Benckert, (Benkert), Johann Peter, Bildhauer, geb. zu Neu-
stadt an der Saale 1700, gest. 1760. Sein erster Meister war leider kein großer Künstler, doch brachte ihn sein gutes Naturell auf den rechten Weg, als er nach Eichstädt zu Kaspar Eygen, und endlich nach München kam, und anfing, nach den schönen Werken, die er allenthalben sah, und nach der Natur zu studiren. Später wurde er nach Bamberg gerufen, um für den damaligen Fürst-Bischof viele Arbeiten auszuführen, und nebenbei arbeitete er auch für verschie- dene umliegende Klöster. Endlich ward er nach Potsdam berufen, wo er zunächst unter dem Bildhauer Stahl, indem er auch in Stuc- katur-Arbeit geschickt war, zu Charlottenburg arbeiten musste; hernach aber verschiedenes für den König selbst in Charlottenburg und Potsdam zu verfertigen bekam. Seine Arbeiten gewannen den Beifall des großen Friedrich II. in so hohem Grade, dass er spä- ter von diesem Fürsten bisweilen in seiner Werkstätte besucht wurde.
Nach dem Urtheile M. Oesterreichs (Besch. aller merkwürdigen Sachen in Sans-Souci) ist Benkert ein sehr guter Bildhauer gewe- sen, hat aber alle seine Figuren zu mager und ein wenig zu lang gemacht, was die Italiener schlank nennen. Den Regeln der Proporzioen nach sind sie nicht zu lang; wegen ihrer Magerkeit aber kommen dieselben dem Auge so vor, denn B. hat nach den Regeln des berühmten L. da Vinci u. a. Dürer gearbeitet.
Für sein Vergnügen ätzte er nach J. Callot das Benedicite oder die heil. Familie.
Bamberg besitzt von ihm mehrere Werke: die Kirche der ehemaligen Abtei Michelsberg, oder das jetzige Bürgerspital die zwölf Schuh hohen Holzstatuen St. Heinrichs und Kunegundens und den Choraltar; dann die zwei Engel vor der Kirche in colossaler Grösse, Die vier Statuen K. Heinrichs, Kunegundens, St. Peters und Pauls in der ehemaligen Kollegiatkirche rechnen auch einige dem Bild- hauer Schlott zu. Die neue St. Martinskirche bewahrt die Figuren des heil. Johann von Nep. und Jakob; auch sind die sechs colossalstatuen aus Stein auf der unteren Brücke von seiner Hand, u. a.
Im Schlosse zu Potsdam sind von ihm die vier Caryatiden aus weissem Marmor auf der Marmortreppe. Die zwei Gruppen Apollo und Minerva mit Nymphen,
Mitten auf dem grossen Bassin sieht man Neptun auf seinem Wa-
gen. Dieses Stück von reicher Composition und mit colossalen Fi-
guren ist von Blei und vergoldet. Das Modell war von dem be-
rühmten Bildhauer Nahl und wurde im Grossen durch Benkert und
Giese ausgeführt. Es macht diesen drei Künstlern viel Ehre. Nach-
dem diese Gruppe wegen schlechten Grundes schadhaft geworden war und eingefallen war, stellte Benkert sie wieder her.
Zu Sans-Souci sieht man von Benkert im marmornen Saale Grup-
pen von Genien, welche die Wissenschaften und Künste vorstellen und im Garten beim Eingange vor der grossen Bildergalerie der daselbst befindlichen 18 Statuen aus carrarischem Marmor: a) Ein Jüngling, die Cultur der schönen Künste vorstellend; b) ein mit Lorbeerkrone gekröntes Frauenzimmer, die Natur und Wahrheit der schönen Künste vorstellend; c) ein Greis, die Geometrie darstel- lend, 1759; d) ein Frauenzimmer, die Optik vorstellend, 1750; e) die Geographie, in der Gestalt eines bejahrten Mannes mit Cirkel und Erdkugel dargestellt; f) eine Frauensperson mit Flügeln am Kopfe, welche das Genie vorstellt, und g) die Bildhauerkunst, durch einen Jüngling dargestellt.
Im chinesischen Palais sind von B. die 30 Figuren aus Sand- stein und vergoldet, gemeinschaftlich mit Heinmüller gearbeitet. Mit diesem Künstler und anderen arbeitete er auch an der schönen
Colonnade von Marmor, welche in der Mitte der Frankfurter Allee
1751–62 gebaut und 1797 in den neuen Garten am Schloss
versetzt wurde. Die Verzierungen, Blumen, Festons, Tiere, Gruppen,
deren drei von ihm sind, in Blei und vergoldet, sind von
schöner Zeichnung und voller Richtigkeit und Geschmack.
Vor dem neuen Schlosse sind von seiner Hand die zwei steinerne
und vergoldeten Statuen des Bacchus und Vertumnus. Benckerts Arbeit
ist auch die schöne Grotte mit dem 10 Fuß hohen Neptun in carrarischem Marmor,
dem ersten Bassin und der Hauptallee gegenüber. Krüger hat sie in Kupfer gestochen.
Zwei schöne Copien des Flötenspielers und der Caprotta in Blei befanden sich
noch 1775 bei Benckerts Erben. Jäcks Pantheon (v. Reider).
Daselbst sind noch nähere Angaben und die Quellen verzeichnet.
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