Bellini, Johann, gewöhnlich Giambellini genannt, des vorigen Sohn und Schüler, der größte Künstler in der berühmten Malerfamilie dieses Namens, geb. zu Venedig nach einigen , lebte daselbst noch 1516 in einem Alter von 90 Jahren. Er verdient unter den frühe- ren Malern vor Erscheinung der Hauptstützen der Kunst zuerst genannt zu werden. War er gleich noch nicht fähig, sich zur schönen Natur zu erheben, so sind seine Bildungen doch anmu- thig und wahr. Seine Stellungen sind edel, die Köpfe von hoher
Einfalt, und das Colorit, das zu seiner Zeit vorzügliche Ausbildung
erhielt, von ungemeiner Schönheit, besonders in seinen letzten Ge-
mälden. Auch verdanken wir Bellini die Verbreitung der Ölmalerie,
welchem Vortheil er dem Antonello von Messina abzulau-
schen wusste. Man erzählt, er habe sich in einen venetianischen
Edelmann verkleidet, sich vom Meister Antonello malen lassen,
und ihm hiebei die neuen Kunstgriffe abgelernt, die bis zu dieser
Zeit so geheim gehalten wurden. Der berühmte Albrecht Dürer schätzte
diesen Meister vor allen. Aus seiner Schule gingen die größten
venetianischen Künstler, Titian, Giorgione, Francesco, Sebastian
del Piombo u. a. hervor. *+
Bellini malte besonders liebliche Kinder, meist heilige Familien
mit dem Christkind und Johannes. Seine Bilder beginnen von
und enden 1531. Von seinen ersten, noch in Tempera gemal-
ten, besitzt das Haus Corer, welches in den Zeiten der Königin
von Cypern diesen großen Künstler beschäftigte, mehrere, und
dann andere, immer schönere, darunter einen heil. Franciscus in einem
dichten Gebüsch, welches nach Launi wohl die besten Landschafts-
maler beneiden könnten. Im Jahre 1488, wo er das noch jetzt
in der Sakristei der Conventualen aufbewahrte Bild malte, lobt
Vasari nicht bloss seine gute Behandlung, sondern auch die
schöne Zeichnung. Glücklicher noch behandelte er andere Werke
nach Giorgione’s Mustern. Er dachte sich die Figuren auf eine
neue Art, gab ihnen mehr Rundung, wärmere Tinten, ging natür-
licher von einer zur andern über; die nackten waren gewählter,
die Bekleidung grossartiger, und hätte er eine vollendete Weich-
heit und Zartheit der Umrisse gehabt, die er aber nie erreichte,
so könnte man ihn als vollendetes Muster des neuen Styls auf-
stellen. a
Eines der größten Gemälde dieses Meisters, und eines der vor-
trefflichsten überhaupt, ist in der Akademie zu Venedig. Es stellt
Christus mit den Jüngern zu Emaus vor, gestochen von Zuliani.
Christus ist von unbeschreiblicher Majestät. Es ist nicht der alte
Typus, wie in dem Christuskopf von Hemling, man erkennt sogar
etwas Individuelles, was Bellini in allen seinen Bildern hat,
aber die Gewalt des Lebens und die Würde, die in diesem Kopfe
herrscht, erheben ihn zu einem Ideal. Das ganze Bild ist in Hin-
sicht der Composition, der Physiognomien und Trachten zwar sehr
individuell gehalten, aber das Alles macht die Grossartigkeit des
Styls vergessen. Und wie in der Form, so hat er sich auch in
Farbe und Schattierung hier selbst übertroffen, denn es ist eine Le-
bendigkeit und plastische Rundung in allen Figuren, wie man sie
bei keinem seiner Nachfolger besser und gründlicher findet. (Bois-
serce Kunstblatt 1823 S. 18.) In Venedig finden sich noch andere
Werke von Giovanni Bellini: in der erwähnten Gallerie eine thronende
Maria von 8 Heiligen umgeben, ein treffliches Bild, ehemals in
der Kirche S. Giobbe. In S. Zaccaria ist eines von dem Jahre
1505, zu Murano die schöne Madonna mit dem Doge A. Barberino
und den heil. Marius und Augustin. In Rom in der Aldobrandinischen Villa
befand sich ehemals das berühmte Bacchanal, das Titian vollendete.
