Bernardo (Bernhard), aus Florenz

Bernardo (Bernhard), aus Florenz , Baumeister in Diensten Pius II., erbaute in der Mitte des 15. Jahrhunderts das Schloss und die Kirche und andere Gebäude zu Pienza im Gebiete von Siena. Pius nennt seinen Baumeister selbst einen Bernhard aus Florenz; Vasari dagegen misst den ganzen Bau dem Francesco di Giorgio bei, einem Maler, Bildhauer und Baumeister aus Siena , und hierin sind ihm die meisten neuen Kunstbücher gefolgt; allein die zuverlässig bekannten Lebensumstände des Francesco machen es unwahrscheinlich, dass ihm, vorzüglich in so früher Zeit, eine Bauunternehmung von so grossem Umfange aufgetragen worden sei.

Um die Mitte des bezeichneten Jahrhunderts, oder zur Zeit des Baues zu Pienza, erwähnt die Kunstgeschichte eines einzigen florentinischen Architekten, der Bernhard hieß: Vasari nennt ihn Bernardo Rosselini. Dieser war den grossartigen Bauunternehmungen Nikolaus V. vorgesetzt. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Pius II. denselben Baukünstler hervorgezogen habe, welcher kurz vorher das Vertrauen seines Vorgängers (das Pontificat Calixtus III. war sehr kurz) gerechtfertigt hatte. Es ist hier kein historischer Grund vorhanden, zwei gleichzeitige Architekten desselben Namens und Vaterlandes anzunehmen. Jeden Zweifel aber, der hier noch übrig bleibt, beseitigt zunächst die Analogie der Richtung in den Bauunternehmungen beider Päpste, indem sie nicht sowohl auf die Errichtung einzelner Gebäude, als auf die Übereinstimmung aller Gebäude in ganzen Straßen, Plätzen und städtischen Quartieren ausgingen; dann die Ähnlichkeit der Bauart einiger Teile des besterhaltenen Werkes Nicolaus V. mit den entsprechenden Teilen der Gebäude Pius II., so dass in dem Florentiner Bernhard des einen und des andern Päpste nur einer und derselbe Baukünstler angenommen werden kann. Zu den Bauten Nicolaus V. gehören die offenen Bogenhallen des grossen Hofes der Burg von Spoleto; der Marktplatz von Fabriano, den Nicolaus ganz erbaut hat, das Schloss von Narni, der Turm der Engelsbrücke zu Rom sind durchaus noch in dem Zustande, in welchen Nicolaus sie gesetzt hat. Es genügt die Bogenstellung, der Burg von Spoleto in Beziehung auf Verhältnisse und Zierden mit den Säulengängen der Paläste zu Pienza zu vergleichen, um einzusehen, dass eine hinlängliche Verwandtschaft der Bauart in den Werken beider Päpste vorhanden ist. Mit noch ungleich grösster Sicherheit lässt sich aber aus der Gemeinschaftlichkeit des Bauherrn und aus der Verwandtschaft der Bauart schliessen, dass die Paläste und andere Gebäude, welche Pius II. in Siena selbst errichten liess, oder doch beförderte, von demselben Baumeister angelegt wurden, dessen Leistungen zu Pienza über alle Hofränke siegten. Man suchte nämlich den Papst zu überreden, dass der Baumeister dieser Werke

: Unterschleif und Haufehler begangen habe. Vorzüglich ward ihm
Schuld gegeben, dass er den Anschlag, der nur auf 8 bis 10,000
Goldgulden ging, bis auf die Summe von 50,000 überschritten habe.
Pius, nachdem er alles wohl überdacht hatte, befahl ihn herbei-
zuführen und redete ihn auf folgende Weise an: „Sehr wohl hast
du gethan, mein Bernhard, indem du mir den Aufwand verhehlt
hast, der mir bevorstand. Hättest du die Wahrheit gesagt, so
würde ich mich nie entschlossen haben, eine so grosse Summe auf-
zuwenden, und so würde dieser edle Palast und Tempel auch nicht
entstanden sein, den gegenwärtig ganz Italien preist. Er dankte
ihm hierauf, und sagte, er halte ihn unter allen Baukünstlern sei-
ner Zeit der ersten Stelle werth, befahl dem Manne allen Lohn
und 100 Goldstücke darüber auszuzahlen, auch ihm ein Scharlach-
kleid zu verehren. Weiterhin setzte er ihn neuen Werken vor.
Dieser Ausdruck wird sich wohl zunächst auf Pienza selbst deu-
ten lassen, wo auch die Höflinge, welche sich dort anbauten, in
der Wahl des Baumeisters schwerlich den Ansichten des Pabstes
entgegengehandelt haben. Dann aber scheint er um so mehr auf
die Paläste in Siena zu gehen, weil hier nur der Pabst selbst, oder
die nächsten Verwandten die Bauherren waren. Er errichtete
daselbst die Säulenhalle neben St. Martin, das jetzt sogenannte
Collegium Tolomei und den Palast Nerucci für die Schwester Ca-
tharina. Den Palast Piccolomini in der Nähe von St. Martin, ein
prachtvolles Werk, machte Grandjean und Famin, in der Architec-
ture toscane bekannt. Alle diese Gebäude hat man nach ihrer gros-
sen Analogie mit den pientinischen ganz unbedenklich dem Fran-
cesco di Giorgio beigemessen, deren Urheber zweifelsohne Bern-
hard aus Florenz ist. Wenn Bernhard wirklich, wie Vasari an-
gibt, ein Bruder des vortrefflichen Bildners Antonio Rosselini ge-
wesen ist, so lässt sich aus dem Umstande, dass der Herzog von
Amalfi seiner Gattin durch Antonio ein Grabmal errichten liess,
schließen, dass die Familie Rosselini selbst nach dem Tode des

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Pabstes fortfuhr, die Rosselini zu beschützen und zu beschäftigen.
Rumohrs ital. Forschungen II. 103. Kunstblatt 1822. a

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