Portal mit dem halben Monde, der irrig dem Jean Goujon beigelegt wurde, fing an, seine Schön- heiten zu zeigen, und dieses alles geschah vor 1543. Der König schuldete dem Künstler eine grosse Summe, allein der Krieg, der jetzt ausgebrochen war, erzeugte Geldmangel, und somit wurde Cellini mit einer Abtei bezahlt.
Im Jahre 1546 erhielt der Künstler endlich mit genauer Noth Urlaub zu einer Reise nach Italien. Er liess einen grossen Theil seiner Habe mit zweien seiner Diener in Frankreich zurück, dar- unter auch mehrere Modelle und den colossalen Mars, der für die Fontaine ausgeführt werden sollte. In Florenz wurde Cellini vom Herzoge wohl empfangen. Er verfertigte für ihn ein Modell zur Statue des Perseus mit dem Medusenhaupte, ein Werk, das der Künstler in Erz goss, eines der grössten und besten dieses Meisters, in der Loggia zu Florenz, und abgebildet bei Cicognara im zweiten Bande der Storia della Scultura tav. 67. Daselbst ist neben andern Bronzen auch das Basrelief mit der Nymphe abge- bildet, welches Benvenuto für das Thor zu Fontainebleau verter- tigte, jetzt in Paris.
In Paris waren während dieser Zeit seine Feinde und namentlich Madame d’Estampes sehr geschäftig, den Künstler zu verläumden, und auch in Florenz fand er beim Gusse des Perseus grosse Schwie- rigkeit, indem der Bildhauer Bandinelli sich eifersüchtig und tückisch gegen ihn betrug. Auch fehlte es ihm an Hülsmitteln, aber zu- letzt führte er, trotz Intriken und aller Schwierigkeiten, sein Werk doch siegreich zu Ende.
In Florenz versuchte sich Cellini auch in Marmor, durch eine Gruppe mit Apollo und Hyacinth, und durch die Statue des Narcyss,
Von Florenz ging Cellini 1554 nach Rom, um mit Bindo Altoviti Geschäfte abzumachen. Er hatte auch die Erzbüste dieses Mäck- Jers gefertigt, die selbst Michelangelo des besonderen Lobes wür- digte, und welche noch in Rom sich befindet.
Nach seiner Rückkunft in Florenz setzte Benvenuto seine Arbei- ten fort, hatte aber immer zu kämpfen, denn er hatte sich jetzt auch die Herzogin zur Feindin gemacht, weil er dem Herzog von dem Kaufe eines Perlenschmuckes abrieth. Zu dieser Zeit brach der Krieg gegen die Sieneser aus, und jetzt musste sich Cellini auch als Kriegsbaumeister bei Ausbesserung der Florentinischen Festung brauchen lassen, so wie denn der Künstler fortwährend thätig war. Nach einiger Zeit entstand zwischen Benvenuto und Bandinelli ein neuer Streit, wer die Statue des Neptun, aus einem großen, Vor- räthigen Stück Marmor, machen sollte. Die Herzogin begünstigte den Bandinelli, aber Cellini wusste es dahin zu bringen, dass der Herzog erklärte, dass derjenige die Arbeit haben solle, der das beste Modell mache. Cellini’s Modell erhielt den Vorzug, worüber Bandinelli aus Verdruss starb; aber auch Benvenuto erhielt durch die Ungunst der Herzogin die Arbeit nicht, sondern sie wurde dem Ammanati übertragen.
Cellini arbeitete nun fortwährend in Italien, kehrte nicht mehr nach Frankreich zurück, und folgte selbst dem Rufe der Katharina von Medici nicht, welche das Grabmal Heinrichs II., ihres Gemahls, beendigen schien wollte. Er sollte nach seinem Schloss zurück- kehren und alle Bequemlichkeiten genießen, allein Benvenuto zog es vor, im Dienste des Herzogs zu bleiben. In den letzten acht Jahren seines Lebens, die er nicht mehr beschreibt, denn seine Biographie erstreckt sich nur bis 1562, stand er mit der äussern Welt mehr im Frieden, aber doch machte ihm noch manches in- nere, wunderbare Abenteuer zu schaffen. Zuletzt wurde sein un- ausgeglichenes Naturwesen ruhiger, und daher suchte er in geistlicher Beschränkung Glück und Ruhe. Er nahm die Tonsur an, allein die allgemeine Natur, die stärker in ihm, als eine jede besondere Richtung und Bildung geherrscht, nahm ihn gar bald zu einem Rückschritt in die Welt. Er war nicht verheiratet; bei seinem mannichfaltigen, lebhaften Verhältniss zu dem andern Geschlecht, und in einem Alter von 60 Jahren, wurde es ihm erst klar, dass es löblich sei, eheliche Kinder um sich zu sehen. Er erwähnt zweier natürlicher Kinder, von denen eines in Frankreich bleibt und sich verliert, und das andere ihm durch einen gewaltsamen Tod entrissen wird. Nach 60 verflossenen Lebensjahren heiratete er endlich und hinterließ bei seinem Tode zwei Töchter und einen Sohn, von denen sich keine weiteren Nachrichten finden.
