Bis in sein siebentes Jahr schien er so dumm, als er ungestaltet war; es blieb ihm auch zeitlebens etwas Linkliches

Bis in sein siebentes Jahr schien er so dumm, als er ungestaltet war; es blieb ihm auch zeitlebens etwas Linkliches, das man aber leicht übersah, wenn man ihn näher kennen lernte. Gegen seine Neigung widmete sein Vater, ein Goldschmied, ihn seiner Kunst. Diese gab ihm Gelegenheit, sich in der Zeichnung zu üben, und die Art, wie er den Auftrag der Lucceser, einen goldenen Kelch von erhobener Arbeit zum Geschenk für Benedikt VIII. zu arbeiten, ausführte, bewies sein großes Talent für diese Kunst. Hierauf fand er unter mehreren Adeligen Freunde, auf deren Kosten er sich nun der Malerei widmen konnte. S. Conca und Masuccio, die damals berühmtesten Meister , waren seine Lehrer, aber nicht seine Muster in der Kunst; ihn fesselten Raffaels unsterbliche Werke und die Natur.

Die schöne Tochter des Aufschers über die Farnesina war indess die Ursache, dass sein Genie sich nicht so früh zeigen konnte, als man hätte erwarten können. Mit dieser vermählte er sich in seinem 22. Jahre, und da ihm seine damit unzufriedenen Gönner ihre Unterstützung entzogen, so nötigte ihn die Dürftigkeit, eine Menge Porträts und Kopien zu übernehmen; Aber auch diese letzteren erwarb ihm bald den Ruhm eines vorzüglichen Zeichners, von dem man aber behauptete, dass er im Colorit zurück sei. Von nun an häuften sich die ehrenvollen Aufträge bei ihm, und er verfertigte eine Menge von Gemälden für Kirchen und Capellen , in denen er bei oft schon bearbeiteten Gegenständen bald durch die Idee, bald durch Wahl und Anordnung neu zu sein wusste, während er immer durch die Wärme seines Colorits und die Grazie seiner Figuren anziehend war. Deshalb war ihm auch die Ehre zugedacht, ein Gemälde für die Peterskirche zu verfertigen, welches in Mosaik gesetzt werden sollte. Der Gegenstand war die Geschichte von Simon dem Zauberer, welcher in der Carthause aufbewahrt wird. Die Uebertragung in Mosaik unterblieb. Eine Menge Madonnenbilder, heilige Familien, Heilige beiderlei Geschlechts, historische und allegorische Gemälde verfertigte Battoni außerdem für Privatpersonen, und unter diesen zeichnet man besonders eine heil. Familie aus, welche der damalige Großfürst Paul für 1000 Pistolen kaufte. Für die Kaiserin Katharina malte er eine Thetis, wie sie den Achilles von dem Centaur Chiron zurück erhält, und die Enthaltsamkeit des Scipio, beide in der Eremitage zu St. Petersburg. Für den König von Polen vollendete er zwei Szenen aus der Geschichte der Diana, für den König von Preußen die Familie des Darius, wie sie sich vor Alexander niederwirft, worin man besonders die Abstufung der Gemütsbewegung bewundert; die Dresdner Galerie besitzt von ihm die allbe-

Batoni etc. — Batrachos und Sauras.

kannte reueige Magdalena, Batoni besass ein natürliches Talent zum Gelfälligen und Naiven, wesswegen ihm jugendliche weibliche Figuren oft reizend gelungen sind. Unter diesen zeichnet sich die Magdalena aus. Sie hat zierliche Formen, anmuthige Züge; man kann dem Werke leicht ansehen, sagt Heinr. Meyer, dass der Künst- ler solches, wenig von der Wahrheit abweichend, einer jungen hübschen Römerin nachgebildet hat; mit der Reue scheint es ihr kaum halber Ernst, und sie thut nur bussfertig, um desto rei- zender zu erscheinen. Eine andere Magdalena ist in der Eremi- tage zu Petersburg.

Zu seinen vorzüglichsten Arbeiten gehört auch das von allen vier Welttheilen angebetete Herz Jesu, eine grosse Altarstatue, welche 1780 die Königin von Portugal für eine von ihr erbaute Kirche zu Lissabon verfertigen liess; ferner die Decke der Gallerie Colonna zu Rom und die Stadt Marino, unter der Gestalt einer jugendlichen weiblichen Figur dargestellt, in den obern Zimmern der Villa Borghese. Auch in Böhmen und Mähren sind einige schöne Bil- der von Batoni’s Hand zu finden.

Der von ihm gemalten Bildnisse ist eine fast unglaubliche Men- ge. Ausser dreien Päbsten: Benedikt XIV., Clemens XIII. und Pius VI., hat er fast alle fürstlichen Personen, die zu seiner Zeit Rom besuchten, abgebildet; unter diesen auch Joseph II. und dessen Bruder Leopold von Toscana, wofür er nicht bloß von Joseph und der Kaiserin Maria Theresia reich beschenkt, sondern von ersterem ebenfalls sammt seinen männlichen Erben in den Adelstand erhoben wurde. Auch von dem Papst erhielt er den Ritterorden.

Mengs allein war im Stande durch den Weg des Verdienstes, nicht der Ränke und Cabalen, dem Batoni die oberste Stelle, die er 40 Jahre unter den Künstlern zu Rom behauptet hatte, streitig zu machen. Er hatte ohne Zweifel mehr praktisches Talent als dieser, dagegen war ihm Mengs in der Theorie überlegen. Nach dem Tode des letzteren, den sein älterer Nebenbuhler überlebte, erhob sich gegen Batoni eine Partei, die den ehrwürdigen Greis zu kränken suchte, allein sie waren, wie Fiorillo sagt, nichts anderes als Hunde, die gegen den Mond bellten. Er hat zwar vieles gearbeitet, was vergessen werden mag, allein auch Einzelnes, was den Werken von Maratti an die Seite gesetzt werden kann. Heinrich Meyer urtheilt über diesen Künstler ganz richtig, wenn er sagt: Batoni besass Lebhaftigkeit und Wärme des Colorits, aber Harmonie der Farben, die angenehme Wirkung und der Ton des Ganzen gelangen ihm gewöhnlich nicht; dagegen muss man einzelne, trefflich und mit äusserster Sorgfalt ausgeführte Theile billig bewundern; zuweilen auch geistreiche Köpfe von kräftigem wahrhaltendem Ausdruck. Von seinem Talente zum Gefälligen und Naiven wurde oben gesprochen. Fiorillo I. 220 #. XLanzı I. 530, deutsche Ausg. Winckelmann und sein Jahrhundert, S. 282 ff.

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