Baldini, Baccio

Baldini, Baccio, Goldschmied und Kupferstecher , geb. zu Florenz um , wie einige versichern, und noch thätig 1480. Die Ge- schichte dieses Künstlers liegt sehr im Dunkeln; Vasari sagt im Leben Marc-Antons nur, dass Baldini auf Finiguera folgte, bei

dem nach andern Baccio das Stechen erlernt haben soll; doch war

er ein schlechter Zeichner, und so machte er alles nach Erfindung und Zeichnung des Sandro Botticello. Er verband sich auch mit dieserem zu gemeinschaftlicher Arbeit, und behielt dessen Manier so sehr bei, dass es schwer ist, ihre Arbeiten zu unterscheiden. Baccio’s Arbeiten haben überhaupt nur wegen der Seltenheit, die in Folge des hohen Alters eingetreten ist, ihren Werth, so wie denn auch der Künstler nur desswegen eine interessante Stelle in der Kunstgeschichte behauptet, weil seine Blüthe in die Zeit der Erfindung der Stecherkunst fällt. Bartsch (Kupferstichkunde I, S. 165) setzt seine Thätigkeit zwischen den Jahren 1460 — 1480. Baldini’s erste Arbeiten sind im Monte santo di Dio, der 1477 zu Florenz erschien; fol. Nämlich: Ein Berg, an welchem eine Leiter lehnt, an deren Stufen die Tugenden stehen. H. 9 Z. 11 L., Br. 6 Z. 6 L. ;

Der Heiland, der seine Linke auf die Brust legt, und die Rechte erhebt, in einer Glorie von Engeln und Cherubims. H. 9 Z. 5 L., Br. 6 Z. 7 L.

Die Hölle. H. 42.5 L., Br. 6 Z.

Man hat von diesem Blatte eine getreue Copie in De Bure’s Ca- talogue des livres de la Bibliotheque de M. le Duc de la Valliere. Paris 1783. p. 255. Heinecke ist im Irrthum, wenn er im Art. San- dro Botticello p. 212 sagt, dass sich von diesem Blatte im Biogra- phical dictionary by Strutt eine Copie finde. Dieses ist eine

Wiederholung nach einer der Vignetten in Dante’s Hölle.

Man glaubt auch, dass Baccio die Kupfer zu Dante’s Hölle ge- stochen habe, und zwar nach Zeichnungen des Sandro Botticello,

der dieses Werk 1481 in der Druckerei des Nicholo di Lorenzo della Magna erscheinen liess. Ein Theil dieser 20 Vignetten (H. 35 Z. 7 L., Br. 6 Z. 3 L.) ist sicher von Baldini; der andere, viel- leicht der geringere, hat Sandro zum Urheber. Pollajuolo hat aber keinen Antheil an der Arbeit, wie Gori glaubt. Von diesen Kup- fern sind nur die beiden ersten auf das Blatt mit dem Texte ge- druckt, für die übrigen wurde der Raum weiss gelassen, um sie später einzudrucken. Diese Abdrücke sind viel seltener.

Zwei dieser Blätter hat Heinecke in seinen Nachrichten I. 280 in Copien gegeben, nach welchen sich die Sammler einen richtigen Begriff von den Arbeiten dieses Künstlers machen können.

Bei Strutt und Jansen (Essai sur l’origine de la gravure, Paris 1808) sind ebenfalls Copien von Vignetten zum Dante.

Für Baldini’s Arbeit hält man auch die Propheten auf 2 Bl., die Bartsch im peintre grav. XIII. 165 beschreibt. Sie sind sitzend in verschiedenen Lagen vorgestellt, über jedem der Name und un- ten acht Verse. Die ersten Abdrücke haben Verse, welche in den zweiten fehlen. Diese tragen oben rechts Numern und zeigen auch einige Veränderungen. Auf den dritten Abdrücken sind die Nu- mern unten und in anderer Ordnung als auf den zweiten. Diese Blätter sind von einem alten Meister copirt. Die Originalien sind 6 Z. 6 L., hoch, und 3 Z. 11 L. breit.

Die Sibyllen, 12 Bl. H. 6 Z. 7 L., Br. 4 Z. Die Figuren sind ebenfalls sitzend dargestellt, und die Blätter oben numerirt.

Eine Ostertabelle, aus welcher man den Ostertag von 1465 bis 1517 bestimmen konnte.

Die Dummheit auf dem Throne. In guten Abdrücken vor der — Adresse des A. Salamanca.

Die schlafende Nymphe. In ersten Drücken vor der Schrift und der bezeichneten Adresse.

Die Himmelfahrt der Maria, grosses Stück in zwei Abtheilungen.

Diese drei Blätter nennt Joubert.

Bartsch, 1. c. 100 nennt im Appendix zum Artikel Baldini noch acht Blätter, die sich im Cabinet Monroe zu London befinden, und von denen Strutt pl. II. und III. zwei copiren liess. Andere Copien finden sich bei Jansen I. pl. VI. und VII. Darunter auch die oben bezeichnete Ostertafel.

Sieben dieser Blätter stellen die Planeten vor:

Die Venus auf dem Wagen von Tauben gezogen; Jupiter auf dem Wagen mit Krone und Vorspiess; Sol auf dem Wagen von vier Pferden gezogen; Mars mit seinem Zweigespann; Saturn auf ei- nem Wagen von Drachen gezogen; Mercur ebenfalls zu Wagen, vor den zwei Falken gespannt sind, und Luna auf ihrem Wagen, den zwei Hirschkühe ziehen. Diese Gottheiten schweben auf Wol- ken, und unten sind immer mehrere Personen in dramatischer Handlung vorgestellt.

Die Blätter sind in gr. 4. mit Inschriften.

Das achte bei Bartsch beschriebene Blatt ist die erwähnte Oster- tafel, auf welcher man in zwölf kleinen Runden die Beschäftigun- gen der zwölf Monate vorgestellt sieht.

Duchesne (Essai sur les nielles pag. 82.) glaubt, dass Baldini auch Niellen gefertigt, und Platten in der Absicht gestochen habe, um davon Abdrücke zu ziehen. Dieses mag seinen Grund haben, denn die Abdrücke von Niellen waren zu seiner Zeit im Werthe und daher ist es glaublich, dass er, wie sein Zeitgenosse Maso Finiguerra und andere, Platten zum Drucke gefertigt habe. Doch dürfte ihm streitig gemacht werden, dass er der erste gewesen, der Platten zu Kupferabdrücken gestochen hat; denn man findet unter den Blättern alter unbekannter italienischer Meister Abdrücke von niellirten Platten, die älter seyn müssen, als die dem Baldini zu- geschriebenen Arbeiten. Hierher gehören die fälschlich diesem Künst- ler beigelegten Tarokkarten, welche venezianische Arbeiten sind, wie die venezianischen Unterschriften beweisen.

Auch unter den anonymen Niellen dürften einige dem Baldini angehören, doch in Vergleich mit den Werken Finiguerra’s kön- nen sie nur mittelmässig seyn, so wie der Künstler selbst, und sein Genosse Botticelli nur dessen Nachahmer zweiten Ranges sind, in Vielmehr nur Copisten. In Baccio’s Weise gestochen sind nach Duchesne: Ein Amor mit verbundenen Augen und mit auf den Rücken ge- legten Händen. Durchmesser, 2 Z.

Derselbe auf einem Delphin. Diameter 2 Z. 11 L. Beide im Cabinet Sykes. Es bleibt übrigens zweifelhaft, ob dieses Abdrücke von Niellen sind. (Vergleiche auch den Art. Maso Finiguerra.)

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