Apelles, der berühmte Maler aus Cos, oder nach andern aus Colophon oder Ephesus , wegen des Bürgerrechtes, das ihm die Ephesier ertheilten. Den ersten Unterricht erhielt er bei Ephorus in Ephesus, begab sich aber nachher nach Sicyon zu Pamphilus, bei dem er sich auf 10 Jahre verdingte und ein Talent als Lehrgeld bekam.
Der Hauptvorzug dieses Künstlers war die Anmut, der Liebreiz, was die Griechen xapıs nannten. Er trug kein Bedenken, dieses sich selbst zu zugestehen, räumte aber auch andern gerne Vorzüge ein, wie dem Melanthius in der Anordnung, dem Asclepiodorus in der Beurtheilung der Maasse, dem Protogenes in dem Bestreben nach Vollendung u. s. w. Er bediente sich zu seinen Gemälden nur vier Farben, aber dennoch war sein Colorit natürlich, lebhaft und glänzend, was noch durch einen gewissen Firniss, womit er seine Gemälde überzog, erhöht wurde, ohne hierdurch den Einklang der Farben zu verletzen. Apelles war also auch einer der vorzüglichsten Coloristen. Dabei zog er stets die Natur zu Rathe; die berühmte Lais und die schöne Phryne dienten ihm zum Modelle. In Hinsicht seiner Werke war ihm das Urtheil des Volkes nicht gleichgültig; er verbesserte die Fehler, welche ihm die Critiker mit Grund vorwarfen. Er verachtete selbst die Bemerkung des Schusters nicht, indem er sie an dem Schuhe einer seiner Figuren gegründet fand, aber konnte sich nicht enthalten, aus seiner Verburgenheit hervorzurufen: sutor ne ultra crepidam, als der critisirende Schuster auch das Bein zu tadeln anfing.
Das Gemüthliche des Apelles und sein wahrhaft edler Charakter
Apelles. / 143 offenbarte sich besonders in seiner Bekanntschaft mit Protogenes, den er in Rhodos besuchte. Er traf bei seiner Ankunft den Ruhm- verwandten nicht zu Hause, kündigte sich aber dadurch an, dass er eine Linie über eine bereitete Tafel zog. Protogenes erkannte sogleich die kunstfertige Hand des fremden Mannes, zog aber, selbst ein berühmter Künstler und sich seiner Kraft bewusst, eine zweite Linie in die des Apelles. Dieser erreichte jetzt das Höchste; teilte die von Protogenes gezogene Linie; wie früher letzterer ge- tahn, und trug den Sieg über den Meister davon. Die Tafel, auf welcher beide Künstler ihren Wettstreit geführt hatten, war aus Rhodos nach Rom gekommen, wo sie durch Brand im Palaste des Kaisers zu Grunde ging.
Einige tadeln den Plinius, dass er ein solches Märchen erzählt habe, das selbst in der Bedeutung rätselhaft ist. Es bleibt nämlich eine doppelte Erklärung übrig, entweder heißt linea hier ein ganzer Contour, oder man versteht buchstäblich nur eine einzige eingezogene Linie, ohne dabei irgend eine Figur zu beabsichti- gen. Dass linea das erste heißen könne, beweist schon das Apel- lische „nulla dies sine linea“, und diese Erklärung soll auch Michel Angelo durch die That bekräftigt haben, indem er, um das Un- verdächtliche eines solchen Umrisses zu zeigen, als von diesem Wettstreit in seiner Gegenwart die Rede war, einen Zeichenstift er- griff und vom Fuße anfangend die vollendete Gestalt eines nakten Menschen in einem Streifen aufzeichnete. Die erste Erklärung hat immer das grösste Glück gemacht.
Mengs meint, die so viel bestrittene Linie könne nur dadurch so grosse Aufmerksamkeit erregt haben, dass die tres lineae, wie sich Plinius ausdrückt, als eben so viel neben einander aufgezeichnete Contorni erschienen, in denen ein Meister immer feinere Aufteilung der Formen, immer grössere Kunst und Abwechslung im Zusatz der letzten Linie zeigte. Jedoch scheinen die Worte beim Plinius (lineas secuit), diese Erklärung nicht zu begünstigen, und wirklich sollte man dieses eher von einer Linie in der Linie verstehen. Man könnte also auch sagen: Protogenes habe in die Linie, die eine ganze Figur umriss, mit der ihm eigenen Fertigkeit denselben Umriss noch einmal gezeichnet und Apelles das Unmögliche ge- than, und in diesen zweiten Umriss einen dritten gebracht. Dieses erklärt vielleicht allein das Wunderhafte in der Sache. Hirt (Gesch. der b. K. bei den Alten 2413) nimmt die Beschreibung des Plinius buchstäblich, und glaubt, dass die drei Linien nichts anders als Linien, und zwar gerade Linien darstellten, welche über den gan- zen Raum der Tafel gezogen waren. Die beiden Meister wollten nach der Ansicht dieses Schriftstellers ihre Meisterhaftigkeit bloss durch die Geradheit und Zartheit der Linien erweisen. Er hält die Erzählung für kein Märchen.
