Berghem (Berchem), Nikolaus

Berghem (Berchem), Nikolaus, ein berühmter Maler und Ku- pferstecher, geb. zu Harlem 1624, gest. 1685. Er erhielt den ersten Unterricht bei seinem Vater Pieter Klaasze, der auch Peter von Harlem genannt wurde, konnte aber unter der Leitung dieses mittelmäßigen Künstlers, der leblose Gegenstände malte, nicht viel gewinnen, und erst in den Schulen des J. van Goyen, N. Moviaert, P. Grebber und J. B. Weenix bildete er sich zum Künstler. Aus dem Namen seines Vaters ersicht man, dass Berghem sich einen eigenen geschaffen habe, und man gibt verschiedene Ursachen dieser Veränderung an. Er soll anfangs Berchem genannt worden seyn, wie Houbracken und Winter behaupten, und Descamps glaubt, van Haerlem sei Nikolaus rechter Zuname gewesen. Jetzt tritt man fast allgemein der Erzählung des Karl de Moor bei. Der junge Nikolaus soll nämlich zu der Zeit, als er sich in der Schule des Van Goyen befand, einmal von seinem Vater bis zum Hause des Lehrers verfolgt worden seyn, indem ihn dieser wegen eines Vergehens züchtigen wollte. Van Goyen, der diesen seinen Schü- ler liebte, hielt nicht nur den Vater zurück, sondern wendete sich auch zu seinen andern Schülern und rief ihnen zu: „Berg hem“, d.h. verbergt ihn, und von dieser Zeit an soll Nikolaus der Beinamen Berghem gehabt seyn. Weiter weiß man nichts mit Sicherheit aus des Künstlers Lebensgeschichte anzugeben, doch muss er die Zeit unter tüchtigen Studien hingebracht haben. Sein späteres Le- ben war nicht glücklich, denn seine geizige Frau quälte ihn be- ständig, und seine einzige Erholung fand er in der Freundschaft seiner Schüler, mit denen er, wie ein guter Vater mit seinen Söh- nen lebte.

Berghem besass ungemeine Leichtigkeit zu arbeiten, so dass er oft singend die schönsten Werke verfertigte. Seine Färbung hat eine überraschende Kraft, und sein Halbdunkel scheint vom Son- nenlichte gebildet zu seyn. In seinen Landschaften pflegte er oft Gemäuer und mauerähnliche Gebirge anzubringen, die ihm zum Contrapost in den Gemälden dienen mussten. Der Pinselstrich ist bei ihm fett und sehr verständig geläutert.

Er war besonders glücklich in Landschaften mit Thieren und Hirtenstücken. Diese sind mit Geschmack geordnet, und die Fä- nzen mit der diesem Meister eigenen Correctheit gezeichnet. Seine

hier weiden bald an Flüssen, bald gehen sie mit dem Hirten

durch das Wasser. Die Fernen sind duftig und über das Ganze
ist ein warmer Ton verbreitet.

Seine historischen Stücke sind selten. In der Galerie Lichten-
stein zu Wien befindet sich von ihm der Tod der Dido, in der
k. Galerie zu München Laban, der die Arbeiten unter seine Die-
nerschaft vertheilt. In der Düsseldorfer Galerie ist eine schöne Land-
schaft mit den Ruinen eines Amphitheaters und einem Flusse, Des-
camps hält sie irrig für Ruinen des Coliseums, indem Berghem
Italien nie gesehen hat, obgleich man nach der Wahl seiner Ge-
genstände, vorzüglich aber nach seinen Gebirgen und Hügeln, an
einen Aufenthalt in Italien glauben möchte.

Die Gemälde dieses Künstlers werden zu hohen Preisen bezahlt.
In der Gemäldeversteigerung des Lord Gwydir 1829 wurde eine
Landschaft mit der Staffage eines Reiters auf einem Schimmel um
309 Pf. und ein reitender Bauer, der eine Kuh ins Wasser führt
um 230 Pf. verkauft.

In hoher Achtung stehen ebenfalls Berghem’s Zeichnungen, und sie
werden sehr teuer bezahlt. Van Eynden und van der Willigen
vaterländ. Schilderkunst I. 400 sagen, dass man für dieselben öfters
800 Fr. gegeben habe.

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