Benvenuto Cellini zeichnete sich durch die Allgemeinheit seines Talentes aus. Musik und bildende Kunst streiten sich um ihn, und die erste, ob er sie gleich Anfangs verabscheut, behauptet in fröhlichem und gefühlvollem Zeiten über ihn ihre Rechte. Auffal- lend ist seine Fähigkeit zu allem Mechanischen. Er bestimmt sich frühe zum Goldschmied und trifft glücklicher Weise den Punkt, von wo er auszugehen hatte, um, mit technischen, handwerksmäs- sigen Fertigkeiten ausgestattet, sich dem Höchsten der Kunst zu nähern. Ein Geist wie der seinige musste bald gewahr werden, wie sehr die Einsicht in das Hohe und Ganze die Ausführung der einzelnen, subalternen Forderungen erleichtert.
In Italien hatte er sich innerhalb eines kleineren Massstabes be- schäftigt; jedoch sich bald von Zierathen, Laubwerk, Blumen, Masken, Kindern zu höheren Gegenständen, ja zu reinem Goltvater
Nagler’s Künstler-Lex. II. Bd. 30
Gellini, Benvenuto. selbst erhoben, bei welchem ihm die Gestalten des Michel Angelo
vorschwebten.
In Frankreich wurde er ins Grössere geführt, er arbeitete Figuren von Gold und Silber, die letzteren sogar in Lebensgrösse, €äs ihn endlich Phantasie und Talent antrieben, das ungeheuere Ge- rippe zum Modell eines Colosses aufzurichten, woran der Kopf, allein ausgeführt, dem erstaunten Volke zum Wunder und Mähr- chen war£ —
Von solchen ausschweifenden Unternehmungen, wozu ihn der barbarische Sinn einer nördlicher gelegenen, äamals nur einiger- massen cultivirten Nation, verlührte, ward er, als er nach Florenz zurückkehrte, gar bald abgerufen. Er zog sich wieder in das rechte Maas zusammen, wendete sich an den Marmor, verfertigte aber von Erz eine Statue, welche das Glück hatte, auf dem Platze von Florenz, im Angesichte der Arbeiten des Michel Angelo und Bandinelli, aufgestellt, neben jenen geschätzt und diesen vorgezo- gen zu werden.
Bei dergleichen Aufgaben fand sich Benvenuto durchaus genö- thiget, die Natur fleissig zu studiren; denn nach je grüsserem Maasstabe der Künstler arbeitet, desto unerlässlicher wird Gehalt und Fülle gefordert. Daher kann Cellini in seiner Selbstbiogra-
hie nicht läugnen, dass er, besonders die schöne weibliche Natur, ımmer in seiner Nähe zu besitzen gesucht, und wir finden durch- aus bald derbe, bald reizende Gestalten an seiner Seite. Wohlge- bildete Mägde und Haushälterinnen bringen viel Anmuth, aber auch manche Verwirrung in seine Wirthschaft, und eine Menge so abentheuerlicher, als gefährlicher Romane, entspringen aus die- sem Verhältnisse,
Von Cellini’s Arbeiten, in Gold und Silber, mag wenig übrig gebliebcn seyn, hauptsächlich wegen der Kostbarkeit des Stoffes. Des
erühmten Salzfasses in Wien haben wir erwähnt und setzen nur noch bei, dass daselbst noch ein Lavoir von Silber und ein Cru- “cifix von Elfenbein aufbewahrt werden, zwei Meisterwerke Ben- venuto’”s, .
Im Besitze des Königs von England ist ein sehr grosser Nauti- lus, getragen von Neptun auf dem Secpferde, auf dem Deckel Ju- piter mit dem Adler; Silber, zum Theil vergoldet,
Im Antiken- Museum zu Turin ist ein vortrefflich gearbeiteter Schild aus Bronze, mit Gold eingelegt, und dem Cälini zuge- schriceben. Auf fünf silbernen Medaillons daselbst sieht man die Geschichte des Jugertha, im Style des Cinquecento, in der Aus- führung des Cellini nicht unwürdig.
