Becerra, Gaspar

Becerra, Gaspar, berühmter Maler, Bildhauer und Architekt , wur- de zu Baeza 1520 geboren, und besuchte Italien frühzeitig, wo er zwar Rafael nur mehr aus seinen Werken kennen lernen konnte, aber mit Michelangelo arbeitete er mehrere Jahre im St. Peter und in der Villa Julius II. Er half dem Vasari in den Sälen der Can- cellaria, und machte sich die Manier des Daniel von Volterra voll-

kommen eigen. Er war ein großer Anatom , und zeichnete die ana- tomischen Figuren für das Werk des Dr. Valverda, welches 1554 zu Rom erschien, und das in Spanien seit dieser Zeit den Malern, Bild- hauern und Chirurgen zum Studium diente. Er machte auch zwei anatomische Statuen, die in Gypsabgüssen alle Professoren besitzen, Becerra verheiratete sich 1556 zu Rom, und kehrte hierauf nach Saragossa zurück. Der König Philipp II. erkannte sein Verdienst und verwendete ihn im Alcazar und im Pardo, erwählte ihn auch zum Hofbildhauer, und ein Jahr darauf zum k. Maler. Becerra malte im Audienzsaale des k. Palastes zu Madrid und in der Gallerie desselben. Mit Bergamasco verzierte er einen Teil des k. Kabinets mit Fresken, welche heitere Gegenstände aus der Mythologie darstellen zwischen vergoldeten Ornamenten. Leider gingen diese Meisterwerke 1735 durch Brand zu Grunde. Im Pardo ist noch seine Medusa und Andromeda und Perseus. Es ist hier zu bewundern, zu welcher Vollkommenheit es Becerra in allen Teilen der Kunst gebracht hatte, und es ist daher ein grosser Schaden für dieselbe, dass der treffliche Meister schon in seinem fünfzigsten Jahre starb.

Unter seinen plastischen Werken ist ein Basrelief in Alabaster zu rühmen, in einer Kapelle in St. Bernhard de la Seu zu Sara- gossa. In seinem Altare der Kathedrale zu Astorga und in jener Klosterkirche der Barfüsser Nonnen zu Madrid, sind Malerei, Bild- und Baukunst vereinigt. In dem Kloster St. Geromino zu Zamora ist eine Statue des Gekreuzigten und ein Skelet im Kloster S. Francisco derselben Stadt. Das berühmteste Werk der Bild- schnitzkunst machte er auf Befehl der Königin Isabel de Valois. Es ist dieses das Bild U. L. F. de la Soledad. Er musste drei Bil- der nach einander schnitzen, weil die ersten beiden der Königin nicht gefielen. Ein Mönch, Antonio de Arcos, hat die Geschichte dieses Bildes geschrieben, die 1640 gedruckt wurde.

Becerra ist als einer der ersten Wiederhersteller des guten Ge- schmackes in Spanien anzusehen. Er machte von allen seinen Werken nach italienischer Weise Cartons, welche die spanischen Maler in der Folge vernachlässigten, was den Verfall der Zeich- nung im nächsten Jahrhunderte mit sich führte. Er übertrifft selbst Berruguete, und diente den grössten spanischen Malern zum Muster. Seine Zeichnungen sind sehr selten und geschätzt. Sie sind in roter oder schwarzer Kreide ausgeführt und mit äusserster Sorg- falt vollendet. Auch seine übrigen Werke sind nicht häufig, und desswegen kostbar. Fiorillo IV. 106. Quilliet u.a.

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