Die edle Gesinnung zeigte Apelles gegenüber seinen Kunstgenössen dadurch, dass, als er sah, dass die Rhodier ihn und seine Kunst nicht genugachten und bezahlen, er selbst sich anstellte, seine Werke zu kaufen, um sie dann als die seinigen zu verkaufen.
Apelles lebte am Hofe Alexanders des Grossen, am glänzendsten gegen die 422 Ol. Er war dieses grossen Eroberers Hofmaler, der ihm hochschätzte und nur von ihm gemalt seyn wollte. Der Künst- ler wusste seinem Fürsten auch zu schmeicheln, denn er stellte ihn gleich Jupiter, mit dem Blitze schleudernd vor, und erhielt dafür ein ganzes Schäffel voll Gold. Dieses berühmte Gemälde wurde im Tempel der Diana zu Ephesus aufgestellt. Der König war damit wohl zufrieden, dass er sagte, es gebe nur zwei Alexander, der eine der Sohn Philipps, der andere der des
Apelles. — Apianus Peter.
Apelles, der Unnachahmliche. Uebrigens malte er den Alexander und seinen Vater mehrmals. Zwei dieser Bilder: Alexander mit Ca- stor und Pollux und der Victoria, und derselbe, wie er den Sieges- wagen bestieg, waren zu Augustus Zeiten im neu erbauten Fo- rum zu Rom. Der schwachsinnige Claudius ließ beiden die Bild- nisse Alexanders ausschneiden, und sie durch andere des Augustus ersetzen.
Nach Alexanders Tod begab sich Apelles an den Hof des Ptole- mäus nach Ägypten. Hier wurde er von Antiphilus fälschlich an- geklagt, an einer Verschwörung gegen den König Theil genommen zu haben, es kam aber seine Unschuld bald an den Tag, worauf er in sein Vaterland zurückkehrte und das berühmte Gemälde der
Verläumdung malte.
Er stellte zweimal die Venus dar: wie sie aus den Meeresfluthen taucht (Anadyamene). Ursprünglich war das Bild in Cos. Augu- stus versetzte es später nach Rom in den Tempel des vergötterten
Cäsars. Das zweite Bild der Venus konnte er nicht mehr vollen- den, der Tod hinderte ihn, und keiner wagte es die letzte Hand anzulegen. Nach Cicero (ad P. Lent. 1. Ep. 0.) hatte er nur den Kopf und die Brust zur Vollendung gebracht.
Im Odeon zu Smyrna sah man von ihm eine der Grazien. Auch die Fortuna scheint er, und zwar sitzend gemalt zu haben. Die Diana malte er von Nyphen umgeben, wie sie ein Opfer beging.
Einen Herkules, den er von der Rückseite darstellte, sah man noch später in dem Tempel der Antonia zu Rom. Man bewunderte
diese Figur, so wie einen andern nackten Herkules, der die Natur selbst herausforderte. Ferner malte er das nicht zu Malende: den Donner, das Blitzen und den Blitzstrahl. Hirt glaubt, es seien hier Cyclopen zu verstehen, entweder in Vulkans Werkstätte oder
als Gehülfen Jupiters im Gigantenkrieg. Der Künstler könnte
es hier auf eine auffallende Lichtwirkung abgesehen haben. Noch malte er den Clitus, der, in die Schlacht eilend, den Helm begehrt; seinen Abron bewunderten die Samier, den Menander die Rhodier und Alexandria den Tragöden Gorgosthenes. Er stellte auch den Neoptolemus zu Pferde dar, den Archelaus mit Gattin und Toch- ter und den Antigonus in voller Rüstung zu Pferde. Besonders ähnlich malte er den Apion. Auch die Thiere wusste er auf das täuschendste darzustellen.
Noch zu Plinius Zeiten waren von Apelles drei Abhandlungen über die Geheimnisse der Malerei vorhanden, die er an seinen Schüler Perseus gerichtet hatte. Hirt Gesch. der Kunst bei den Al- ten 1. c. und andere Notizen in Böttigers Amalthea.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_043rAAAAMAAJ