Im Escurial ist ein lebensgrosses Crucifix in Marmor von vor- trefflicher Arbeit, vermuthlich dasjenige, welches der Grossherzog Cosmus erhielt, des Künstlers letzte Arbeit, welcher er in seiner Biographie erwähnt. Anton de la Puente sagt, dass selbes der Grossherzog von Toscana Philipp 1. zum Geschenke gemacht habe. Der Künstler bezeichnet sich auf dem Kreuze mit: Benvenutus Cellinus, civis florentinus faciebat 1562.
Gegen diese Nachricht streiten wieder Einige, indem sie behaup- ten, dass Cellini’s Crucifix, welches zuerst für die kleine Kirche ım Pallaste Pitti bestimmt gewesen, nachher in die unterirdische Ka- pelle der Kirche St. Lorenz, gebracht worden, wo es sich noch 1731 befunden haben soll, während Paolo Mini in seinem Discorso sopra la nobilita di Firenze 1503 schon ‚als bekannt annimmt, dass Spanien ein bewunderuhgswürdiges Crucifix von Cellini besitze.
_ Das Florentinische Werk, das zu Anfang unsers Jahrhunderts in die S, Lorenz-Kirche gebracht wurde, ist von dem spanischen
wesentlich verschieden und keines als Copie des andern auszuschließen, In Florenz schreibt man es bald dem Michelangelo, bald dem Johann da Bologna zu, und einige legen es auch dem Benvenuto bei.
Zu Florenz restaurierte der Künstler einen trefflichen Apollo zum Ganymed, von welchem freilich die manierierten Theile Cellinis von der edlen Einfalt des alten Werkes merklich abweichen. In der- selben Stadt ist noch die Bronze-Büste Cosmus I. mit reich ver- ziertem Harnisch.
Unter den vielen Denkmünzen, welche diesem Meister zuge- schrieben werden, sind nur einige von seiner Hand. Sie sind in dem großen Werke des gelehrten Jesuiten Bonanni beschrieben.
Benvenuto Cellini beschrieb einhändig sein Leben, aber diese Biographie blieb beinahe 200 Jahre im Manuskripte. Die erste Übersetzung in einer fremden Sprache besorgte wahrscheinlich um 1750 ein Engländer, mit dem Druckorte: Köln, und eine andere englische Übersetzung erschien 1771 von Th. Nugent.
In Deutschland gewannen wir 1803 zuerst durch Goethes Übersetzung den Benvenuto Cellini allgemein Lieb.
Italienische Ausgaben von Cellinis Leben und Werken gibt es mehrere. Eine von 1728 erschien zu Neapel in 4., und 1731 zu Florenz: Due trattati, uno intorno alle atti principali dell’oreficeria, l’altro in materia dell’arte della scultura, ebenfalls in 4. Die erste Ausgabe dieser Traktate wurde 1568 gedruckt.
Im Jahre 1800 gab zu Mailand G. P. Carpani die Opere di B. Cellini (Vita da lui medesimo scritta, — Due trattati — coll’aggiunta di poesie, lettere e altre operette) heraus. Mit Carpanis Text erschienen später noch andere Ausgaben von dem Leben dieses Künstlers, 1824 zu Mailand die sechste in 8.
Die beste Ausgabe ist die von Dr. F. Tassi: Vita di Benvenuto Cellini, restituita alla lezione originale sul Manoscritto Poirot ora Laurenziano ed arricchita di illustrazione e documenti inediti, 3 B. in gr. 8., von denen der dritte die Ricordi prose e poesie, con do- cumenti la maggior parte inediti etc. enthält. Florenz 1829.
Nach dieser Ausgabe besorgte Prof. Choulant eine andere in 2 B. in 12., welche 1832 in Leipzig erschien.
Neue Mittheilungen über Cellini enthält die Schrift des Sr. Gamba, unter dem Titel: Racconti di B. Cellini, 1853.
Der Franzose M. T. de Saint-Marcel gab 1822 zu Paris Mémoires de B. Cellini, écrits par lui même, traduits de l’Italien, heraus und 1833 besorgte D. D. Fargasse eine neue Übersetzung, unter dem Titel: Vie de B. Cellini, orateur et sculpteur florentin etc. 2 Vol. in 8. V p. 9
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