Bernini, Johann Lorenz Cay, Baumeister und Bildhauer , Sohn Peters, eines Malers und Bildhauers aus Sesto, geb. zu Neapel 1508, gest. 1680. Er genoss den Unterricht seines Vaters, und machte so reissende Fortschritte, dass er schon in seinem zehnten Jahre einen Kopf von Marmor verfertigte. Sein Genie und seine Begeisterung ver- schafften ihm nicht nur einen ausgebreiteteren Ruf als seinen Zeit- genossen Algardi und Fiamingo, sondern überhaupt seit Michelangelo unter allen Bildhauern das bedeutendste Anscheinen in seinem Zeitalter. Kein Künstler hat vielleicht so entschiedene Manier in missbilligendem Verstande gezeigt, deren Ursprung nicht im Man- gel an Talent und Geist, sondern in falscher Richtung desselben liegt, indem der verkehrte Geschmack nicht minder als der wahre vorkommen und ausgebildet in seiner Art erscheinen kann. Bernini war nicht allein mit vorzüglichem Talent und mit Geschick- lichkeit im Gebrauche der zur Darstellung erforderlichen Mittel be- stäbt, sondern er besass auch Geist im eigentlichen Sinne: aber einen jenes Geist des wahrhaft Schönen positiv entgegengesetzten, der je- nem entgegensteht, wie der böse Geist dem Guten in der moral- ischen Welt. Ihm erschien ein Trugbild der Schönheit anstatt ih-
Es dürfte wohl in Correggio der Keim zu seiner Manier sich
finden lassen, durch welche die gesuchte Grazie und die völligen
fleischigen Formen dieses Malers bis zur höchsten Karikatur ge-
trieben wurden. Sein Fleisch hat so ein aufgedunsenes Aussehen,
dass die Muskeln der männlichen Körper an Blasen erinnern. Die
üppigen Fleischmassen seiner Frauen vermöchten nur der gemein-
sten Sinnlichkeit zu gefallen und müssen bei nicht gänzlichem Man-
gel an Schönheitssinn mit Widerwärtigkeit ertragen. Seine Ge-
wänder zeigen gewöhnlich noch einen weit manierierteren Falten-
wurf als die des Pietro da Cortona, auf dessen Geschmack sie je-
doch erinnern. Bei seiner grossen Meisterschaft in Behandlung
des Marmors wusste er jedoch keineswegs den Charakter des Flei-
sches auszudrücken, welches vielmehr ein dem Wachse ähnli-
ches Aussehen zeigt. Glücklicher war er in der Darstellung
der Stoffe der Gewänder, worin er alles leistete, was die Sculptur
zu leisten vermag, die jedoch durch das Streben, in solchen Ge-
gensätzen mit der Malerei zu wetteifern, die Verkennung ihrer
Grenzen offenbarte, welche übrigens kein Bildhauer mehr als Ber-
nini verkannte. Die Bildnisse dieses Künstlers zeigen jedoch nicht
selten ausgezeichnetes Verdienst.
Der verkehrte Sinn, durch welchen der Mensch seine erdachten
Begriffe von Schönheit an die Stelle ihrer wahren Idee zu setzen
sucht, hat sich zwar mit dem Verfall der Kunst zu entwickeln be-
gonnen, ist aber doch erst in dem Zeitalter des Bernini als ent-
schiedene Unnatur hervorgetreten, die sich seitdem im gesamten
menschlichen Leben offenbarte. Neueste Beschreibung Closs’s von
Bunsen, etc. I, 565.
Aber nicht allein auf die Bildhauerei, sondern auch auf die Bau-
Kunst hatte Bernini mächtigen Einfluss. Durch den sonderbarsten
Widerspruch war er aber als Bildhauer ein Antagonist der griechischen
Sculptur und als Baumeister der folgsamsten Verehrer der Griechen;
er wurde in dieser Kunst sogar ein anerkanntes Vorbild in der
Anwendung des griechischen Stils und seiner schönen Verhältnisse
auf die neueren Bedürfnisse derselben. Nach Winckelmann ver-
dient er auch das Lob eines großen Baumeisters, was in der Bild-
hauerei nicht der Fall ist, da seine Figuren ohne Gefühl des mensch-
lichen Schönen, wie wassersüchtig erscheinen.
Bernini hatte zu jener Zeit seines langen Lebens auf alle
Kunstarbeiten einen grossen Einfluss. Schade nur, dass er der
Ausartung des Geschmacks alle Thore öffnete. Unter Paul V. fing
er an, sich einen Namen zu machen, aber erst unter der Regie-
rung Urban VIII. und Innozenz X. wurde er der Vertheiler aller
öffentlichen Arbeiten zur Verschönerung Rom’s und durch die Er-
nennung zum Aufseher über den Bau der St. Peterskirche wurde
diese Macht noch mehr bestätigt. So mussten ihm auch alle
Künstler huldigen, ihm nachahmen, oder seine Feindschaft emp-
finden. Urban erhob ihn in den Ritterstand.
Die Ernennung zum Baumeister der St. Peterskirche geschah 1629
nach dem Tode von Carlo Maderno’s. Noch fehlten an diesem erhaben-
en Dome die beiden Türme; Bernini verfertigte daher die Zeich-
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