Bartoli verwaltete bei dem Papste und der Königin Christina von Schweden die Stelle eines Antiquarius. Er hinterließ neben einer Sammlung geistreicher, obgleich manierierter Zeichnungen

Bartoli verwaltete bei dem Papste und der Königin Christina von Schweden die Stelle eines Antiquarius. Er hinterließ neben einer Sammlung geistreicher, obgleich manierierter Zeichnungen, auch eine Masse von Thatsachen, die um so schätzbarer sind, als damals niemand daran dachte, sie aufzubewahren. Sie sind zerstreut abgedruckt nach der Handschrift in der namenlosen Roma antica, die in 8. erschien, und geordnet nach den Localitäten, stehen sie in Fea’s Miscellaneen I. 222 — 73.

In der k. Bibliothek zu Paris verwahrt man einige von diesem Künstler in Wasserfarben ausgeführte Zeichnungen nach antiken Gemälden, welche in Kupfer gestochen und sehr sauber illuminirt wurden. Bartoli erreichte seinen größten Ruhm als Zeichner und Kupferstecher , und unter letzteren nimmt er eine vorzügliche Stelle ein. In seinen Werken scheint wenig Fleiß zu sein; aber dennoch sieht man, dass sie mit mehr Sorgfalt schwerlich besser gemacht werden könnten. Seine Schraffierungen sind sinnreich und mit Geschmack gewählt, und das Ganze effektvoll nicht durch

Bartoli, Pietro Santi.

Striche ohne Ordnung. In dieser Weise vervielfältigte er die besten Basreliefs und die großartigsten Bauten des alten Roms, und viele andere Denkmäler der alten Kunst, die aus der Erde gegraben oder in unterirdischen Gemächern gefunden, in Privatsammlungen gekommen sind.

Die Anzahl der Blätter , die er gestochen hat, ist sehr beträchtlich. Sie sind in ganzen Folgen vereinigt, oder auch einzeln nach verschiedenen Meistern gestochen oder von des Künstlers eigener Erfindung. Der größere Teil ist nach den plastischen Werken der Vorzeit gefertigt, denn die Malereien seines Zeitalters boten keine Aufschlüsse für den Kupferstecher dar. Er zeichnete daher mit Fleiß und Geist die trefflichsten alten Basreliefs Roms, Werke, welche den Übergang der Plastik zur Malerei machen, und die analogste Aufgabe für den Kupferstecher sind. Auch Rafaels Werke, besonders solche, welche in Basreliefstil gedacht waren, wurden von ihm gestochen. Durch diese Unternehmungen hat Santi Bartoli auf die Maler der neuern Zeit einen wichtigeren Einfluss gehabt, als man glaubt, ja er ist als ein Vorgänger und Zeichen der Zeit, in welcher der gesunkene Kunstsinn wieder zu erwachen strebte, zu betrachten. Es war ein solches Missverstehen der Natur eingetreten, dass ihre Schönheit von den Künstlern unerkannt blieb, und Manier hatte die meisten so völlig verblendet, ihren Sinn so ausarten lassen, dass ein Zurückkehren zu dem reinen Naturquell unmittelbar unmöglich war. Die Antike ist die Vermittlerin zwischen dem verirrten Kunstsinn und der Natur; denn die wahre Antike ist ja nur Naturanschauung, welche bei ihrer Bildwerdung durch den Menschengeist hindurchgegangen und von allem Zufälligen auf diesem Wege gereinigt ist. Obwohl nun in Santi Bartoli’s Werken die Auffassung der Antike sich nicht in ihrer ganzen Tiefe und Reinheit zeigt, so sind sie doch immer Hinweisung auf den Geist der Antike, und boten der Kunst einen festen Anfangspunkt in ihrem eigenen Bereiche dar, von wo aus sie sich wieder emporarbeiten konnte, was auch, obgleich erst nach einem vollen Jahrhunderte, nach wiederholten, vielseitigen Zurechtweisungen geschah. Es ist nicht zu läugnen, dass die Kunst jetzt auf einem Wege des Bessern wandelt; denn wir finden bei Italienern und einzelnen Franzosen, und namentlich bei den Deutschen ein edleres Streben. Wenn wir nun den Zusammenhang aller einzelnen fortschreitenden Erscheinungen in der Kunstgeschichte rückwärts verfolgen, so begegnen wir Bartoli als dem ersten, welcher wieder nach einem edleren Ziele hinstrebte und unter seinen Zeitgenossen die Antike am reinsten auffasste.

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