Es ist vom Jahre 1514. Durch die Hand des Bildhändlers Camuccini
kam es nach Amerika. Im Vorgrunde sind unter hohen Bäumen die reizendsten
Gestalten versammelt, welche sich der Liebe und des Weins erfreuen.
Durch das Laub des Waldes leuchtet die untergehende Sonne golden herein.
Der Gegensatz des hellen Lichts im Hintergrunde und der Dämmerung,
in welcher die Bacchanten schwelgen, ist vortrefflich in diesem Ge-
mälde. Dieses Hell-Dunkel war für sich licht und klar, schien nur
Bellini, Johann.
schatzig durch die lichtern Sonnenblicke am Horizont und erschien wieder hell gegen den dunklen Wald. Durch so meisterhaft ge- wählte Gegensätze war ein Zauber der Beleuchtung hervorgebracht, der in dieser Hinsicht von keinem Gemälde, selbst der Nacht von Correggio, nicht übertroffen wird. Man glaubt mit Grund, dass Titian die Landschaft zu diesem Bilde malte, da Bellini das Gemälde nicht vollenden konnte. (v. Quandt zum Lanzi II. 33 d. Ausg.) Lanzi erwähnt noch anderer verdienstvoller Bilder: einer Madonna im Dom zu Bergamo, einer Taufe Christi in S. Corena zu Vicenza, eines auf dem Schoße der Jungfrau zwischen zwei Engeln schla- fenden Jesuskindes, das bei den Capuzinern in Venedig und in einem Schrein aufbewahrt wird und wirklich bezaubert. Zu Padua sah Lanzi in der Gallerie S. Giustina eine Madonna vom Jahre 1516.
In der Gallerie Manfrin zu Venedig ist Petrarca’s Bild mit seiner Laura, ein herrliches Gemälde. In der Dresdner Gallerie ist das Gemälde des Heilandes, eine einzeln stehende Figur voll einfacher Ruhe und Größe, das stets zu den köstlichsten dieser Gallerie ge- zählt worden ist, da der Besitz eines ächten Bellini jeder Gallerie zur wahren Ehre gereicht. Dieses Bild befand sich ursprünglich als Altargemälde bei den Augustinern zu St. Stephan in Venedig. Unter diesem Bilde steht der Name: „Joh. Bellinus” gruss ge- schrieben; allein Hirt (Bemerkungen auf einer Reise über Witten- berg etc. 1850) hält doch das Bild für ein Werk des Conegliano. In der Dresdner Gallerie wird dem Bellini eine Verkündigung zu- geschrieben , die jedoch Hirt dem And., Mantegna zueignet, so wie eine Darstellung im Tempel, die bald dem Conegliano, bald dem Bellini, bald dem Marco Basaiti zugeschrieben wird. Es lässt sich für den Namen Bellini nichts anführen, als dass sein berühmter Schüler Titian in der Scuola della Carita eine ähnliche Composition ausführte, wesswegen man dem Meister das kleinere Vorbild zuschrieb.
In der k. Gallerie zu München befindet sich eine Mutter Gottes mit dem Jesuskinde; zur Seite: der heil. Johannes und der heil. Sebastian; in Schleissheim zwei ähnliche Bilder, und in der Her- zoglich-Leuchtenberg’schen Gallerie daselbst die Beschneidung Chri- sti, in lebensgrossen halben Figuren. In der Eremitage zu St. Pe- tersburg ist ein kleines Gemälde in halben Figuren: Maria mit dem Kinde auf dem Tische, zur Seite Johannes und Petrus. Im Jahre 1825 erkaufte der Cav. Arighi um 8000 Rubel ein anderes Bild für die k. russische Gallerie, das jenes weit übertrifft. Es ist ein Kniestück auf Holz, doch jetzt auf Leinwand übertragen: Hinter einem Tische, auf welchem das nackte Christuskind sitzt, stehen in gleichgehaltener Linie fünf Jungfrauen, Maria und ihr zu beiden Seiten je zwei Heilige. Hier ist die zart aufgefasste Le- bendigkeit, das Seelenvolle und Gemütliche, was den einfachen Sinn der alten Künstler unmittelbar ergriff, zu einer himmlischen Reinheit und Frömmigkeit erhoben. Durch Anmut und Lieblichkeit ragt Marin unter den übrigen hervor. Dem Kinde gebricht
es an höherem göttlichem Leben. Das Colorit hat Kraft und Wärme, aber auch Zartheit, und in der Wahl der Farben ist Harmonie.
