Appiani, Andrea, ein berühmter Künstler, dem sein Zeitalter den Namen des Malers der Grazien gab, geb. zu Mailand 1754, gest. daselbst 1818.
Er stammte aus einer adelichen Familie, wie mehrere Maler der vorhergehenden Jahrhunderte, aber auch, wie er war, weihte er sich der Kunst, für welche er seit seiner frühen Jugend begeistert war. Der Ritter Giudei war sein erster Meister in der Zeichenkunst , und merkliche Fortschritte setzten ihn bald in den Stand, sich an Dekorationsmaler anzuschliessen, um seine Existenz zu sichern. Doch blieb er nicht bei diesem Fache stehen; er setzte seine Studien fort und suchte sich in der Kunst dadurch zu befestigen, dass er die Hauptwerke der großen Meister copirte, die er während eines längeren Aufenthaltes zu Parma , Bologna und Florenz zu studiren Gelegenheit hatte, wobei er zugleich mit Eifer sich der
dem Maler nothwendigen anatomischen Wissenschaft ergab. Rom be- suchte er dreimal, um in das Geheimnis der Rafaelischen Frescoma- lerei einzudringen, was ihm auch in dieser Maße gelang, dass er bald alle lebenden Maler Italiens in diesem Kunstzweige übertraf. Er bil- dete sich einen Stil, der als Resultat seines Studiums sein eigen genannt werden kann. Denn er gab sich keiner Manier ausschließ- send hin und suchte sich ein eigenes Fach, das ihm die Superiorität über seine Landsleute sichert. Er excellernte besonders im Fres- co, worin er in Mailand herrliche Proben gab, die sein auf Reisen nach großen Meistern gemachtes Studium verkünden.
Appiani’s Verdienste fanden auch Anerkennung. Er wurde vor- zugsweise von dem Gouverneur der Lombardei, dem Erzherzog Fer- dinand, begünstigt, in dessen Landhause zu Monza sehr artige Plafonds von ihm zu finden sind. Später machte ihn Napoleon zum Hofmaler, ertheilte ihm den Orden der Ehrenlegion und der eisernen Krone, ernannte ihn auch zum Mitgliede des Institutes der Wissenschaften und Künste von Italien. Zugleich sicherte er ihm einen jährlichen Gehalt zu, den er bei dem Regierungswechsel leider verlor, was den Künstler in den letzten sechs Jahren seines Lebens der Sorge und den Kummer preisgab, da er, durch einen Schlaganfall gelähmt, nicht mehr im Stande war, seinen standesmäs- sigen Lebenshaltung sich zu erwerben. In der letzten Zeit verkaufte er alle seine Zeichnungen und Studien, und Fremde und Einheimische beeiferten sich, selbe an sich zu bringen. Davon lebte der grosse und unglückliche Künstler grüsstentheils in den letzten Jahren sei- nes Lebens, bis 1818 (nach andern 1817) ein wiederholter Schlag- anfall seine kummervollen Tage endete.
Appiani gehört zu den vorzüglichsten Geschichtsmalern Italiens, und reiht sich würdig den Meistern der guten Epoche der Mailänder-Schule an.
Sein Ruhm war schon zu Lebzeiten gross, aber auch jetzt fehlt es noch nicht an zahlreichen Bewunderern seines Styls, daher seine Werke häufig copirt und in Kupfer gestochen werden. Er zeichnet sich vorzüglich durch die Grazie und Reinheit der Zeichnung, durch den Glanz, die Anmuth und Harmonie der Farben aus, besonders in seinen Frescogemälden, die in einem grossartigen Style ausge- führt sind. Seine Oelgemälde, die in geringer Anzahl vorhanden sind, haben diese Eigenschaften in minderem Grade; doch lassen sie in der Composition, in der Zartheit der Gedanken und in der verstündigen Ausführung nichts zu wünschen übrig. Indessen hatte Appiani doch zu wenig Kraft des Charakters und Ausdrucks, um den Namen eines tiefgreifenden Malers zu verdienen. Aber auch so werden seine Werke immer zu den vorzüglichsten der neuern Zeit gehören. Weniger glücklich war er im Portrait, es gelang ihm nicht immer die Ähnlichkeit herzustellen. Er malte fast alle Mitglieder der Familie Napoleons und die vornehmsten Personen seines Hofes. Seine berühmtesten Oelgemälde sind: der Olymp, die Toilette der Juno durch die Grazien besorgt, die Zusammen- kunft Jakobs und der Rahel, Rinaldo in den Gärten der Armida und besonders trefflich ist Venus und Amor, ein kleines Bild in der Villa Sommariva am Comersee.
In der herzoglich Leuchtenbergischen Gallerie zu München ist von diesem Künstler eine schöne Skizze, Napoleon auf dem Throne und zu beiden Seiten die weiblichen Figuren des Sieges und des Friedens. Die Bildnisse der beiden Prinzessinnen des Vizekönigs von Italien bewunderte man 1810 auf der Kunstausstellung zu Mün- chen. Sie sind beide als kleine Engel dargestellt, die bis an die Brust aus Wolken hervor sichtbar sind und waren ein Geschenk der königlichen Tochter an den höchstseligen König Maximilian
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