Angelico, Frate Giovanni, genannt da Fiesole, geboren zu Città di Castello 1387, gestorben zu Rom . Der Lehrer dieses from- men Klosterbruders, der mit seinem weltlichen Namen Santi To- sini hiess, ist ungewiss. Bottari vermutet in ihm einen Schüler des Gherardo Starnina, allein er scheint keinen Grund zu haben.
Auch widerspricht diese Meinung dem Zeugnis des Vasari, dass
sich unter den Schülern dieses Meisters, außer dem Masolino Pa- panicale, kein bedeutender und namhaft gewordener Künstler ge-
funden habe. Der vorerwähnte Schriftsteller und alle diejenigen,
welche durchaus den Masaccio als den Befreier der Kunst von den hergebrachten Gebrechen verehren, behaupten, dass Angelico nach den Werken des Masaccio studiert habe, wogegen andere die Sache für unwahrscheinlich halten, da eine bedeutende Verschiedenheit
des Alters zwischen beiden Künstlern obwaltet.
Wenn wir beider Werke mit einander vergleichen, so finden wir, dass Giovanni seinen eigenen Weg ging, jedoch lässt sich ei- nige Ähnlichkeit zwischen beiden Meistern nicht läugnen; selbst die Handzeichnungen von Masaccio und Angelico in der Florenti- nischen Sammlung wurden verwechselt und untermischt. Bei dem bescheidenen und demütvollen Charakter des Frate, der wohl nicht entfernt von dem eitlen Hochmuthe war, dass es unziemend für den Älteren sei, von dem Jüngeren lernen zu wollen, scheint es keineswegs unglaublich, dass er die Werke des Masaccio zu seiner Ausbildung, wenn auch nicht eben durch Copiren, zu be-
nutzen suchte.
Nicht minder merkwürdig als durch seine Kunst, ist Angelico durch die fromme Einfalt seines Gemüthes und durch seinen wahr- haft christlichen Wandel, weshalb er nach seinem Tode selig gesprochen wurde. In ihm war die Kunst inniger mit der Religion verbunden, als vielleicht in keinem andern Künstler. Sein Sinn war ganz ausschliessend auf geistliche Gegenstände gerichtet. Die Kunst war ihm nur Mittel zum Ausdruck religiöser Gefühle, und er war daher ein christlicher Maler im allerwirklichsten Verstande. Man erzählt, dass er nie den Pinsel ergriff, ohne zuvor gebetet zu haben. Wenn er Bilder des Gekreuzigten malte, fühlte er sich so durchdrungen von diesem erhabenen Gegenstande, dass er da- bei heisse Tränen vergoss. Auch scheint er an den Beistand höherer Eingebung bei seinen künstlerischen Hervorbringungen ge-
laubt zu haben; denn er wollte nie etwas an seinen Gemälden ändern, weil, wie er sagte, es Gottes Wille gewesen sei, wie er es nun einmal gemacht habe.
Auch scheinen seine Werke aus wahrer Andacht hervorgegangen zu sein, und ein frommes, von dem Irdischen abgezogenes Ge- müth spiegelt sich unverkennbar in ihnen. Keinem Künstler ist vielleicht der überirdische, und mit göttlicher Liebe erfüllte Cha- rakter der Engel und der Ausdruck der himmlischen Wonne der
Seeligen so vollkommen, als ihm gelungen, weshalb er mit Recht den Beinamen Angelico erhielt. Starke, kräftige, Leiden- schaften und der Ausdruck des Schrecklichen waren hingegen sei- nem Charakter gänzlich entgegen, und daher haben seine Teufel ein wahrhaft meskines Aussehen.