Auch in verschiedenen andern Gallerien findet sich noch man- ches köstliche Bild von Bellini, besonders heil. Familien und an- dere, welche den gestorbenen Erlöser vorstellen. Eine wunder- schöne heil. Familie, Kniestück in Lebensgröße, kam in die Gal- lerie des Lucian Bonaparte zu Rom. Das Bild ist auf hellem Grunde in heiterem Lichte gemalt. Zur Rechten des Beschauers eine Heilige, liebevoll zum Kinde gewandt, zur Linken Joseph, in der Mitte die Mutter mit dem Kinde, das sich etwas gegen den
kleinen Johannes neiget, ein himmlisch schönes Figürchen, so
schön als kindlich fromm, ganz Natur und Wahrheit, die Ge-
sichtsbildung der Heiligen von der vollendetsten Anmut und Schön-
heit. Die Mutter hat etwas Leidendes, — aber um so tiefer liebevoll
ist ihr Ausdruck. In der k. Gallerie zu Neapel gibt es mehrere Bil-
der von Giovanni, lauter Madonnen, darunter eine, sonst Zingaro
genannt, in seiner grossartigeren Manier und wärmeren Färbung,
Mehrere seiner Werke sieht man auch in der Gallerie zu Mailand
und andere in den Kirchen von Venedig. Lanzi l. c. Fiorillo II
14%. I. 76. und zerstreute Notizen, ;
3811101, Genua, Maler, geb. zu Venedig 1421, gest. 1501. Er lebte
von seinem Bruder getrennt, aber im Herzen innigst verbunden,
liebte und lobte einer den andern, als den Größeren, was in Gio-
vanhi Bescheidenheit, in Gentile Wahrheit war. Dieser war von
Natur beschränkter, aber sein Fleiß, der zuweilen auch nur gnädig
ersetzt, weist ihm eine ehrenvolle Stelle unter seines Gleichen an.
Die Republik brauchte ihn, wie seinen Bruder, beim grossen Rat-
ssaale, und als der Grosssultan Muhamed II selbst um einen vor-
züglichen Bildnismaler ersuchte, sendete sie ihn nach Constanti-
nopel. Als Gentile in dieser Stadt die Enthauptung des Johannes
gemalt hatte, besprach sich der Sultan über die fehlerhafte Dar-
stellung des Halses, und ließ, um den Künstler zu überzeugen,
sogleich einen griechischen Sklaven kommen, den er auf der Stelle
mit seinem Säbel den Kopf abhieb. Bellini widersprach ihm nicht
länger, schlich sich eilends nach dem Hafen und segelte nach Venedig
ab. Ausser seinen Malereien machte er für Mahomet auch eine
grosse Denkmünze mit dem Bildnis des Kaisers und drei Kronen auf der
Rückseite, ein seltenes Werk, wo von Theodor Correr einen Abdruck
besass.
Wiewohl Gentile seinem Bruder nachsteht, und in mehreren
Werken gar zu fest an der alten Härte haftet, hat er doch auch
einige sehr schöne Bilder geliefert, wie die Geschichten des heil.
Kreuzes in S. Giovanni und die Predigt des heil. Marcus an seine
Schule, ein Bild, das neben einem Paris Bordone sich hält, und
jetzt in der Brera zu Mailand sich befindet. Man sieht hier einen
treuen Nachbildner, der Alles, was er unter einer grossen Volks-
menge bemerkt, wiedergibt. Die Zuhörer sind auf venezianer und
türkischer Weise gekleidet, denn der Heilige prediget zu Odessa.
Einige kleine Bilder Gentile’s sind mit so viel Liebe ausgeführt,
dass sein Bruder selbst sich ihrer nicht schämen dürfte. So z. B.
eine Darstellung im Tempel im Palast Barbarigo zu S. Polo, halbe
Figuren; wiederholt im Palast Grimani. Im Museo zu Neapel ist
von Gentile eine Verklärung, im Palast Borghese zu Rom Adam-
und Eva in der einfältigen Art unserer ersten Meister. Sein ei-
gentlich gemaltes Bildnis sah van der Hagen in der Sammlung
des Marchese Berio zu Neapel. Es trägt die Jahrzahl 1488. Lanzi
I. 34. d. Ausg. u. a. Fiorillo II 15, 16.
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