Bergler, Joseph

Bergler, Joseph, berühmter Historienmaler , geboren zu Salzburg 1753, gestorben zu Prag 1829. Er erhielt von seinem kunstverständigen Vater den ersten Unterricht im Zeichnen und Malen und machte sich bald durch lobenswerte Gemälde des Künstlernamens würdig. Unter seine ersten Arbeiten, die er von 1771–75 lieferte, gehören: der gekreuzigte Heiland, in der St. Salvatorskirche in der Ilzstadt; große Bilder in der Kapuzinerkirche: das Pfingstfest, und zwei Vorstellungen des heil. Franziscus; die Heimsuchung der Eli-

Bergler, Joseph.

Säbeth, auf dem Maria-Hülfsberge und eine Pieta ebendaselbst. Auch zu Reichersberg im Innviertel und in der Pfarrkirche zu Weg- scheid sind ein Paar von Bergler’s Jugendarbeiten.

In diesen Werken zeigen sich schon Spuren eines großen Ta- lentes und von Genialität, und dieses bewog den kunstliebenden Cardinal-Bischof und Fürsten Firmian von Passau den jungen Künstler 1776 mit einer Pension nach Italien zu schicken.

Auf seiner Reise dahin war Mailand seine erste Bestimmung, wo ihn ein Empfehlungsschreiben des Fürsten in das Haus des Minis- ters Grafen Carl Firmian, des Bruders seines Mäcenaten, und in die Schule des berühmten Martin Knoller führte. Hier fing Bergler an, mit allem möglichem Eifer nach der Natur und nach Antiken zu zeichnen, und Meisterwerke großer Künstler mit dem gewissenhaftesten Fleisse zu copiren. Die gelungenste dieser Co- pien, eine wunderschöne heilige Familie nach Rafael, verehrte der Künstler seinem hohen Gönner nach Passau . Dieses Bild erhielt Marshal Soult bei seinem Abzug von Passau. Das Original befin- det sich in der k. k. Galerie im Belvedere zu Wien. Während seiner fünfjährigen Anwesenheit in Mailand hatte Bergler auch öf- ter Gelegenheit in Knoller’s Gesellschaft sehr vieles Ausgezeichnete al fresco zu malen. Im Jahre 1781 ging er von Mailand nach Rom, um jedoch auch die Kunstreichtümer in Parma, Bologna und Flo- renz mit der nötigen Muße bewundern zu können, blieb er in jeder dieser Städte längere Zeit und zeichnete dort vieles zu seinen Studien. In Rom wurde der berühmte Cavaliere Maron sein Lehrer. Zugleich genoss er den belehrenden Umgang der zu jener Zeit in Rom befindlichen ausgezeichneten Künstler und Professoren. Zu den berühmtesten gehörten Mengs, David, Hockert, der Ritter

Hamilton, Angelica Kaufmann, Triesel, Unterberger, Woutky

und Canova. Als Mitschüler und Bekannte lebten gleichzeitig mit Bergler in Rom: Beker aus Karlsruhe, Biermann aus Basel, Bött- ner in Cassel, Fried. Büry aus Hanau, Busch aus Mecklenburg und der geniale Cauzig aus Görtz, Füger und Zauner, Camuccini, Koch, Landi, Mechau, Morghen, Peters, Schöpf, Schütz, Tisch- bein, Volpato, Wächter u. a. m. Auf Marons Rath begann Berg- ler seine Studien mit Abzeichnung der großen herrlichen Frescoge- mälde Zampieri’s, welcher Meister nebst N. Poussin und Raphael seinem Gemüthe am meisten zusagte. Die Copirung der Meister- werke Rafael’s in den Stanzen und Logen des Vatikans war seine Haupt- und Lieblingsbeschäftigung. Auch die reichen Gemäldegallerien Roms lieferten ihm so manches herrliche Original, mit dessen Geist er durch die fleißigste Nachbildung vertraut zu werden suchte. In der Zwi- schenzeit verfertigte er in der Akademie des Capitols eine grosse Menge verschiedener Zeichnungen nach der Natur, nach dem Mo- dell, nach Antiken, Architekturstücken, Arabesken u. s. w. Nach einem dreijährigen Aufenthalte in Rom wagte er es bei der Preis- aufgabe der Akademie zu Parma im Jahre 1781 als Kämpfer um den ehrenden Preis in die Schranken zu treten. Die Aufgabe war Sim- son als Gefangener der Philister in dem Moment seines Erwachens auf Dalila’s Zuruf, wie er sich von Feinden umringt sieht und ver- geblich die Fesseln zu zerreissen bemüht. Der gedruckte Bericht, welcher bei Gelegenheit der Preissvertheilung der k. Akademie der schönen Künste in Parma erschien, spricht sich über diesen ersten

