Anderloni ist Mitglied mehrerer Akademien, und ein Künstler,
der mit Longhi auf gleicher Stufe steht. Er versetzt sich in den
Geist des nachzubildenden Originals und beherrscht in hohem Grade
die Mittel, durch die es gelingen kann, das Eigenthümliche des
Meisters wiederzugeben. Nur haben seine Stiche etwas zu Glän-
zendes, wie die der neuern Franzosen. Ein Meisterstück seiner
Art ist die Ehebrecherin nach Titian, worin Anderloni alles geleis-
tet, was man vom Kupferstecher billiger Weise erwarten kann.
Man findet hier Köpfe voll Geist und Ausdruck, treue Nachbil-
dung der Formen des Originals, treffliche Rundung, Haltung und
Übereinstimmung im Ganzen, Kraft und Klarheit in den Schatten,
das Zarte und das Glänzende des Grabstichels auf die geschickteste
Art verbunden. Göthe’s Kunst und Alterthum I. 44. Dieses Blatt
ist in qu. fol. und kostet 16 fl. 30 kr.
Sein Moses, der Midians Töchter gegen die Hirten vertheidigt,
nach N. Poussin ist hinsichtlich des sichern und vollendeten Stiches
ein Meisterstück. Dieses Blatt erschien 1816 und ist in qu. fol.
Christus nach Calistus Landensis zeigt die große Geschicklichkeit
des Stechers im Ausdrucke verschiedenartiger Stoffe und Vergoldun-
gen. Durch die von Engeln verehrte Maria nach Titian hat sich
Anderloni als wahrhaft großer Meister gezeigt, der Schönheit der Zeich-
nung als erste Forderung an den Stecher anerkennt und in Formen
höchste Anmut und Würde zu vereinigen versteht. Der Glanz des
Stiches ist zu bewundern.
Ausgezeichnet ist auch seine heilige Familie nach Rafael, der Brand
von Borgo, Attilas Flucht und Heliodor, nach demselben nicht minder trefflich. Die beiden letzteren lassen die bekannten Blätter von Volpato weit hinter sich. Alle in fol.
Zu seinen vorzüglichsten Werken gehören noch:
St. Johannes, nach Luini.
Die heil. Magdalena, nach Correggio.
Das Bildnis Canova’s, nach Bossi.
Die Porträte von Longhi, Appiani, Peter dem Großen, erstere in 4., letzteres in fol.
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