Aus dem Unterrichte Domaneck’s, seines ersten Lehrers, trat Bartsch in die Kupferstecher-Schule, der damals der Prof. Schmutzer als Director vorstand. Öffentlich bekannt wurde er zuerst als 16jähriger Jüngling durch die Nachzeichnung aller unter Maria Theresia geprägten goldenen und silbernen Denkmünzen, welche würdige Arbeit ihm von der Erzherzogin Maria Anna war übertragen worden. Die glückliche Ausführung des Geschäftes erwarb ihm die Zufriedenheit des Hofes und die Anstellung in der k. Bibliothek als Scriptor. Bartsch war jetzt, jedoch nicht ausschließlich, zur Aufsicht der Kupferstichsammlung bestimmt; er beschrieb auch die 40.000 Bände starke Eugenische Bibliothek, und nur nebenbei brauchte man ihn zur Besorgung der Kupferstichsammlung, die ebenfalls von Eugen von Savoyen gestiftet ist. Erst mit dem Eintritt des Freiherrn van Swieten als Bibliothekspräfekt im Jahre 1781 fing für die Pflege dieses Kunstzweiges ein neues Leben an. Dieser für Kunst und Wissenschaft gleich beseelte Mann bestimmte Bartsch ausschließlich zum Aufseher der Kupferstiche. Im Jahre 1783 wurde er mit einem seiner Amtsgenossen nach Paris geschickt, um bei der Versteigerung der Sammlung des Herzogs von La Vallière für die Bibliothek und die Kupferstichsammlung Ankäufe zu machen. Im Jahre 1784 reiste er mit seinem Begleiter von Paris durch die Niederlande nach Holland , und sah in den wichtigsten Städten überall die großen Sammlungen ein, erwarb auch viele geschätzte Blätter. Zurückgekehrt in sein Vaterland wurde er zweiter Schöpfer der Kupferstichsammlung, indem er von 1701–1820 alles umgestaltete. Er hat 223 Kupferstichbände in gross Folio, 14 kleinere Cartons in Foliogrösse, 11 grosse Cartons und 30 Supplements-Portefeuilles neu geordnet, und dazu die kritisch raisonnierenden Verzeichnisse in französischer Sprache gemacht. Die deutsche Schule, chronologisch eingetheilt, beginnend mit den alten Meistern des 15. Jahrhunderts und fortlaufend bis zum Anfang des 18., ist erst von ihm angekauft, zusammengestellt, verzeichnet und in 60 Bände gebracht worden. Mit der Ausordnung des genannten Schatzes steht die Herausgabe einzelner raisonnierender Verzeichnisse in einer nahen Verbindung. Sie betreffen teils einzelne Sammlungen, teils einzelne Meister. Ausserdem besorgte er auch Ausgaben von vier ehrwürdigen Werken, welche in Holzschnitten von A. Dürer und Hans Burgmayer die Person und Familie Maximilians, des ritterlichen Kaisers, verherrlichen. Das Hauptwerk seines schriftstellerischen Lebens bleibt der Peintre graveur, der in Frankreich zum Leitfaden der Bibliotheken, Universitäten und Lyceen vorgeschrieben ist. Die letzte Schrift erschien kurz vor des Verfassers Tode, unter dem Titel: Anleitung zur Kupferstichkunde. Seine Werke erschienen unter folgenden Titeln:
Catalogue raisonné des dessins originaux des plus grands maîtres anciens et modernes, qui faisaient partie du cabinet de prince Ch. de Ligne, 1794.
Anton Walers Kupferstiche ausführlich beschrieben, 1795.
Catalogue raisonné des estampes gravées à l’eau forte par Guido Reni et ceux de ses disciples S. Cantarini, Jean André, Elisabeth Sirani et Laurent Loli. Vienne 1795.
Catalogue raisonné des estampes qui forment l’oeuvre de Rem- brandt et ceux de ces principaux imitateurs, composé par Gersaint, Helle ; Glomy, P. Yver. Nouv. ed. cor. et augm. 2 p. Vienne 1797.
Catalogue raisonné de toutes les estampes qui forment l’oeuvre de Lucas de Leyde, 1708.
Catalogue raisonné de l’oeuvre d’estampes de Martin de Molitor, Nuremberg 1813.
Le peintre graveur. 21 Voll. 1803 — 21.
Anleitung zur Kupferstichkunde, 1821.
Kaiser Maximilians I. Triumph. Le triomphe de l’empereur Ma- ximilien I. en une Suite de cent trente cinq planches etc. Vienne — 1707, quer Fol.