Lanzi spricht auf eine unwürdige und zugleich unrichtige Weise von der Fiesole’s Verdiensten. Er sagt: nach Masaccio zeichneten
sich zwei Geistliche in der Florentiner Schule aus, und wusste also wahrscheinlich nicht, dass Masaccio erst 1407 geboren wurde, zu
einer Zeit, wo Angelico in das Dominicaner-Kloster trat.
nisch zusammengestellt, die Gewänder vortrefflich gedacht, das Nackte aber ist unvollkommen, wie bei allen Meistern der dama- ligen Zeit. Die Gegenstände sind flach und noch unzulänglich ge- gründet, und nur Masaccio suchte hierin Besseres zu leisten. Das Hauptverdienst des Angelico ist, dass er zuerst die geistige Bedeu- tung der menschlichen Gesichtsformen ergründete und grundlich in Anwendung brachte.
Unter Fiesole’s Schülern zeichneten sich Benozzo Fiorentino, Zaunobio Strozzi, Domenico di Michelino und Gentile da Fabriano aus. Durch letzteren pflanzte sich Fiesole’s Gefühl für Wahrheit und Schönheit der Farben auf Jakob Bellini, von diesem auf Jo- hann Bellini und Giorgione fort, und durch Titian wurde vollen- det, was Angelico begonnen: die Trefflichkeit des Colorits.
So unähnlich die venezianische Schule auch in anderer Hinsicht mit Fiesole’s Werken ist, so steht sie doch durch das reinste aller Elemente, durch das Licht, mit jenem heiligen Maler in Zusammenhang, und verdankt ihm die erste Anregung zur Ausbildung eines Theils der Kunst, in welchem sie alle Schüler übertraf.
Razzi berichtet in seiner storia degli uomini illustri, dass An- gelico einen Bruder gehabt habe, der häufig mit geschickter Hand die Bilder ausführte, welche Angelico entwarf. Baldinucci zweifelt indessen, ob dieses Fiesole’s Bruder, oder nicht vielmehr ein Or- densbruder war. In der Handschrift, auf welche sich Baldinucci bezieht, wird dieser Bruder Petri de Mugello genannt. Es ist übri- gens wahrscheinlich hier von einem leiblichen Bruder die Rede, wenn Vasari das Wort fratello und nicht frate.
Angelico schmückte die Chorbücher seines Klosters mit schönen Miniaturen, und malte Altarblätter für die Kirche. Sein Ruf ver- breitete sich bald so, dass ihn Cosmus von Medici nach Florenz berief, um das Kloster St. Marco mit weitläufigen Fresken zu ver- zieren. Von diesen Malereien, die unsere höchste Aufmerksamkeit verdienen, erwähnt Vasari bloß des großen Bildes, worauf er die würdigsten Männer seines Ordens verherrlichte. Er stellte hier ein Baum vor, unter welchem St. Dominicus steht, und an dessen Ästen in runden Rahmen die Bildnisse seiner ausgezeichnetsten Nachfolger hängen. Auch im Kreuzgange, und fast über allen Thüren und in den Höfen, so wie in vielen Zellen, auf den oberen Klostergängen u. s. w. sind Bilder von Angelico.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen im oberen Corridor die Ver- kündigung Mariä und eine thronende Madonna mit vielen Heili- gen; im unteren Kreuzgange ein Cruzifix mit dem betenden Domenico und im Capitelsaal eine Anbetung des Kreuzes mit lebens- großen Figuren, die von diesem Künstler selten zu finden sind.
Angelico’s Fresken in der von Nicolaus V. erbauten Kapelle des hl. Laurentius im Vatikan sind das wichtigste Werk, welches Rom aus der früheren Epoche der florentinischen Schule aufzuweisen hat.
Diese Bilder blieben lange ganz verborgen, bis sie in neuern Tagen der gelehrte Hofrath Hirt wieder auffand. Sie sind noch vollkommen wohl erhalten und tragen den Charakter patriarchalischer Ehrwürdig- keit und naiver Einfalt. In der Etruria pittrice sind Umrisse nach diesen Gemälden. An den Wänden der nur 30 Palmen langen und 80 P. breiten Kapelle sieht man in zwei Reihen übereinander Gegenstände aus dem Leben der Heiligen Stephanus und Laurentius. In den beiden Logen über dem Fenster und dem Eingange sind oben die vier Kirchenväter, Augustinus, Ambrosius, Hieronymus und Gregorius, und unten die Heiligen Thomas von Aquin, Bonaventura, Thanasius und Johannes Chrisostomus, stehend vor Tabernackeln worgestellt. Einige dieser Figuren sind fast gänzlich zu Grunde
gegangen. An der Decke sind die vier Evangelisten mit ihren At- tributen auf blauem Grunde mit goldenen Sternen gemalt. Die Abnehmung vom Kreuze über dem Altare wurde überwiesen.
