Bary’s Pinsel blieb in England müssig, besonders seit sein Versuch

Bary’s Pinsel blieb in England müssig, besonders seit sein Versuch, den Tod des Generals Wolf darzustellen, den West bereits mit viel Geschicklichkeit behandelt hatte, verunglückte und selbst die Empfehlung Reynolds konnte nichts fruchten. Uebrigens wies er oft ehrenvolle Aufträge von der Hand, bloß weil sie mit einer Beschränkung in der Grösse der Figuren und im Maasse der Lein- wand bedingt waren, obwohl vielleicht der wahre Grund seiner Weigerung in dem Bewusstsein seiner Unfähigkeit lag, etwas her- vorzubringen, das streng genug Form und Farbe hielt, um in der Nähe besehen werden zu können. Sein Lieblingsmaass war 8 Schuh Höhe und 17 Breite,

Bary war in der Malerei sein eigener Lehrer, und lieferte schon in seinem 10. Jahre ein Gemälde, das den heil. Patricius, den Schutzheiligen und Liebling Irlands, darstellt, wie er den König von Cashell tauft, eine große Composition; mit vielen Zuschauern beiderlei Geschlechts. Man sah das Bild zuerst auf der Ausstellung zu Dublin und zwar mit allgemeinem Beifall; ein verborgener Zauber schien aller Augen darauf zu fesseln. Der junge Kunst- ler war selbst Augenzeuge seines Triumphes, allein man glaubte

Er ging nun nach London und wurde dort mit dem berühm-
ten Eduard Burke bekannt. Diese Bekanntschaft schreiben die
Engländer nicht so sehr seinem Gemälde des heil. Patricius zu, als
vielmehr der Stolz des Künstlers, der lange, bevor er sich eine prak-
tische Gewandtheit in seiner Kunst erworben hatte, es sehr wohl
verstand, über die Sache zu schwatzen. Burke ließ ihn auf eigene
Kosten nach Italien reisen. Im Jahre 1760 langte er in Rom an
mit dem weisen Vorsatze, all seine Zeit und Aufmerksamkeit der
praktischen Ausbildung in der Kunst zu widmen. Nichts weiter
suchend als Ruhm, Nahrung und Bekleidung, fern vom Ver-
langen nach den Leckerbissen oder den Bequemlichkeiten des Le-
bens, stolz auf den Schmutz und die Hungerleiderei eines Cyni-
kers, beschloss er seine Talente zu üben, wenn man ihm nur

Raum gab für seine Leinwand, Farben sie zu überdecken, und
Brot und Wasser, um während der Arbeit nicht zu verhungern.
Von Rom begab er sich nach Bologna, malte dort einen Philoktet
über Lebensgrüsse für das dortige Institut, und kam 1771 nach
England zurück. Als Proben von zierlicher und korrekter Zeich-
nung, von Würde und Anmut des Charakters im grossen Styl,
stellte er zwei Gemälde aus, wovon das eine die Venus, das an-
dere Jupiter und Juno vorstellte, die aber beide missfielen, da die
Kenner überall beinahe eben so fehler- und mangelhafte Zeich-
nung erblickten, als die Farbe roh und matt war, so dass die Zei-
tungen nur die Originalität und die Erhabenheit des poetischen
Gedankens u. s. w. zu rühmen hatten. Man erstaunte, dass ein
kunstverwandter Studierender, von gutem Geschmacke, scharfsinni-
gem Bemerkungsgeiste und Feuereiler fünf Jahre lang die Denk-
male der Kunst in Italien, mit angeblich unermüdetem Fleisse, be-
fragte, und doch so wenig eigentliche Kunst und praktische Ge-
wandtheit damit erbeuten konnte.

Bald nach seiner Zurückkunft von Rom wurde Bary zum Mit-
glied der Akademie ernannt, und gleichzeitig auch ein Lehrstuhl an-
vertraut. Seine Bestellungen waren nicht zahlreich, und daher er-
gab er die Feder, was auch seinem Genius mehr angemessen war.
Im Jahre 1775 erschien seine Untersuchung über die wirklichen
und eingebildeten Hindernisse des Fortschreitens der Künste in
England. In diesem Werke widerlegte er mit Geschicklichkeit und
Erfolg die Lehrsätze des du Bos, Montesquieu und Winckelmann
über den Einfluss des Klimas, und trat auf die Seite des Ueberge-
wichtes der moralischen Ursachen.

Im Jahre 1777 fand er endlich wieder Gelegenheit, seine Kunst
als Maler zu zeigen, indem ihm die Gesellschaft zur Aufmunterung
der Künste, der Manufakturen und der Handlung auftrug, für ih-
ren Versammlungssaal ein grosses Werk zu malen. Es besteht in
6 Gemälden, welche die Civilisation und die Fortschritte der bür-
gerlichen Gesellschaft zum Gegenstande haben, und wovon jedes
der zwei größten 42 Fuss lang ist. Bary arbeitete an diesem sei-
nem besten Werke, woran wieder Zeichnung, Ausdruck und
Behandlung fehlerhaft seyn soll, sieben Jahre angestrengt, während

Bary, James. —

Er war nur mit 16 Schillingen im Vermögen, hatte keinen Erwerb, als die Verfertigung unbedeutender Zeichnungen oder Aetzstiche für die Journale, und keine andere Hoffnung auf Belohnung hatte, als die in seinem Lungwissen Erträge einer Exhibition nach vollbrachter Arbeit lag.

Nach dieser Zeit blieb Bary wieder ohne Arbeit und ohne irgendeine weitere Erwerbsquelle, als zwei Gemälde nach Shakespeare für Boydell, seine Professors-Besoldung war 30 Pf. des Jahres, und der Ertrag seiner Exhibition, Kupferstiche u. s. w., wovon ihm noch ein Theil gestohlen wurde. Dabei träumte er stets von Cabalen und Verschwörungen, um ihn zu demüthigen und zu unterdrücken, und man hörte ihn oft sagen, es sei eine unbezweifelte Thatsache, dass die grossen Musiken in der Westmünster-Abtey, welche gerade in den Zeitpunkt seiner Exhibition fielen, nichts anderes wären, als eine Erfindung des Neides, um die öffentliche Aufmerksamkeit von seinen Werken abzulenken. Bary’s Unglück erreichte jedoch erst 1703 den höchsten Grad. Er machte sich durch seine Schriften, und die darin enthaltenen Vorschläge,

Feinde, und so wurde, da er auch die Erhaltung des katholischen Ritus für das Beste der Künste schätzte, der arme Künstler als ein zänkischer Aufwiegler und als Jakobiner beim Könige angeschmärt, Er wurde demnach den 15. April des bezeichneten Jahres seiner Stelle als Mitglied der Akademie verlustig erklärt, und den Tag darauf strich ihn der König eigenhändig aus der Liste der Akademiker aus und entsetzte ihn zugleich der Stelle eines Professors,

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