Amerigi malte Blumen und Früchte und dann oblonge Bilder mit halben Figuren, was nach ihm sehr in Aufnahme kam. Szenen des niedrigsten Lebens, und vornehmlich den Charakter von Betrügern und Gaunern hat er mit viel nationaler Wahrheit und Unförmigkeit dargestellt, wie unter andern sein Gemälde „Der Spieler im Palaste Sciarra“ zeigt. Dagegen aber können seine religiösen Gegenstände, in welchen heilige Personen den Charakter des hierigen Pöbels tragen, nur einen sehr unerfreulichen Eindruck gewähren. Wenn wir beim Rafael bewundern, dass er selbst hässlichen und durch Krankheit entstellten Gestalten, durch das Tiefe und Bedeutende des Ausdrucks und durch das Grosse und Edle des Styls gewisse Schönheit in der Darstellung zu geben wusste, so hat hingegen Carravaggio das Hässliche und Gemeine auch mit gemeinem Sinne aufgefasst; und dieser Vorwurf trifft ihn gerade am meisten in dem Charakter seiner Bildungen bei der Darstellung edler Gestalten. Dabei ist er aber, obgleich man ihn als Meister der Technik betrachtet, ebenso wenig frei von willkürlicher conventioneller Manier, insbesondere verfiel er auf eine sehr erkünstelte Beleuchtung, wie sie in einem eingeschlossenen, nur durch eine in der Höhe angebrachte Öffnung erhellen Raum erscheint. Um diese nach der Natur zu studieren, liess er sich ein solches Lokal zu seiner Werkstätte einrichten, in dem die Wände noch überdies schwarz angestrichen waren, um von den Modellen wo möglich allen Reflex zu entfernen. Seine Gemälde erhielten dadurch eine sehr starke, kräftige, aber keineswegs wahrhaft schöne Wirkung durch Farbe, so wie durch Licht- und Schattenmassen. In den Schatten ist Schwarz, in den Lokalfarben des Fleisches ein gelblicher Ton das Vorherrschende. In den früheren Arbeiten dieses Künstlers, in denen er sich den Giorgione zum Muster genommen haben soll, und von denen sich mehrere in den römischen Gallerien befinden, ist ein mehr der Natur gemässes Colorit zu bemerken. Aber eben seine vorerwähnte spätere Manier in der Beleuchtung und Farbenwirkung war dasjenige, was ihm so grosse Bewunderung und zahlreiche Nachahmer verschaffte. Selbst einige Künstler aus der Car-
Amerigi (Merigi), Michel Angelo.
raccischen Schule, mit der er im formellen Gegensatz steht, such- ten sich dieselbe anzueignen.
In Rom arbeitete Carravaggio einige Zeit für den Cardinal del Monte, dem seine Spieler ausserordentlich gefielen. Er verfertigte auch die Portraite Paul V. und Urban VIII. und einige Bilder für Kirchen. Doch lebte er im steten Kampfe mit der Gegenparthei, Man liess ihn die Geisel der Critik fühlen, warf ihm seinen schlech- ten Geschmack und seine unedlen Gestaltert vor, und brachte es gso weit, dass die meisten Gemälde, die er vcrfertiget hatte, aus der Kirche genommen wurden. Sein düsterer Geist lıess ihn nicht ruhig an einem Orte verweilen; er musste eines Mordes wegen aus Rom flüchten, kam in mehrere Städte, verfertigte überall einige Werke, so lange, bis er wieder als Flüchtling die Thore suchen musste. Er begab sich auch nach Malta, um äen Titel eines Rit- ters zu erhalten, was er auch erreichte. Er schmückte dort die Kirche von St. Johann mit Gemälden und malte zweimal das Por- trait des Grossmeisters Vignacourt, der ihn dann zur Belohnung zum Ritter machte. Doch bald zogen ihm Streitigkeiten mit einem angeschenen Ritter Gefängniss zu; er entfloh, kam nach Sicilien, fand sich aber dort nicht sicher und schiffte sich nach Neapel ein. Er beschloss jetzt wieder nach Rom zurückzukehren, wurde aber auf dem Wege überfallen und stark verwundet, was ihm den Tod verursachte.
Rom besitzt noch viele Bilder dieses Künstlers,
Eines seiner berühmtesten ist die Grablegung, gegenwärtig in der vatikanischen Sammlung. Der Künsler malte $liese: Bild für eine Kapelle der Kirche, genannt: la chiesa nuova, und lieferte in seiner Art ein Meisterstüuck der Kunst. Es wurde als Altarbild der Kapelle des hl. Sakraments in der Peterskirche in Mosaik ge- setzt; befand sich auch einige Zeit als Sicegesbeute in Paris. Suy- dehoef hat das Bild gestochen,
In der Kapelle auf dem Kapitol sind die vier Evangelisten, das Edelste und Beste dieses Künstlers. Auf dem Cam idoglio ist von ihm noch ein hl. Sebastian, und in der Kirche S. Y.uigt dei Fran- cesi die Berufung des Apostels Matthäus, der Tod desselben und die Erscheinung der Engel. Sie sind auf Leinwand gemalt und wurden in neuester Zeit von Palmaroli restaurirt.
Mehrere Bilder von Carravaggio sind in der Gallerie Doria, im Hause Borghese das Mahl zu Emaus, in der pamfilischen Samm- Jung rühmt Lanzi die Hagar mit dem verschmachtenden Ismael und die Obsthändlerin. Die hl. Anna, deren dieser Schriftsteller erwähnt, befindet sich nicht mehr in dem Pallaste Spada. Be- rühmt sind die Spieler in der Gallerie Sciarra, gest. von Voulpato,
Im Pariser Museum befinden sich etliche Bilder von diesem Künstler, darunter der Tod-der hl. Jungfrau, in lebensgrossen Fi- uren; ein Bild, das zu den vorzüglichsten des Carravaggio ge- äört, obwohl es von dessen gewöhnlichen Fehlern nicht frei ist. Er verfertigte es für die Kirche della scala zu Rom, es wurde aber wieder vom Altare genommen, weil man sagte, er habe den Cada- ver einer ertrunkenen Frau zum Moudelle genommen. Der Herzog von Mantua kaufte selbes; hierauf kam es in den Besitz Karl II. von England und von da in den des Königs von Frankreich.
Auch die k. b. Sammlung, so wie einige andere deutsche Galle- rien, besitzen Bilder von Merigi. KEinen seltenen Schatz hat die
— Giustinianische Sammlung zu Berlin aufzuweisen: Einen heil. Mat- thäus, über Lebensgrösse; Joseph von Arimathia und Johannes tragen den Heiland zum Grabe, dessen herabhängende Hand Mag- dalena an die Lippen presst; die sinpliche Liebe, und als Gegen-
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_043rAAAAMAAJ