Apollonius, Nestors Sohn, aus Athen , der Urheber des bewunderungswürdigsten Werkes der griechischen Sculptur, jenes Torso des Herkules im Belvedere zu Rom , wie der Name bezeugt, am Felsen, auf dem Herkules sitzt, eingehauen ist. Das seit Michelangelo hochgefeierte Werk, das Muster und vieljähriges Studium dieses größten Meisters der neuen Sculptur, Gegenstand bester Bewunderung von Winckelmann und so vielen anderen kunstbegabten Männern, wird, wie die Kolosse der Dioskuren, von mehreren noch jetzt bis in die Zeit des Phidias hinaufgerückt. Heinrich Meyer (Gesch. der bild. K. bei den Griechen S. 206) findet zwischen ihm und dem Missus aus dem Giebelfelde des Parthenon, besonders in Behandlung des Rückens, die Ähnlichkeit entscheidend. Dagegen bezeichnet Horwaldsen, obwohl seine Bewunderung dieses Meisterwerkes dadurch nicht geschwächt wird, den Stil als einen solchen, welcher durch das ganze System der Musculatur und ihrer Behandlung, durch eine Art von Raffinierung der feinsten und geläuterten Kunst sich als den jüngeren und späteren der Plastik darstelle. Schon Andere hatten aus der Form der Schriftzeichen in der Inschrift (Ἀπολλώνιος Νεστορὸς Ἀθηναῖος Ἀρχοντὶς) besonders des w. des Künstlernamens auf spätern Ursprung gerathen. Dieser Buchstabe nämlich ist, wie man jetzt weiß, in der Form auf dem Torso das Omega der griechischen Cursivschrift, und kommt mit andern Cursivzügen in den Steinschriften nicht eher vor, als in den Zeiten der Römer, wo die Mischung der Lapidar- und Cursivform der Buchstaben begann. Wenn nun durch diesen paläographischen Grund, wie durch seinen Stil, der Torso als ein Werk der jüngern Kunst erscheint, so tritt er in Gemeinschaft mit dem Laokoon, noch mehr aber durch seine Behandlung. Zwar ist der Torso bewunderungswürdiger als der Laokoon und Apollonius ein größerer Meister als Agesander, die Formen im Torso sind großartiger, die Behandlung geistreicher und wärmer, aber System und Anlage des Ganzen sind dieselben und die Behandlung des Einzelnen, wenn auch mit höherem Geiste ausgeführt, doch bis in die Besonderheiten übereinstimmend. Thiersch, Epochen der b. K. unter den Griechen 332. n. Ausg.
Von Apollonius fand sich, nach Winckelmann, noch am Ende des 18. Jahrhunderts in dem Hause Massimi zu Rom ein anderer Stürz des Herkules, den jedoch andere für einen Askulap hielten, und von dem man nicht weiß, wohin er seitdem gekommen ist. Der Torso war eine Zeit lang zu Paris, kam aber wieder zurück.
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