Bartsch unterzog sich der mühsamen Arbeit, den altdeutschen Text durch Vergleichung dreier Handschriften wieder herzustellen und die Beschreibung dem bildlichen Gegenstande jeder Holzplatte anzupassen. Er verfasste ferner die Vorrede, machte die französische Übersetzung des alten Textes und fügte die Erläuterungen desselben in Anmerkungen hinzu.
Ehrenpforte. Arc triomphal de l’empereur Maximilien I. etc. Vienne 1800. Regalfol. Mit einer Vorrede und einer Übersichtstafel, nach welcher die 50 Platten an einander gereiht werden können.
Weiss Kunig. Fableau des principaux événements de la vie et du règne de l’empereur Maximilien I. etc. Vienne 1708, Fol.
Die historische Beschreibung der unter einander sehr ähnliche Gegenstände darbietenden Holzschnitte bei diesem schätzbaren Wer- ke zeichnen sich durch Bündigkeit aus.
Images de saints. Les saints de la famille de l’empereur Maximi- lien I. etc. Vienne 1799, Fol.
Nicht weniger reich erscheint Bartsch als ausübender Künstler; seine in Kupfer gestochenen Blätter belaufen sich auf 505, welche zwischen den Jahren 1782 — 1815 erschienen. Er hörte auf in voller Kraft, absichtlich, wie er mehrmals zu versichern gab, um sich nicht zu überleben. Seine Blätter sind teils nach Original- zeichnungen berühmter Meister, teils nach eigenen Erfindungen gefertigt und nach Gemälden vollendet. Die Gegenstände seiner Werke sind eben so mannigfaltig als die Methoden, nach welchen er sie behandelt. Er verband mit Festigkeit und Geschmack die Nadel mit dem Grabstichel, und verstand in hohem Grade den Geist seiner Originale klar aufzufassen und treu wieder zu geben. Oft sind die schön gewählten Beiwerke und Hintergründe rein nach seiner Erfindung, oft der glänzende Effect von Hell-Dunkel auf Rechnung seines malerischen Talentes zu setzen. Dies ist besonders bei allen Stichen der Fall, welche der Kupferätzer nach den Zeichnungen des van Blömen, Bourguignon, Dietrich, G. van der Eckhout, ?otter, Rembrandt, W. Romeyn, H. Roos, geliefert hat. Ein anderer Vorzug seiner Künstlergaben besteht in der Wahrheit, mit welcher er Federzeichnungen nachzustechen wusste. Die nach Dürer und Quercino gelieferten Platten geben davon den sprechendsten Beweis. Aber die überraschendste Täu- schung bringen jene für die ersten fünf Bände des Peintre graveur nach den seltensten Kupferstichen holländischer Meister gegebenen 16 betrüglichen Copien hervor, welche bis auf die unbedeutendsten Zufälligkeiten ungemein ähnlich nachgeahmt sind. Zu Bartsch be- sten Werken gehören seine Tierstücke nach den Zeichnungen des H. Roos, eine Folge von 12 Bl. Die Blätter fanden gleich bei ihrem Erscheinen die günstigste öffentliche Aufnahme. Die letzte-
Bartsch, Adam von.
Er haben im Ganzen mehr Wahrheit und Kraft als die früheren,
wenn gleich auch diese schon dem Stecher Ehre machen. Sehr gelungen sind ferner die Blätter nach den Zeichnungen des in seiner
Art vortrefflichen Wilh. Kobell, mit ihren tief und wahr gegriffenen
Schilderungen des kriegerischen Lebens. Man schätzt auch besonders eine Suite im Verlage des W. Ind. Comtoirs, welche
Pferde nach Rugendas aufstellt. Die 6 Bl. nach P. Potter, Verschuren, v. d. Velde, van Bloom und van Bergen radirt, erhielten
dadurch einen Reiz, dass der ideenreiche Landschaftszeichner Molitor kleine Landschaften dazu entwarf; denn Bartsch wählte aus großen
Gemälden und Tierstücken immer nur eine Gruppe, oder auch nur ein einzelnes, vorzüglich gestelltes und charakteristisches
Tier aus, gewöhnlich in der Größe des Originals. Da nun die Landschaft des Originals dabei nicht mehr anzuwenden war, so
musste ein leichter Hintergrund dazu erfunden werden. Dies that Molitor mit der glücklichsten Leichtigkeit, und so heißt es denn
unter diesen Blättern: M. Molitor regiunculam invenit et delineavit. Es sind durchaus gelungene und höchst anmuthige Blätter.
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