BerVIC, Charles Clement, berühmter Kupferstecher , geb. zu Paris 1756, gest. 1822. Der Name seiner Familie hieß Balvay, allein er gab diesen aus unerkannten Ursachen auf, und nahm einen Namen an, welcher im 18. Jahrhunderte von einem unehelichen Sohne
Bervic, Charles Clement.
des Königs Jakob II. geführt wurde. In einer früheren Periode soll er sich Charles Guillaume Barvez genannt, und in seinen Kindesjahren zu allem eher Abergewöhnung gefunden haben, als zur Kunst, doch der zufällige Anblick einiger Zeichnungen und Kup- ferstiche weckte das schlummernde Talent, und nun widmete er sich mit Vorliebe unter Le Prince der Zeichenkunst . Später trat er in J. G. Wille’s Schule, um die Kupferstecherkunst zu erler- nen, worin er sich bald vortheilhaft auszeichnete. Seine ersten Arbeiten waren Bildnisse, die durch zierliche Reinheit des Grab- stichels und durch die angenehme Manier gefielen, und worunter vorzugsweise jene von Linne, Vergennes, S. de Meilhan und des Prinzen Masalsky zu nennen sind.
Unter den von Bervic gelieferten Platten aus dem Zeitraume sei- nes ruhmvollen Hervortretens erregte ein großes Blatt: La de- mande acceptée, 1784, nach Silvestre, viel Aufsehen und den Bei- fall aller Kenner durch seinen Umfang und den vollendeten Grabstichel. Dieses Blatt brachte dem Künstler auch den Weg zur Akademie, und schon früher wurde, als Probeblatt seiner Mei- sterschaft, das Bildnis des Generaldirektors d’Angevilliers gekrönt. Eines entschiedenen Beifalls erfreute sich auch Le Repus, nach Lepicie.
La Demande acceptée wurde bei Becker um 15 Rthlr., bei Bran- des um 8 Rthlr. und bei Schwarzenberg um 8 Thlr. bezahlt. In der Auktion dieses letzteren galt Claude Lorrain 3 Rthlr. 17 Gr. und ein anderer Abdruck 5 Thaler.
Bervic war jetzt dem Hofe näher getreten, und von dort er- hielt er den Auftrag, Ludwig’s XVI. Bildnis in vollem Königsprunke nach Callet's Gemälde zu stechen; eine schwierige Aufgabe, da seine Arbeit die Parallele mit den vielbewunderten Blättern eines Drevet, Nanteuil u. a. herbeizuführen. Das Werk unseres Künstlers stand jedoch dem Meisterstücke Drever’s nicht nach, und behauptet einen Ehrenplatz in der Reihe der Darstellungen der französi- schen Könige, welche ein glänzender Grabstichel verewigte. In- dessen tritt Bervic’s Blatt nicht so sehr durch eine metallschimmernde Manier, als durch eine höchst malerische Abstufung der Töne her- vor. Sein Grabstichel zeigt sich hier in wahrhaft künstlerischer Vollendung, zart und doch nirgends kleinlich; die Zeichnung ist treu, der Farbengebung des Originals entsprechend, das Ganze harmonisch und glänzend, nur vermissten Critiker eine gewisse Stärke des Effekts.
Die Abdrücke des Bildnisses dieses unglücklichen Königs haben für die Sammler sehr erhöhten Geldwerth erhalten, da mit der bald eintretenden Revolution und der wahnsinnigen Zerstörung des Kö- nigthums auch in den Kunstwerken viele Abdrücke dieses Kupfer- stiches vernichtet sind. Der Künstler konnte sein Werk nicht ver- nichten, und wusste es doch nicht gefahrlos zu verbergen: um hiezu leichter Mittel zu finden, zerschnitt er die Platte und be- wahrte sie so. Jetzt soll man sie wieder zusammengesetzt haben, und zwar mit so glücklichem Erfolge, dass gute neue Abdrücke davon abgezogen werden können.
Dieses Blatt galt im ersten Drucke, vor der Einfassung und der Schrift, bei Logette 601 Fr., bei Rigall 200 Fr. und bei Prevost 250 Fr. Bei Brandes wurde es um 16 Rthlr., bei Becker um 21 Rthlr., bei Schneider um 17 Rthlr. 9 Gr. und bei Schwarzenberg um 15 Rthlr. 4 Gr. bezahlt. Bei Weigel ist ein vom Stecher selbst bezeichneter Abdruck um 25 Rthlr. ausgeboten.
Noch ehe die Revolution das Stillleben der Künstler gefährdete, wagte sich Bervic an eine höhere Künstleraufgabe, wozu er als
geschickter, mit der Malerei innigst vertrauter Zeichner, ausgerüstet war. Er widmete einem herrlichen Bilde Rafael’s, dem heil. Johannes, seinen Grabstichel. Dieses Blatt erhöhte den Ruhm Bervic’s, ist aber nicht einzeln ins Publicum gekommen, sondern gehört in das schöne florentinische Galleriewerk, das von 1780—1815 zu Paris in vier großen Foliobänden erschien. Geringeres Verdienst besitzt die Unschuld nach Merimöe.
Nachher wendet er sich zu dem Bilde N. F. Regnault’s, welches die Erziehung Achill’s durch den Centauren Chiron darstellt, und als Gegenstück gab er das befällig aufgenommene Blatt mit der Entführung der Dejanira, nach Guido. Wenn gleich jede dieser Arbeiten in der Technik den Meister des Grabstichels zeigt, so übertrifft doch das zweite Blatt das erste um Vieles. Die Franzosen halten es für das vollkommenste, das im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts erschien.
Dieser Stich wurde in Deutschland auf Auktionen um 6—7 Rthlr., bei Becker um 15 Rthlr. bezahlt. Die Erziehung Achill’s wurde bei Weigel für 8 Rthlr. ausgeboten.
Für das Musée Napoleon stach Bervic die Gruppe des Laokoon, eine für den Künstler schwierige Aufgabe, die er mit glänzenden Erfolgen löste, allein Bervic schloss damit die nicht große Reihenfolge seiner Blätter. Durch die unablässige Anstrengung der Augen hatte sein Organ gelitten, und er entsagte daher für immer der weiteren Arbeit mit dem Grabstichel. Mehrere schon vorschrittene Platten liess er unbeendet, und übergab sie seinen Zöglingen zur weiteren Ausführung; zuvertraute er die Platte, welche das Testament des Eudamidas vorstellt, seinem Schüler Toschi an, der sie auch geschickt ausführte.
Die Gruppe des Laokoon wurde bei Rigall um 222 Fr., bei Durand um 250 Fr. bezahlt, ein Abdruck vor aller Schrift.
Bervic wirkte von dieser Zeit an nur noch durch Rath und Ausspruch im National-Institute und durch Mittheilung der Geheimnisse der Grabstichelführung an seine Schüler. Er teilte die von der Regierung für die Kupferstecherkunst ausgesetzten Aufgaben, entschied die Preisvertheilungen und machte Vorbereitungen zur Vervollkommnung der Kunst.
Nach der Rückkehr der Bourbons auf den Thron Frankreichs verlieh ihn Ludwig XVI. das Kreuz der Ehrenlegion, und schon früher hatte er den Reunionsorden erhalten.
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