Amerling, Friedrich

Amerling, Friedrich, Portraitmaler, geb. zu Wien 1803, ein treff- licher Künstler , dessen Bilder sich durch einen hervorstechenden Charakter auszeichnen, der in dem Beobachter die innere Über- zeugung weckt, das Bildnis müsse dem Originale gleichen. Er gehört zu den Talenten, die schon in zarter Jugend, von ihrem

Genius getrieben, auch die größten Hindernisse besiegen, um das geliebte Ziel, das ihnen vorschwebt, zu erreichen. Amerling ist der Sohn eines unbemittelten Handwerkers, der den Sohn zu un- terstützen unfähig war; daher musste sich derselbe durch Illumini- rung von Landcharten und Kupfern und mehrere Jahre durch Zim- mermalen sein Brot zu verschaffen suchen. Nach einer trüben und harten Prüfungszeit, die ihm nie den Muth raubte, wagte er es, Portraite in Oel zu malen, und schon seine ersten Versuche gelan- gen ihm so sehr, dass er sich durch sie zu neuen Arbeiten ermun- tert fühlte. Später erwachte in ihm der Wunsch, England zu se- hen, und er trat auch die Reise mit kleiner Bareschaft an. Hier erwarb er sich die Achtung des berühmten Lawrence, und erhielt die Erlaubnis, dessen Arbeitszimmer zu besuchen, um die fertig ge- wordenen Werke zu studiren. Nachdem er neun Monate zu Lon- don verweilt, reiste er nach Paris , wo er von dem berühmten Vernet freundlich aufgenommen wurde. Doch bald zwangen ihn gezerrüttete Gesundheitsumstände, diese Stadt zu verlassen. Er reiste über München , wo er die reichen Kunstschätze besah, nach sei- ner Vaterstadt, und setzte seine Studien mit großem Eifer fort.

Zwei seiner Gemälde, welche die ersten akademischen Preise er- hielten: Die verlassene Dido und der Gesetzgeber Moses, bewei- sen, dass er auch in der geschichtlichen Malerei viel zu leisten vermöge, doch findet leider diese Kunst weniger Ermunterung.

Zu der Zeit, als in Wien die Cholera wütete, verließ Amer- ling die Stadt und eilte nach Rom, verweilte auch in Venedig und kehrte über Florenz zurück. Der Ruf des Kaisers Majestät gab ihn der Heimath; denn der Monarch liess durch ihn sein Bildniss malen, das auf dem Ritterschlosse zu Laxenburg in der Reihe der Jothringischen Fürsten aufgestellt wurde. Der Monarch empfing ihn mit den gütigen Worten: „Das Portrait meines Bruders (des

Erzherzogs Rudolph) hat mich beredet, Sie von Rom kommen zu lassen, denn ich finde es höchst ähnlich.“ Und so entstand das 81} Fuss hohe Gemälde des Kaisers. Er sitzt in vollem Ornate, mit

den Reichskleinodien geschmückt, auf dem Thronsessel mit Scep- ter und Krone, ein Bild, das sich durch Ähnlichkeit, durch höchst einfache Anordnung und durch Reinheit der Zeichnung

auszeichnet. Die Behandlung der Farben nennt die Zeitschrift

für Kunst, Literatur etc., 1833, Bl. 142, keck, glänzend, manch- mal absichtlich nachlässig, und durchaus dem Effekte den Schmelz der Tinten opfernd, nach dem Beispiele von Lawrence.

Seine Studien nach der Natur bezeichnet Gschladt in den Mit- teilungen aus Wien (1832 von Pietznigg herausgegeben) als eine durch rastlose Ausführung vollendete Wiedergabe, Spiegelbilder der Natur, die aber durch bloss kühne Pinselführung und ähnli- chen Farbengebrauch keineswegs erreicht werden können. Sie können wohl das Auge des Laien bestechen, den Kenner aber nie täuschen oder befriedigen. Diese Skizzen, fährt Gschladt fort, be- weisen zwar als tüchtige Uebermalungen Genie und Kraft, Sicher- heit und Geist; aber mancher Schritt sei noch nothwendig, um auf die Stufe naturgetreuer Vollendung zu gelangen u. s. w.

In wie weit der Tadel gegründet sei, Amerling habe in der Be- handlung der Farben Lawrence zum Vorbilde gewählt, und strebe gleich diesem durch ein glänzendes Colorit, mit Vernachläs- sigung des für alle Zeiten wahren Effekts, das Auge zu bestechen, oder ob bloss seine Reise nach England und die Bekanntschaft mit dem englischen Meister die Veranlassung zu dieser Behauptung gegeben, werden die Kunstrichter entscheiden. Gschladt tadelt zwar den Künstler, aber er gesteht ihm ein ungewöhnliches Ta- lent zu, das zu schönen Hoffnungen berechtige. Er wird die Klippe vermeiden, an der in unsern Tagen manches jugendliche Talent zescheitert ist, und den wahren Weg zum Ruhme sehen. Vgl.

österreichisches Archiv für Geschichte etc., 1832, Nr. 140 u. 150

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