Amerigi (Merigi), Michel Angelo, genannt da Carravaggio, von seinem Geburtsorte, einem Schlosse im Mailändischen, gebo- ren , gestorben 1600.
Unter dürftigen Umständen geboren, sah er sich in Rom gezwun- gen, bei dem Cavaliere d’Arpino, der damals einen grossen Ruhm genoss, um Lohn zu arbeiten. Doch folgte er den Lehren seines neuen Meisters nicht, er bildete sich eine eigene Manier, die vielen Beifall fand, so dass ihn der Ritter bald als Nebenbuh- ler mit unversöhnlicher Feindschaft verfolgte.
Zu seiner Zeit bildeten sich zwei Partheien, von denen die eine den Pfad der Poesie verfolgte, aber der Einbildungskraft zu freien Spielraum gönnend, die Wahrheit ausser Augen verlor. Das Haupt dieser Parthei ist Cesare d’Arpino. Wenn die Maler dieser Schule die Natur wenig beachteten, und einer imaginären, ins Phantasti- sche sich verlierenden Darstellungsweise huldigten, so suchten die der Gegenparthei eine das Geistige wenig beachtende Uebertragung des Natürlichen, so dass oft das Gemeine und nur das in seiner sinnlichen Bedeutung Auffallende mehr als das Kräftige und Wahre galt. Der Representant dieser Classe ist Carravaggio.
Lanzi I. 451 d. Ausg. nennt Amerigi einen merkwürdigen Künst- ler seines Zeitraums, weil er nach seiner Ansicht die Malerei zur Wahrheit zurückführte, sowohl in den Formen als im Colorit, worin er Giorgione zum Muster nahm. Allein Lanzi irrt in sei- ner Behauptung; Carravaggio führte die Malerei nur zur ge- meinen Wirklichkeit, so wie er nur die Fehler des grossen Gior- gione und die durch die Zeit entstandenen Verdunkelungen seiner Gemälde nachahmte. S. von Quandt’s Anmerk. zum Lanzi.
Es ist übrigens bei den Critikern nur ein Urtheil über Amerigi. Sie sagen: dieser Künstler habe, allem guten Geschmacke entge- gen, das Gewöhnliche und das Gemeine mit Absicht gesucht und ohne sorgfältiges Studium nur tadelnswerthe Werke geliefert. Allein man übersieht hiebei das grosse Talent, welches Carravaggio durch- aus bewährt hat, und rechnet ihm als Schuld an, was eigentlich nur dem ohne Talent folgenden Haufen der Nachahmer zur Last fällt. Er selbst war nicht allein im Leben, sondern auch als Ma- ler ein Renomist, d. h. eine ungezügelte kräftige Natur, in Extre- men sich gefallend. Um der schwächlichen Sentimentalität und der Charakterlosigkeit, die überhand nahm, entgegen zu wirken, ward ein so fest und bestimmt auftretender Widerpart erfordert, nur hätte er der Einzige bleiben sollen. Der Aufruf, zur Natur zu-
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