Baroccio (Barozzi oder Fiori Federico), Friedrich, Historien- maler und Kupferstecher , geb. zu Urbino 1528, gest. 1612. Er lernte bei B. Franco zu Venedig , vervollkommnete sich nach Tizian und ging in seinem zwanzigsten Jahre nach Rom , wo er mit Schülern Raphaels arbeitete und den Ruhm der römischen Schule unterstützte, den die Zucchero’s in etwas verdunkelt hatten, in- dem sie die rohen Stellungen ihrer Figuren den edleren des Raphaels vorzogen. Er verfertigte viele Bildnisse und historische Gemälde, und liebte vorzüglich geistliche Gegenstände. Man schätzt beson- ders seine Marien, die er nach seiner Schwester, so wie das Kind Jesu nach seinem Enkel malte. Er hatte eine richtige Zeichnung, war vollkommen in der Kunst des Colorits, sinnreich und anmuthig in seinen Compositionen, oft unübertreffbar in den Gedanken. Seine Färbung ist lieblich, aber nicht ganz wahr, dagegen weiß er doch durch die optische Täuschung von Licht und Schatten viel Wirkung zu verbreiten. Rafael und Correggio waren seine Muster, er strebte sie zu erreichen, steht aber hinter beiden zurück. Seine Manier, sagt Lanzi, nahm er nicht von Correggio, sondern es ist dies eine freiere Nachahmung dieses großen Meisters. In den Kinder- und Frauenköpfen kommt er ihm ziemlich nahe, so auch in den leichten Falten, den reinen Umrissen, der Verkürzung der Figuren; im Ganzen genommen aber ist seine Zeichnung nicht so breit und frei, sein Helldunkel minder ideal, die Tinten, wenn sie auch leuchten, und an Correggio’s Iris-Farben erinnern, sind doch nicht so kräftig und wahr. Wunderbar jedoch ist, dass seine Farben, wie widersprechend sie untereinander sind, unter seinem Pinsel so verschmelzen, dass, wie Lauz sich ausdrückt, keine Musik dem Ohre so wohl thut, als ein Bild von ihm dem Auge. Dieses liegt, nach unserem Schriftsteller, grossentheils im Helldunkel, worauf sich Baroccio besonders legte, und zuerst in Unteritalien die Künstler wieder hinlenkte. Behufs dieses Helldunkels machte er sich kleine Standbilder aus Kreide oder Wachs, wie der geschickteste Bildhauer. In der Composition und beim Ausdruck jeder Figur berieth er sich immer mit der Wahrheit. Er versuchte die Modelle auf mehrere Arten, und zu, ob sie in dieser oder jener Geberdung irgend etwas Gemälde litten, bis er die natürlichste herausfand, und so that er jedem Kleide, jeder Falte keinen Strich, den er nicht auch am Modell sah. Hatte er nun die Zeichnung gemacht, so bereitete er eine Carton, so groß, als das Werk, und riss auf dem Grunde der Leinwand die Umrisse ab; auf einem andern kleineren versuchte er die Farbenvertheilung; dann führte er es erst im Grossen aus. Ehe er jedoch die Farben auftrug, machte er sich erst sein Helldunkel ganz genau, wie noch wenige unvollendete Bilder zeigen. Neuere Kritiker wollen dem Baroccio fast kein Verdienst zu-
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räumen, und tadeln bald die gezwungene Manier, bald eine ge- wisse gezierte Übertreibung und achten sein Colorit für verfehlt. Dennoch finden Kenner in diesem Künstler viele und höchst acht- bare Tugenden. Mengs bemerkt, dass er seine Gegenstände be- ständig so vorgestellt habe, als ob sie in der Luft zwischen durch- sichtigen Wolken erblickt würden, wo die Lichter und Reflexe nicht ihre gehörige Wirkung thun liessen, und dass er die streitendsten Farben blos durch die Helle mit einander in Harmonie zu bringen suchte. Ramdohr führt in seinem Werke über Malerei und Bild- hauerei in Rom (I. 298) eine zu strenge Critik über diesen Künst- ler, indem er sagt: „Baroccio führte einen ihm eigenen Geschmack ein, aber es war der falscheste, der sich denken lässt. Es ist nichts Wahres darin, weder in Ansehung des Ausdrucks, noch der Zeichnung und des Colorits. Seine Grazie ist Affectation, das Fließende seiner Umrisse wird zur Unbestimmtheit und der bunte Glanz seiner gelben Lichter und blauen Schatten gibt seinem Co- lorite das völlige Ansehen der modernen Französischen Fechtmal- erei.” Billiger urtheilt Fiorillo I. 145. Nach diesem Schrift- steller fühlte sich Baroccio nicht stark genug, dem zügellosen Ge- schmacke seines Zeitalters zu widerstreben, was selbst zum Theil von seiner schwächlichen Gesundheit und der dadurch erzeugten Biegsamkeit seines sanften Charakters herrühren mochte. Ueber einen Fehler, der auch in Ramdohr’s Critik fällt, drückt er sich so aus: „Er hatte einen zu feuchten Pinsel und der allzureichliche Gebrauch dieser Feuchtigkeit in Zubereitung der Farben ist Schuld daran, dass alle seine Bilder ins Grüne fallen, als ob sie mit ei- nem grünen Glase bedeckt wären. Göthe rühmt in seinem Werke: Winkelmann und sein Jahrhundert S. 165, dass Baroccio bei allem dem, was Manier heisst, mit einem eigenthümlichen Talente, geist- reich, lieblich, ja manchmal unübertroffen zart gedacht habe, — Bellori hat das Leben dieses Künstlers beschrieben, und auch ein Verzeichniss seiner Gemälde geliefert. Man findet wenige, die nicht heilige Gegenstände darstellen, einige Bildnisse und der Brand von Troja in 2 Blättern auf Leinwand, wovon eines die Borghesische Gallerie besitzt. Ausserdem diente sein Pinsel der Religion. In Rom in der Minerva ist die Einsetzung des Sacra- ments, das ihm Clemens X. auftrug. Die Vallicella hat zwei Bil- der von ihm: die Heimsuchung und die Vorstellung im Tempel. Im Dome zu Genua ist eine Kreuzigung mit Maria und dem heil. Johannes und Sebastian, in dem zu Perugia die Abnahme vom Kreuze, ein Bild, in welchem der lebendige Geist des Künstlers und die sprechende Charakteristik zu verehren ist. Ergreifend ist das Bild der in Ohnmacht sinkenden Maria, ihr herzzerreißender Schmerz: stimmt zum Mitgefühl. Der Knecht, welcher Christi Leib umfasst, der sinkende Christus selbst, bleiben gediegene vortreff- liche Erfindungen. Dieses Bild entging selbst den französischen Kunstbeutern nicht. Im Dome zu Fermo ist der Evangelist Johan- nes und in dem zu Urbino das Abendmal. In Sinigaglia ist eine Grablegung, in Pesaro die Berufung des heil. Andreas und die Be- schneidung; aber die heil. entzückte Michelina auf der Schädel- stätte, die von Cantarini als das Meisterstück Baroccio’s erklärt wird, ist jetzt im Vatikan. Urbino hat nach dem betenden heil. Franziscus bei den Kapuzinern und bei den Conventualen das rosse Bild: die Verzeihung, woran er sieben Jahre arbeitete. Er ätzte es selbst in Kupfer. Schön ist seine Verkündigung zu Lo- retto und eine andere unvollendete zu Gubbio, nicht minder die Martyriermung des heil. Vitalis in dessen Kirche zu Ravenna und die für den Dom zu Arezzo gemalte, nachher in die Florentinische
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