größeren Compositions-Versuch Bergler’s auf das Vortheilhafteste aus,

gemein gerühmt wurde die sehr gut durchdachte und wohlge- ordnete Erfindung der Figuren, und wenn die Gruppe der Dalila und der Philister-Fürsten durch irgend einen leichten Gegenstand mit jener des gefesselten Simsons nur etwas mehr in Verbindung

Bergler, Joseph.

Gelegentlich wäre, würde es in dieser Hinsicht den berühmtesten Malern zur Seite stehen können.

Den größten Beifall verdient die vollendete Rundung und die äußerst fleißige Behandlung aller Teile. Zu bewundern ist der klassische Stil in den Draperien und Ornamenten der Figuren. Die Harmonie des Ganzen würde jedoch gewonnen haben, wenn das etwas einfarbige Incarnat der nackten Körper verschieden gehalten, auf diese Art ein stärkerer Kontrast derselben erzeugt und das Gewand der Dalila nebst der Kopfbinde des Greises, der ihr zur Seite steht, mit dunkleren Tinten ausgemalt worden wäre. Aber nie wird man genug die lebendig heraustretenden Köpfe, die äußerst fleißige Behandlung der Hände und Füße und den wohl- gedachten weiten und prächtigen Hintergrund loben können.

Ein so ausgezeichnetes Lob ertheilte die damals berühmteste Akademie Italiens Bergler’s erstem größeren Versuch in der historischen Malerei. Der Preis war eine 50 Dukaten schwere goldene Medaille, von Kraft gravirt, mit dem Bildnisse des Herzogs von Parma.

Diese errungene Palme machte Bergler neuen Muth, und ver- schaffte ihm einen vortheilhaften Ruf. Er erhielt mehrseitig Bestel- lungen auf Gemälde für Kirchen und für Kunstfreunde. Das be- deutendste darunter war ein großes Altarbild, die Befreiung des heil. Petrus aus dem Kerker durch den Engel, für die Nonnen in Fabriano, und zwei kleinere Aufsetzbilder, eine heil. Martha und Apollonia. Für die Hauptkirche in Maring eine Maria mit dem Kinde und vielen Engeln und Lämmern. Für ein Kloster in dem- selben Orte ein Altarbild in Öl, den seligen Caraccioli vorstellend. Auch malte Bergler eine große Capelle dieses Klosters nebst dem Altar derselben ganz in Fresco aus. Nach Amerika nahm ein Au- stiner-Mönch, der sich damals in Rom aufhielt, vier kleine Kir- chenbilder, die er bei dem Künstler bestellt hatte, mit. Zwei an- dere Gemälde gingen mit einem Theatiner in sein Kloster nach Si- cilien. Noch malte er in dieser Zeit aus Gefälligkeit mehrere Por- traits von Freunden und Bekannten.

Sechs kostbare unvergessliche Jahre verweilte Bergler in Rom, bis zum Jahre 1786, wo er die Reise in sein Vaterland antrat. Er wählte jetzt Passau zu seinem Aufenthaltsorte, und wurde hier, ob- wohl er anfangs an einem geringen Lohn malen musste, bald so bekannt und berühmt, dass seine Kunst ihn und die seinigen durch 14 Jahre in Passau reichlich nährte.

