Baldung, Hans, genannt Grün (Grien, Gruen)
„Ich habe Meister Juachim des Grün Hansen Ding geschenkt.“ Hans Grün kann daher zur Bezeichnung seiner früheren Werke
Kunstblatt 1834 N. 88 die Notiz über die Monogramme des Hans Baldung Grün, von W. Schorn, Der Verfasser glaubt, dass diese Darstellung des lüsternen Alten in nächster Beziehung zu einer von Sandrart (1l. 3. S. 220) über die ältesten deutschen Kupferstiche gegebenen Nachricht stehe, nach welcher ein gestochenes Blatt von gleicher Vorstellung, jedoch mit dem Monogramm HS und mit der Jahrzahl 1455 existiren soll. Heinecke und Murr halten oben be- zeichnetes Blatt für eine Copie nach dem von Sandrart erwähnten, aber niemand hat einen ABdruck von letzterem noch gesehen. Bartsch spricht seinen Zweifel an der Existenz dieses Blattes mit dem Bemerken aus, dass wenn irgend wo dasselbe vorkomme, es die Jahrzahl 1488 tragen müsse, die Sandrart irrig 1455 gelesen. Eine ähnliche Bemerkung machte schon Strutt, der indess die Jahr- zahl 1477, so wie Ottley die Jahrzahl 1400, als die auf dem San- drart’schen Blatte sich wahrscheinlich befindende annimmt; Con- jekturen, die von andern Schriftstellern wiederholt wurden. Nur Bruhli bezweifelte die Existenz des sogenannten ältesten deutschen Kupferstichs ohne Bedingung, und wo?lm nicht Recht.
Das von Sandrart angetührte Blatt kam bis auf den heutigen Tag weder mit der Jahrzahl 1455, noch mit irgend einer andern vor; allein es befindet sich in der k. Kupferstichsammlung zu Dresden ein Exemplar des oben bezeichneten Grün’schen Stiches, welches mit der von alter Hand aufgeschriebenen Jahrzahl 1455 bezeichnet seyn soll. Die Sandrart’sche Notiz scheint also flüchtig oder nicht auf des Autors eigener Anschauung zu beruhen. War das G. im
Monogramm nicht ganz rein ausgedrückt, so mochte es leicht in
den Augen des oberflächlichen Beschauers die Gestalt eines S an- nehmen, da der Querbalken des H das G. horizontal in der Mitte durchschneidet. ;
Zu Baldung’s vorzüglichsten und seltensten Werken gehören:
Der Heiland an eine Säule gebunden wird von Schwäche über- wältiget. Rund. Durchmesser 1 Z. 10 L. Kupferstich.
Der Stallknecht (palefrenier) H. 12 Z. 4 L., Br. 8 Z. Ein sel- tener Kupferstich, neben dem obigen der einzige, den Bartsch kennt. Letzter sah auch nur ein beschnittenes Exemplar, weshalb die von ihm gegebenen Maasse als ungewiss bezeichnet sind, ’
Joubert erwähnt noch zweier Landschaften, sehr seltene Eisen- stiche. ;
Holzschnitte :
Der Fall Adams. Auf einer Tafel liest man die Worte: ‚Lapsus humani generis‘ und auf einer andern ist das Monogramm des Künstlers mit der Jahrzahl 1511. Sehr schönes Helldunkel von zwei Platten. H. 13 Z. 10 L.; Br. 9 Z. 4 L. Selten. _ Baldung verfertigte noch zwei andere Vorstellungen von Adam und Eva im Paradiese, wie sie im Begriffe sind, von der Frucht des Baumes der Erkenntniss zu essen. Die eine ist 5 Z. 8 L. hoch und 8 Z. 2 L. breit; die andere trägt die Jahrzahl 1510, und hat 5 Z. 3 L. in der Höhe und 3 Z. 6 L. in der Breite, Die Vertreibung aus dem Paradiese. H. 8 Z. 2 L., Br. 5 Z. 9 L. Die Kreuzabnahme. H. 8 Z., Br. 5 Z. 8 L. Jesus Christus und die zwölf Apostel; 153 B. H. 7 Z. 9 — 10 L., Br. 4 Z. 8 L. Man hat von Baldung noch eine andere Folge der zwölf Apostel, stehend. H. 2 Z. 3 L., Br. 1 Z. 7 L.
