Barozzi, Giacomo

Barozzi, Giacomo, genannt Vignola, berühmter Architekt , den man den Gesetzgeber der neueren Architektur nannte, wurde zu Vignola im Modenesischen geboren. Sein Vater, ein mailändischer Edelmann, besass Vermögen; allein die Unruhen des Krieges beraubten ihn desselben, und daher zog er sich mit seiner Gemahlin, der Tochter eines deutschen Offiziers, nach Vignola zurück, einem Orte, das unserm Künstler den Beinamen gab. Sein Vater starb früh und die Mutter brachte daher den Sohn, weil sich seine Anlagen zur Kunst schon in jungen Jahren zeigten, nach Bologna , damit er der Zeichenkunst und Malerei sich widme. In der letzteren, worin ihn Passerotti unterrichtete, machte er langsame Fortschritte, desto grössere aber im Studium der Baukunst und Perspektive . Er begab sich nach Rom, um die klassischen Monumente des Alterthums zu studiren, allein er musste hier, um sich und seine Familie zu ernähren, wieder den Pinsel erneuern. Ein Umstand, der ihn seinem Lieblingsstudium wieder zurückgab, dass er übrigens nie ganz ausser Acht liess, war die Gründung einer Akademie der Baukunst, die damals unter dem Schutze mehrerer angesehener Personen stand. Vignola wurde beauftragt, für diese Akademie Zeichnungen nach antiken Gebäuden der Stadt Rom zu machen, und dieses gab seinem Geschmacke die entscheidende Richtung.

Um das Jahr verliess er Rom und ging mit Primaticcio nach Frankreich. Mehrere Zeichnungen, welche er Frankreich überreichte, machten ihn bekannt, und gewannen das Zutrauen des Monarchen. Dieser verwendete ihn, während seines zweijährigen Aufenthaltes in Paris, zur Anfertigung von Modellen und Planen, deren Ausführung jedoch der Krieg vereitelte.

Nach seiner Rückkehr entwarf er zu Bologna den Plan für das Frontispice der großen Kirche des heil. Petronius, der, obgleich er unter allen übrigen den Vorzug erhielt, ebenfalls unausgeführt blieb.

Um diese Zeit erbaute er auch den prächtigen Palast des Grafen Isolani zu Minerbi bei Bologna, und in der Stadt selbst gab er Proben seines Talentes. Wann er die Kirchen von Massano, St. Oreste, N. D. degli angeli zu Assisi, die schöne Capelle des heil. Franz zu Perugia und viele andere Gebäude in verschiedenen Teilen Italiens errichtet hat, ist nicht genau zu bestimmen.

Endlich kehrte er nach Rom zurück, und wurde von Vasari dem Papste Julius II. vorgestellt, der als Legat den Künstler schon in Bologna kennen gelernt hatte. Er ernannte ihn zu seinem Archi- tekten, und übertrug ihm die Leitung des Baues der Wasserleitung von Trevi. Bedeutende Arbeiten reichfertigten bald das Zutrauen des Papstes. Er trug ihm auf, ein Landhaus vor der Porta popolo zu erbauen, die sogenannte Villa des Papstes Julius, die mit der Kirche von St. Andrea, einem kleinen circulären Tempel, zu den bessern Werken der neueren Baukunst in Rom gehören. Letz- tere ist als ein klassisches Muster der Architektur betrachtet wor- den, aber dadurch, nach der Ansicht der gelehrten Herausgeber der neuesten Beschreibung Roms I. 60383, unstreitig überschätzt wor- den. Diese beiden Werke befinden sich gegenwärtig in einem verwahrlosten Zustande.

Unter den Werken von geringerer Bedeutung, denen aber der Ruf Vignola’s eine solche verschafft hat, sind einige Teile des Palastes Farnese, und darunter derjenige, in welchem H. Carracci die berühmte Gallerie gemalt hat, zu erwähnen; ferner das schöne Portal der Cancellaria, jenes der Kirche St. Lorenz, und endlich die Frontons an den Farnesischen Gärten am Campo Vaccino, welche er auf Befehl des Cardinals Alexander Farnese ausführte, jenes großen Beschützers der Kunst. Für eben denselben begann er auch (1568) den Bau der Jesuiten-Kirche, die mit grosser Pracht ausgeführt werden sollte; allein der Tod hinderte den Künstler an der Vollendung, und sein Schüler Jakob della Porta folgte bei der Fortsetzung des Baues nicht zu gewissenhaft dem Plane Vignola’s.

Das größte Werk dieses Künstlers, welches er ganz zu Ende führte, ist das berühmte Schloss von Caprarola, ein Denkmal des Cardinals Farnese, das er 8 bis 10 Meilen von Rom in einer malerischen Gegend errichten liess. Die Form des Baues ist ein Pen- tagon, und die Bastionen geben dem Ganzen den Eindruck von Kraft und Grösse. Der Porticus zeigt drei Arkaden mit Säulen von dorischer Ordnung. Die ausführlichere Beschreibung dieses Baues S. Quatremere de Quincy dictionnaire historique d’architec- ture I. 160.

Dieses Schloss erlangt grossen Ruf, und es fehlt auch jetzt, obgleich es unbewohnt ist, noch nicht an Neugierigen, die es be- suchen,

Die letzte Zeit seines Lebens bekleidete Barozzi die Stelle eines Baumeisters des St. Petersdomes; denn Michel Angelo segnete das Zeitliche, ohne sein Werk vollendet zu haben. Vignola erbaute die zwei kleinen Dome, die sich jetzt auf der hinteren Seite der Kirche wie Satelliten der großen Kuppel zeigen. Er rechtfertigte überhaupt das Vertrauen des Papstes und Roms, das er als seine zweite Vaterstadt erklärte, und zu dessen Dienste er lebte, bis ihn 1573 der Tod überraschte.

Nicht geringeren Ruf, als durch seine Gebäude, erwarb sich Vignola auch durch sein Werk über die fünf Säulenordnungen.

Er bestimmte die Form und die Verhältnisse derselben nach den besten Werken der Architektur des alten Roms, und diese Bestim- mung erhielt ein so klassisches Ansehen, dass lange Zeit den Vi- gnola und die Alten zu befolgen, fast für gleichbedeutend genom- men wurde. Aber er unterwarf in sofern die römische Baukunst einer willkürlichen Beschränkung, indem er nur eine Form der Capitäle für jede Ordnung festsetzte, da doch die zahlreichen in Rom vorhandenen antiken Säulenknäufe eine ungemeine Mannigfal- tigkeit in ihren Gestalten bemerken lassen. Neueste Beschreibung Roms von Bunsen, etc. l. c. Ein Raisonnement über den Wert des Künstlers, und über das Wesen der Architektur, welches in seinem Werke herrscht, gibt auch Quantremere in dem bezeichne- ten Dictionnaire. Vignola hatte einen Sohn, Namens Hyazynth, welcher sich ebenfalls der Architektur widmete, aber den Ruf sei- nes Vaters nicht erreichte.

Barra. S. Bara.

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