Bergler’s so erworbener Ruf bewog später den Cardinal Auers- berg, ihn mit einem jährlichen Gehalte als Cabinetsmaler an- zustellen. Diesem Fürsten malte er nebst vielen andern, was das Pensum seiner Anstellung war, zwei besonders merkwürdige Ge- mälde. Das eine war die Geburt Christi, ein Altarbild für die Kapelle eines Lustschlosses, das andere, wozu die Genesung des schwer erkrankten Cardinals die Veranlassung wurde, ein Cabinets- stück, dessen Gegenstand die Heilung des kranken Königs Hiskias war. Das letztere wurde mit der Copie der Raphaelischen heil. Familie dem Marschall Soult verehrt.

Dem Cardinal Auersberg folgte im Jahre 1705 Graf Thun als Fürstbischof von Passau. Dieser ernannte den ihm so wertvollen Künstler zu seinem Hoftruchsess. Die bedeutendsten Ölgemälde, welche der Künstler während seiner Lebensperiode in Passau ver- fertigte, sind folgende: Für die Pfarrkirche nach Wegscheid malte er ein großes Altarbild, die Taufe Christi, und als Aufsatz- bild für den Hochaltar der heil. Joseph mit der Erscheinung des Engels. Für das Kloster Fahrenbach bei Scherding einen sterben- den heil. Joseph und den heil. Benedikt. Nach Scherding sechs

grosso Rilder: Die Geburt und Taufe; das letzte Abendmahl; die Auferstehung und Himmelfahrt Christi, und die Erscheinung des heil. Geistes. In eine Pfarrkirche jenseits des Innflusses, nahe bei Schloss Eigen für den Hauptaltar den Sturz der empörten Engel. In zwei Pfarrkirchen nach Oberösterreich als Altarbilder den heil. Ulrich und die Sendung des heil. Geistes. Nach Oesternberg in Oberösterreich die Geburt Christi und einen Heiland am Kreuze mit der büssenden Magdalena. Für die Stadtpfarrkirche in Passau ein sehr grosses Bild, den gekreuzigten Christus mit Maria Mag- dalena. Für die Pfarrkirche im Markt Zwiesel in Bayern einen gekreuzigten Christus, „die Geisselung und Krönung des Heilands und eine heil. Anna. In eine Filialkirche bei Regen im Wald ein Sebastian und heil. Georg. Nach Freynberg in Oberösterreich die zwei Altarbilder: Die Taufe Christi und die heil. Geschwister Willibald, Wunibald und Walburga. Nach Windorf an der Donau einen heil. Jakobus major und die Heiligen Joseph und Johann von Nepomuck, als drei Altarblätter. Für die Hofkirche eines Grafen von Fugger nach Schwaben die Abnahme des Heilands vom Kreuze mit mehreren Figuren, eines der ersten größeren Altarbil- der, welche Bergler seit der Rückkehr aus Italien gemalt hatte. Für einen Grafen Starhemberg ein Altarbild: Christus als Welter- löser mit vielen symbolischen Nebenfiguren.

Von diesen hier angeführten Gemälden, deren Vortrefflichkeit die noch vorhandenen Skizzen derselben und das anerkannte Ta- lent ihres Meisters verbürgen, sind alle diejenigen, welche nach Scherding, Zwiesel und Wegscheid kamen, durch Feuersbrunst zu Grunde gegangen. Ausser diesen verfertigte Bergler eine Menge kleinerer Gemälde, Zeichnungen und Portraits.

So beschäftigt und mit unermüdeter Tätigkeit immer neue Kunst- bilder schöpfend, lebte Bergler bis zum Jahre 1800 in Passau.

In diese Zeit gründete eine Gesellschaft von Kunstfreunden zu Prag eine Kunstschule, zu deren Einrichtung Bergler gewählt wurde. Sein kunstliebender Fürst gab ihm einen sechsjährigen Urlaub, nach dessen Verlauf er zurückkehren, oder, wenn er es behaglicher fände, aus den Diensten des Hofes treten könnte.

