Bathycles, ein berühmter Künstler des Alterthums

Bathycles, ein berühmter Künstler des Alterthums, welcher für das alte dreissig Ellen hohe Standbild des amykläischen Apollo einen colossalen Altar baute, den Pausanias einer ausführlichen Be- schreibung gewürdiget hat. Er wurde von den Bildsäulen der Charitinnen und Heroen gestützt, zur Rechten war Echidna und Typhos, zur Linken Tritonen, und über demselben die Magnesier, welche bei der Arbeit geholfen hatten. Das ganze Werk umgab den Coloss des Gottes, welcher in seiner Mitte aufrecht zwischen dem durchbrochenen Sitze emporragte, und zwar in 240 Feldern,

Bathycles.

auf allen Seiten mit Bildwerk überzogen, das Gegenstände der Götter- und Heldensage darstellte. Den Stoff, aus welchem der Thron bestand, gibt Pausanias nicht an, aber aus eben seinem Schweigen glaubt Thiersch (Epochen etc. S. 178, neue Aufl.), die bei Weihgeschenken gewöhnliche Masse, das Erz zu erkennen. Eine ungewöhnliche, als eine Zusammensetzung aus Gold, Elfenbein u. dgl., mit der ein hölzernes Gerüst hätte können überzogen gewesen sein, würde Pausanias nach der Meinung des bezeichneten Archäologen hier eben so wenig näher zu bezeichnen unterlassen haben, wie bei dem Throne des Zeus zu Olympia. Aus Pausanias ist es auch nicht klar abzunehmen, ob die Männer auf der oberen Leiste des Thrones im Relief, oder darüber in Statuen gearbeitet waren, doch im Relief wären sie bei der großen Höhe, welche das Werk unstreitig hatte, nicht unterscheidbar gewesen, und Thiersch pflichtet desshalb dem Quatremöre bei, dass er sie über dem Throne stehend zeichnen ließ, wie natürlich in einer Reihe und einander an den Händen haltend, weil sie einen Chor bildeten.

H. Megyer (Geschichte der bild. K. bei den Griechen II. 10)

nimmt mit Heyne an, das Ganze habe nicht aus Erz, sondern hauptsächlich aus Steinen bestanden, und die reiche Bilderverzierung vielleicht aus Marmor. Dass Bathycles sein Werk aus Stein verlertigt, scheint ihm aus dem Umstand sich zu ergeben, dass an dem Grabmale des Hyacinthus, welches der Göttersäule zum Füße diente, und eben so reich als der Thron mit Bildern geschmückt war, einer kleinen bronzenen Thüre Erwähnung geschicht, wodurch am Feste des Hyacinth das Todtenopfer dargebracht ward,

Dass Bathycles aus Magnesia am Meander war, hat Heyne (Antiq. Aufs. I. 108) aus der Bildsäule der „Δευρογπιν - Απτως, die er in Amyklia weihte, richtig bestimmt, doch über die Lebenszeit des Künstlers haben sich Zweifel erhoben. Einige glauben, dass der Künstler schon vor Solons Tod verstorben habe. Diese Bestimmung rührt aus einer unverbürgten Sage her, Bathycles habe eine goldene Schale hinterlassen, welche nach seinem letzten Willen einem Weisesten gegeben werden sollte. Diese Schale nun trug ein vertrauter Sklave, welchem die Vollziehung des Testamentes oblag, bei allen den bekannten Weisen Griechenlands herum, indem ihn einer zum andern sandte, mit der Versicherung, derselbe sei weiser, bis endlich die Schale dem Apollo geweiht wurde. Solon war einer dieser sieben Weisen, und starb Ol. 55. 2, also musste sich diese Begebenheit noch früher ereignet, und noch früher Bathycles sein Leben geendet haben. Thiersch glaubt, dass der Künstler Ol. 29 geblüht, und den Thron verfertiget habe, und zwar aus der Beute des zweiten messenischen Krieges; dagegen behauptet Voosius in Epip myth. II. 188, dass er nur zu Crösus Zeiten habe blühen können, und dieser Meinung stimmt auch Quatremere: Jupiter Olympien S. 200, und Welker: Zeitschrift für die Geschichte der alten Kunst I, 2853, bei. Crösus zerstörte Ol. 58. 3 (546 vor Chr.) das Lydische Reich, zu welchem auch Magnesia gehörte, und nun flohen viele Familien theils nach Italien und Gallien, theils auch nach Griechenland. Unter diese Auswanderer kann man auch den Bathycles zählen, der mit mehreren andern magnesischen Künstlern nach Sparta gekommen sein dürfte. Sillig Cat. artificum S. 105 glaubt nun, dass es nicht weit gefehlt sei, wenn man annimmt, dass Bathycles Ol. 60 seine Kunst geübt habe. Die Hauptquelle des Irrthums findet dieser Schriftsteller in der Sage mit der Schale, die hier nicht in Betracht kommen darf.

Bathycles. — Batoni (Battoni), Pompeo Girolamo. 319

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