Anjou, René von, König von Neapel , Herzog von Lothringen und Graf von der Provence , geb. , gest. 1480. René hatte wahrscheinlich die berühmten Brüder Hubert und Johann von Eyck zu Lehrern in der Malerei. Sein erstes Gemälde befindet sich in der Kapelle der Schlosskirche zu Dijon , wo er im Barthurm von
Philipp von Burgh, der von 1431–37 gefangen gehalten wurde. Es stellt das Wappen von Bar dar. Auf die Fensterscheiben der herzoglichen Kapelle malte er sein eigenes Porträt und zwei Jahre später ( ) die Wappen von 32 Rittern des goldenen Vließes, von denen er in der Schlacht von Bulguerille geschlagen wurde. Nach dem Tode sei- ner ersten Gemahlin, Isabella von Lothringen ( ), zog er sich nach Anjou zurück und beschäftigte sich ausschliessend mit der Miniaturmalerei ,
Das Gebetbuch der verstorbenen Isabella ward mit verschiede- nen Darstellungen in Miniatur geziert; auch soll er noch zwei andere Handschriften auf gleiche Weise verziert haben. In dem „Tresor des Martyrs“ zu Paris befindet sich von seiner Hand ein Mi- niaturgemälde, welches darstellt, wie Johann von St. Maure ihm huldigt. Seine Moralitäten und Mysterien, z. B. die Moralité mortification ou mortification de vaine plaisance, zierte er gewöhn- lich mit Miniaturen. In einem andern Werke: Le roman en prose et en vers de tres doulce mercy au cocur d’Amour espris, finden sich 70 ‚vortreffliche Miniaturgemälde, freilich hie und da abent- heuerlich genug. Die Hoffnung erscheint mit einem Zuckerhut anstatt einer Mütze, auf einem Pferde einhertrabend; die Sehn- sucht ist wie ein Bauer gekleidet, mit einer rothen Jacke; die Hel- den des Alterthums erscheinen mit Wappen u. s. w. Die Wap- enkunde, die Aufzeichnung derselben und die Darstellung ritter- licher Spiele gehörten zu seinen liebsten Beschäftigungen. Er machte sich daran, ein Turnierbuch zu schreiben und auszumalen, ein Werk, welches in Beziehung auf Sitten, Gewohnheiten und Kleidertrachten zu den interessantesten Dokumenten aus dem 15ten Jahrhundert gehört. Die zu Paris befindliche Handschrift besteht aus 305 Bl. 4. mit 26 Darstellungen, die er mit eigener Hand aus- malte.
Vor der Revolution waren viele seiner Werke in Angers, Lyon, Avignon, Marseille und Aix vorhanden; jetzt sind sie leider größtenteils verschwunden. Die Stadt Anjou erfreute sich mehrerer Werke des Königs. Unter den Bildern in Lyon wurde vorzüglich das Bildnis des Todes als ein Meisterstück gerühmt. Es befand sich in einer gotischen Kapelle in der Kirche zu St. Paul und soll in der grossen Lyoner Feuersbrunst zu Grunde gegangen sein.
In dem Cölestiner-Kloster zu Avignon sah man ein weibliches Skelett von natürlicher Grösse; daneben einen geöffneten Sarg, des- sen Inneres mit einem sehr kunstreich gearbeiteten Spinnengewebe bezogen war. Dieses Gemälde, welches alle Reisenden besahen, verschwand ebenfalls in den Stürmen der Revolution. Im Hospital zu Villeneuve befindet sich noch ein ziemlich gut erhaltenes Ge- mälde Renés, welches seinen bizarren Geschmack hinlänglich cha- rakterisiert. Es ist ein Ölgemälde auf Holz, wo die streitende, lei- dende und triumphirende Kirche sammt der Dreieinigkeit vorgestellt sind. Das Gemälde ist 54 Fuss hoch und 7 Fuss breit. In Marseille sah man ein Ecce homo, ein mit einem Schweisstuch ver- schleiertes Bildnis des Erlösers, einen hl. Hieronymus u. a. Auch diese Bilder sind verschwunden. Das unter dem Namen „Buisson ardent“ bekannte Bild in der Metropolitan-Kirche zu Aix wird von einigen auch dem Rene von Anjou zugeschrieben. Es stellt Moses mit dem brennenden Busche dar, und hat zwei Seitenflügel, auf welchen er sich und seine zweite Gemahlin abbildete. Statt des brennenden Busches erblickt man in der Mitte des Gemäldes einen in der Luft schwebenden Busch, auf dem die hl. Jungfrau mit dem Kinde sitzt.
Rene gab sich auch viel mit Portraitmalen ab; er malte Karl VII.,
sich selbst mehrmalen, worunter dasjenige Bild, welches er seinem Freunde und Gevatter, Joh. de Matheron, verehrte. Die Familie bewahrt dieses Bild noch heute. Es ist sehr klein, auf Holztäfelchen gemalt, die man wie ein Buch auf- und zumachen kann. Auf der einen Seite sieht man René, auf der andern Jo- hanna von Laval.
Mehreres über das Leben dieses merkwürdigen Mannes s. Hist. de René d’Anjou par Vicomte de Villeneuve - Bergemont.
Im Jahre 1820 vereinigten sich Champollion-Figeac, J. Dubois und G. Motte zur Herausgabe des Tournierbuches, unter dem Ti- tel: Les tournais du roi René, un Vol. grand in fol. Jesus- Velin.
Anker, ein geschickter russischer Genremaler unsers Jahrhun- derts. Er stellte treffliche nationelle Scenen mit Geschmack und edler Wahl und ächt künstlerischer Gewandtheit dar. Ob sich die- ser Künstler noch am Leben befinde, ist uns unbekannt; seine Blüthezeit fällt um 1814.
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