Die allgemeine Säkularisation trat dazwischen; er wählte Prag zum künftigen Wohnorte und nahm die Stelle als Akademiedirektor in dieser Stadt an.

Was er, der einzige und alleinige, seit vielen Jahren zur Beför- derung der Kunst in Böhmen gewirkt hat, davon legen die zahl- reichen geschickten Schüler, die jährlichen, im Verhältnisse einer Provinzialstadt reichen Kunstausstellungen, die vielen sehr gera- teten, in einem eigenen Lucale der Akademie gesammelten und aufgestellten Preiszeichnungen, und die günstigen Urteile aller kunstverständigen Reisenden einen ehrenvollen, die Bemühungen des Meisters schön lohnenden Beweis ab.

Obgleich die Stelle als Lehrer und Direktor die Zeit des treffli- chen Künstlers sehr in Anspruch nahm, so ist doch die Zahl sei- ner Kunstleistungen auch in Böhmen nicht geringe. Die Lektüre der Bibel, der Messiade, Ossian’s, Gessner’s, der böhmischen Ge- schichte und Legenden gaben dem edlen Bergler zu vielen Gemäl- den und Zeichnungen Stoff. Aus der Vorwelt Böhmens bearbeitete er einen ganzen Cyclus von Vorstellungen, wovon drei grosse Oel- gemälde und die übrigen Zeichnungen sind. Dieser Cyclus, so wie die grosse Sammlung seiner vortrefflichen in 5 Heften, jeder von 20 grossen Blättern, von ihm herausgegebenen Originalradierungen in Kupfer, von denen Dlabacz die meisten verzeichnet, und sein rei- cher Nachlass an Skizzen und Meisterwerken eigener Hand, verdio-

Bergler, Joseph.

nen der Gegenstand einer eigenen ausführlichen Beschreibung zu

In Prag sieht man von ihm in der italienischen Kirche eine Himmelfahrt Mariens, und im Kloster der Barnabiten Nonnen auf dem Hradschin einen heil. Joseph und die heil. Theresia. In der Garnisonskirche der Festung Theresienstadt die Auferstehung, und in Josephstadt die Himmelfahrt Christi, zwei sehr grosse Altarblätter. In Jung-Wossnitz auf dem Hauptaltar der Kirche den Heiland am Kreuze mit Maria und Johannes, und auf zwei Seitenaltären Johann den Täufer und Johann von Nepomuck. In der Kirche zu Sedietz unweit Kuttenberg ein sehr großes Hauptaltarbild, die Himmelfahrt der Gottesgebährerin. In der Dorfkirche zu Strausnitz bei Langenau eine heil. Dreieinigkeit mit vielen Engeln. In der Pfarrkirche zu Bochnitz ober Troja, am Hochaltar die Aposteln Peter und Paul und an einem Nebenaltar einen Christus am Kreuze. In der Pfarrkirche zu Altbudecz oder Kowarcz ebenfalls ein Gemälde der obengenannten Apostel. In der Schlosskirche der Fürstin Kinsky zu Bunenitz den heil. Wenzel, die böhmische Jugend in den Pflichten des Christenthums unterrichtend. In der Kirche zu Budenitz das Bild des heil. Isidor. In der Kirche zu Unter-Chwaltlin die Apostel Peter und Paul. In der Pfarrkirche des Grafen Kaspar Sternberg zu Stupno einen heil. Laurentius. In der Kirche zu Unterklin einen hl. Nikolaus mit dem Unterricht der Jugend beschäftigt. In der Schlosskirche der Gräfin Cavriani zu Koschatek den heil. Franz von Assisi. In der Kirche der gräflich F. Clam-Gallas’schen Herrschaft zu Horka eine Geburt Christi. In der gräflich Clam-Gallas’schen Schlosskirche zu Grüfenstein den gekreuzigten Heiland. In der Schlosskirche des Grafen Franz Thunn zu Tettenstein einen heil. Georg.

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