Johann der Täufer in ältern Jahren, sitzend, mit einem Buch in der Linken und dem Lamme auf den Knien., H.7Z2.,3L,. Br. 5 Z. 53 L. Selten. ‚
St. Hieronymus in der Wüste, 1511. H.4 Z. 8 L., Br. 3 Z. 8 L. Selten. ‚
Eine andere Darstellung dieses Heiligen ist 8 Z. 1 L. hoch und 5 Z. 8 L. breit. ‚
St. Sebästian an einem Baume, wie ihm Engel die Pfeile aus dem Leibe ziehen, 1512. H.4 Z. 8 L., Br. 3 Z. 2 L. Selten. Auf einem anderen Blatte, H. 11 Z. 7 L., Br. 8 Z. 8 L., bewei- nen Engel den toten Heiligen, 1514.
Ecce homo, 1511. H.4 Z. 7 L., Br. 3 Z. 14 L. Selten.
Der Heiland von einem Engel unterstützt, neben einer Säule in Mitte des Blattes, 1517. H. 8 Z. 1 L., Br. 5 Z. 6 L. Selten.
Die Kreuzigung. St. Johann hält die heilige Jungfrau in den Armen, und Adelheid ist in Thränen aufgelöst. Ein meister- haftes Blatt in Helldunkel,
Die Parzen. H. 8 Z., Br. 5 Z. 8 L.
Der betrunkene Bacchus (nach Joubert Sokrates) liegt neben ei- nem Weinfass, von mehreren Kindern umgeben, Eines steht oben auf dem Fasse und pisst dem Betrunkenen auf den Kopf. H. 8 Z. 1 L., Br. 5 Z. 7 L. ‚
Die heil. Jungfrau von Engeln getragen. Dieses Blatt fehlt bei Bartsch. Es ist selten. ‚
Der ewige Vater, mit der Weltkugel, von Engeln umgeben, 1510. H. 4 Z. 7 L., Br. 3 Z. 1 L. Selten.
Die heil. Familie. H. 14 Z. 3 L., Br. 9 Z. 9 L. Dieses Blatt eignet Bartsch peint. gr. VIII. S. 467 dem Hans Brosamer zu, wie folgende zwei: _
St. Hieronymus in der Wüste als Büsser. Er liegt auf den Knien vor einem Crucifixe. H. 7 Z., Br. 5 Z.
Der Palefrenier im Stalle schlafend auf dem Boden. H. 12 Z.
Xantippe reitet auf Sokrates, 1515. H.12 Z. 4 L., Br. 8 Z. 10 L. Dieses Blatt wird auch Aristoteles und Phryne genannt. Selten. ‚
Hexen, welche sich anschicken den Sabbat zu halten. (Le Sab- bat). Ein schönes Helldunkel in drei Farben. H. 13 Z. 9 L., Br. 9 Z. 6 L. Man hat von diesem Blatte zwei Copien, von denen die eine Dürers Zeichen trägt, mit dem Jahr 1510. Die Zeichnung gehört sicher unserm Künstler an. Das Blatt ist 13 Z. 9 L. hoch, 9 Z. 6 L. breit. ‚
Eine Gruppe von fünf Pferden, unter denen eines Urin lässt. Bezeichnet: Baldung fecit 1534. H.8 Z. 4 L., Br. 12 Z.3L. Eine Gruppe von sieben Pferden am Eingange eines Waldes. Be- zeichnet: Jo. Baldung fecit 1534. H. 12 Z. 3 L., Br. 8 Z. 4 L. Das Portrait des Markgrafen von Baden; halbe Figur., H. 6 Z. 7 L., Br. 3 Z. ‚
Von Baldung sind auch fünf Blätter in einem Buche, betitelt: „Das Buch der Sünden des Mundes von Geiler. Strasburg, 1518; fol.“ Dieselben Platten sind auch zu einem andern Werke benützt, welches den Titel: „Schimpf und Ernst“ führt, ohne Ort und Jahr des Druckes; fol.
Bartsch beschreibt von Baldung 50 Holzschnitte und zwei Kupfer- stiche; aber das Werk ist damit noch nicht complet. Brulliot kennt noch andere Blätter von diesem Künstler, die der einsichtsvolle Sammler in seinen Ergänzungen zum Bartsch bekannt machen wird.
Ticozzi behandelt in seinem neuen Künstler-Lexicon diesen Künst-
ler nur obenhin; der Italiener gab sich keine Mühe, Notizen über deutsche Künstler zu sammeln. Er sagt nur, dass ein Giovanni Baldung oder Baldum um 1534 gestochen habe, von dem er nur eine der bezeichneten Pferdegruppen kennt.
Balcau. S. Baillen.
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