In einer zweiten Kapelle, welche Papst Paul II. einreissen ließ, um eine Treppe anzulegen, malte er die Bildnisse der merkwür- digsten Männer der damaligen Zeit: Nikolaus V., Kaiser Friedrichs, des Bruders Antonio, nachmaligen Erzbischofs Biando von Forlì und Ferrante’s von Aragonien. Ausserdem sieht man von Ange- lico in einigen Gallerien Roms noch Staffeleibilder; ein vorzüglich schönes Bild beim Card. Fesch, das jüngste Gericht vorstellend. Diesen Gegenstand hat der Künstler oft wiederholt. Er war ganz von der Seligkeit der Gerechten durchdrungen, so dass wir uns beim Anblick seiner seligen Geister unter den Unsern glauben und eine gesellige Teilnahme an ihren ewigen Freuden fühlen. Sie erscheinen, ohne irdische Beziehung, einander gleich, ge- schlechtlos. Eine fast ähnliche Darstellung findet sich in der Gal- lerie zu Florenz, und die letzte Arbeit dieser Art fing er im Dome zu Orvieto in der Kapelle der heil. Jungfrau im Grossen zu ma- len an. Lukas von Cortona vollendete dieses Bild.
Zu Fiesole’s vorzüglichsten Werken gehört unstreitig die Krö- nung Mariä und die Wunder des heil. Dominicus im k. Museum zu Paris. Der Hufmaler Ternite hat jenes Werk gezeichnet und auf 15 Bl. mit einer Erklärung des Gemäldes von W. A. Schlegel, 1817 im grössten Folio herausgegeben.
Vasari ruft bei der Schilderung der Krönung Mariä voll Begei- sterung, sie scheine von der Hand eines Heiligen oder eines En- gels gemalt, und behauptet, dass kein anderer so das Heilige dar- zustellen wusste. Selbst der mächtige Michel Angelo, der für das Wohlgefallen am Zarten zu gewaltig, und für den Genuss des Reizenden zu gross war, rief gerührt aus, als er die Verkündigung Mariä zu St. Domenico sah: „Dieser Pater muss im Himmel gewe- sen sein, um die heil. Jungfrau zu schauen, da er sie so schön gebildet hat.“
In der Gallerie zu Florenz ist noch ausser dem jüngsten Gerichte ein Madonnenbild in Lebensgröße, eine wahrhaft himmlische Er- scheinung. In ihren Armen liegt Christus und Engel umgeben das Bild, welche auf verschiedenen Instrumenten spielen. Obgleich dieses Werk unter Angelico’s frühere Bilder gehört, so ist es doch eine seiner schönsten Dichtungen. Weit vollkommener noch als Kunstwerk ist eine Kreuzabnahme mit lebensgrossen Figuren in der Gallerie der Akademie. Alles ist an diesem Bilde meisterhaft, Farbe, Zeichnung, Gefühl und Ausdruck. Sehr schwer und nicht selten bis auf den Grund beschädigt sind neben andern die Ma- lereien an den ehemaligen Silberschränken der Serviten, ebenfalls in der florentinischen Gallerie.
In der Sakristei von St. Maria Novella ist ein Reliquarium mit Bildern von da Fiesole’s Hand. Viele seiner Bilder sind über das mittlere Italien verbreitet, und mehrere bei Aufhebung der Klöster in den Handel gekommen. Mehreres über diesen Künstler s. Kunst- blatt 1832; neueste Beschreibung von Rom von Bunsen u. a., L 474.
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