Baldung, Haus

Baldung, Haus, genannt Grün (Grien, Gruen). 237*

Kreuzigung mit der Aufschrift: Johann Baldung, co% Grien, Ga- mundianus, Deo et virtute auspicibus faciēbat 1510. Er lebte auch längere Zeit in der Abtei Lichtenthal in Baden, namentlich um 1510. Von ihm rühren die Bilder der Nebenaltäre in der Todten- kapelle her, so wie einige auf dem Chor stehende Gemälde. Seine Schwester und Tochter nahmen in Lichtenthal den Schleier und seine Frau starb hier als Wittwe;

Baldung Grün malte geistliche und weltliche Historien, und auch Bildnisse, lauter Werke, die denen seines Freundes Dürer, von dem er lange eine Haarlocke bewahrte, die später in Hüsgens Ca- binet kam, wenig nachgeben. Seine Köpfe haben Ausdruck, sind gleichmäßig ausgearbeitet, und vielleicht vor allen seinen Arbeiten zu schätzen. Er folgte übrigens noch dem gotischen Geschmacke, hatte aber eine Färbung, die noch jetzt in schöner Frische blüht. In seinen spätern Werken bemerkt man bedeutende Fortschritte; in diesen verschwinden seine schlechten Schraffierungen ziemlich.

Die k. b. Sammlung bewahrt von der Hand dieses Künstlers eine nackte Frau, welche ihren Fuß auf eine Schlange setzt und in der Hand einen Spiegel hält; ferner die Porträts des Pfalzgrafen Phi- lipp und des Markgrafen Christoph von Baden. In der großerzogli- chen Galerie zu Karlsruhe ist sein Zeichenbuch, worin verschiedene Studien von Pferden, das Bildnis Maximilians I. (1501), Karl’s V. (1536), Caspar Hedions (1543), etc. zu finden sind. Auf dem letzten Blatte ist das Motto des Künstlers: Hodie aliquid cras nihil. Den Kaiser Maximilian hat er auch im Öl gemalt, ein treffliches Bild, das sich im k. Museum zu Neapel befindet.

Hans Baldung Grün bezeichnete einige seiner Blätter mit dem abgekürzten Namen, andere aber nur, und zwar den größten Teil, mit dem Monogramm, welches aus den Buchstaben HBG besteht, und früher irrig Hans Bresang oder Hans Grünewald gedeutet wurde.

Bei dem Sichten der verworrenen Nachrichten über die Meister, denen man das bezeichnete Monogramm beimess, hat Bartsch, indem er auf der einen Seite dem H. B. Grün zu seinem rechten Eigenthum verhalf, andern Orts drei Holzschnitte dem Hans Brosamer zugeschrie- ben, denen Brulliot unter seinen verdienstvollen Ergänzungen zum Bartsch, einen vierten, bishin völlig unbekannten beigesellt hat. Diese vier Holzschnitte tragen das Monogramm HB, dessen sich H. Bresang und einige andere gleichzeitige Künstler bedienten, und nicht das oben bemerkte, das aus einem G in Mitte des H, an welches ein B gehängt ist, besteht. Diese Blätter, welche unten aufgezählt werden, und früher als Werke Bresangs galten, gehören der Com- position und der Zeichnung nach dem H. B. Grün an, und die Abweichung des Monogramms dürfte hier von keinem Belange seyn; denn Baldung hatte keine ausschliesslich gleichmässige Bezeich- nungsweise seiner Werke angenommen. So bediente er sich auch

der alleinigen Buchstaben HG, welche auf einem Kupferstiche in

kl. 4., vorstellend einen verliebten Alten, welcher ein junges Mäd- chen lüstern umfasst, vorkommen.

Dieses Blatt stimmt ganz mit dem von H. B. Grün gestochenen Palefrenier überein, besonders in technischer Beziehung und in Rücksicht auf Zeichnung, Charakter der Köpfe und Gewandung, und somit dürfte kein anderer der Verfertiger seyn, als unser Künst- ler. Dass er auch kurz Hans Grün genannt wurde, beweiset eine Stelle in Dürers Tagebuch der Reise nach den Niederlanden, wo dieser bei Erwähnung der Arbeiten Grün’s, mit welchen er zu Ant- werpen dem Landschaftsmaler Joachim Patenier ein Geschenk ge- macht hat, sagt:

‚allerdings auch das D‘Iunogramm HG angewendet‘ haben. Vergl.

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